Thoracic-outlet-Syndrom
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
LoslegenSynonym: Schultergürtel-Kompressionssyndrom
Englisch: thoracic outlet syndrome, TOS
Definition
Unter dem Begriff Thoracic-outlet-Syndrom, kurz TOS, werden neurovaskuläre Kompressionssyndrome zusammengefasst, die an der oberen Thoraxapertur auftreten. Die Kompression betrifft den Plexus brachialis und/oder die Arteria subclavia bzw. Vena subclavia
Anatomie
In seinem Verlauf durchläuft der Plexus brachialis drei Engstellen (Skalenuslücke, Kostoklavikularraum und Korakopektoralraum). Hier kann es durch knöcherne, muskuläre und fibröse Strukturen zur Kompression kommen.
Einteilung
... nach Ursache
Je nach Ursache wurden verschiedene Bezeichnungen für Kompressionssyndrome verwendet, die unter den Sammelbegriff TOS fallen:
... nach betroffener Struktur
- neurogenes TOS (nTOS): Nervenkompression im Bereich des Plexus brachialis
- arterielles TOS (aTOS): Kompression der den Arm versorgenden Arterien
- venöses TOS (vTOS): Kompression der großen Armvenen
Der Begriff vaskuläres TOS bezeichnet den Oberbegriff für aTOS und vTOS zusammen.
Daneben wurde der Begriff des Thoracic-inlet-Syndroms (TIS) geprägt. Hierbei ist der venöse Rückstrom z.B. durch Kompression oder Thrombose der Vena subclavia behindert. Ein klinisch bedeutsames Beispiel ist das Paget-von-Schroetter-Syndrom, bei dem es zu einer Thrombose der Vena subclavia oder axillaris kommt.
Ätiologie
Mögliche Ursachen eines TOS sind:
- angeborene anatomische Varianten
- Halsrippen
- fibröse Bänder
- Processus transversus elongatus des 7. Halswirbels
- erworbene Ursachen
- muskuläre Hypertrophie (z.B. bei Leistungssportlern)
- Kallus nach Klavikulafraktur
- Haltungsschäden
- traumatische Auslöser
Symptomatik
Die Symptome des TOS lassen sich nach der Ursache (Nervendrucklähmung oder Ischämie) unterscheiden. Über > 80–90 % der Fälle sind neurogen bedingt.
Neurogenes Thoracic-outlet-Syndrom
Je nach Ort der ursächlichen Nervenkompression unterscheiden sich die neurologischen Symptome:
- Parästhesien des gesamten Arms mit Hyperhidrose (häufig nachts)
- Kältegefühl
- in den Arm ausstrahlende Schulterschmerzen
- Muskelschwäche bis hin zur schlaffen Parese des gesamten Arms
- bleibende Lähmungen oder Sensibilitätsstörungen (selten)
Arterielles Thoracic-outlet-Syndrom
Eine arterielle Kompression äußert sich durch Symptome wie:
- Muskelschwäche
- Schmerzen
- Blässe und Minderperfusion mit Kältegefühl in der Hand
Langfristig können Gefäßveränderungen auftreten:
- thrombotische Ablagerungen
- kompensatorische Gefäßerweiterung
Venöses Thoracic-outlet-Syndrom
Eine Behinderung des Blutflusses durch eine venöse Kompression zeigt sich häufig durch:
- Spannungsgefühl
- Schwellung von Hand und Arm
- Zyanose
Diagnostik
Die Diagnose wird klinisch gestellt und beruht auf verschiedenen Untersuchungsmethoden:
- Anamnese und Schmerzanamnese
- Funktionsdiagnostik
- Erhebung des Gefäßstatus und des neurologischen Status
- Bildgebung (z. B. Röntgen, CT-Angiografie, MRT, Dopplersonografie)
Daneben sind Provokationstestungen ein wichtiges diagnostisches Kriterium:
Differenzialdiagnosen
Die Diagnose TOS gilt als Ausschlussdiagnose. Mehrere Erkrankungen äußern sich im Frühstadium durch unspezifische Symptome wie Parästhesien oder Sensibilitätsstörungen. Deshalb ist eine umfassende Anamneseerhebung essenziell. Die wichtigsten Differenzialdiagnosen sind:
- zervikale Radikulopathien
- Karpaltunnelsyndrom
- Incisura-Scapulae-Syndrom
- milde Formen der zervikalen Dystonie
- Neuralgische Schulteramyotrophie
- Tumore im Verlauf des Plexus brachialis
- Akromioklavikuläre Osteoarthritis
- Dyskinesien des Schulterblatts
- Complex Regional Pain Syndrome
- Tendinitis des Musculus biceps brachii
- Kompressionssyndrom des Nervus ulnaris (v.a. Loge-de-Guyon-Syndrom und Ulnarisrinnensyndrom)
- Pancoast-Tumor
- Fibromyalgie-Syndrom
Transiente Symptome eines TOS können bei Sportlern oder nach körperlicher Arbeit mit stereotypen Bewegungsmustern (z.B. Schwimmen oder Holzhacken) auftreten.
Therapie
Konservativ
Die konservative Behandlung ist in den meisten Fällen indiziert, kann allerdings in seltenen Fällen die Symptome aggravieren (insbesondere bei intensiven Dehnungsübungen und manuellen Anwendungen).
Grundsätzlich kommt eine Kombination verschiedener Ansätze in Betracht:
- Physiotherapie (z.B. Nervenmobilisierung, Haltungsschulung)
- Ergotherapie
- Muskelkräftigung der Schulter- und Nackenmuskulatur
- Schmerztherapie
Operativ
Eine operative Behandlung des TOS gilt als komplex und wird deshalb meist erst nach Ausschöpfung konservativer Behandlungsmethoden sowie bei nachweisbaren Gefäßveränderungen oder drohender Nervenschädigung empfohlen.
Die chirurgische Therapie unterscheidet sich je nach Ursache. Ziel ist primär die Entlastung der Engstelle durch resezierende Operationsverfahren.
Weblinks
- Physiopedia - Elevated arm stress test
- Physiopedia - Adson-Test
- Cleveland Clinic - Thoracic Outlet Syndrome
Quellen
- Leitlinie zum Thoracic Outlet Syndrom (DGG, 2008)
- Dengler et al., Neurogenes Thoracic-Outlet-Syndrom, Deutsches Ärzteblatt, 2022
- Kakamad et al., Differential Diagnosis of Neurogenic Thoracic Outlet Syndrome: A Review, BMJ, 2025
- Sivathasan, Recognising and managing thoracic outlet syndrome in primary care, Br J Gen Pract, 2026