Thoracic-outlet-Syndrom
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LoslegenSynonym: Schultergürtel-Kompressionssyndrom
Englisch: thoracic outlet syndrome, TOS
Definition
Unter dem Begriff Thoracic-outlet-Syndrom, kurz TOS, werden neurovaskuläre Kompressionssyndrome zusammengefasst, die an der oberen Thoraxapertur auftreten. Die Kompression betrifft den Plexus brachialis und/oder die Arteria subclavia bzw. Vena subclavia
Anatomie
In seinem Verlauf durchläuft der Plexus brachialis drei Engstellen (Skalenuslücke, Kostoklavikularraum und Korakopektoralraum). Hier kann es durch knöcherne, muskuläre und fibröse Strukturen zur Kompression kommen.
Einteilung
... nach Ursache
Je nach Ursache wurden verschiedene Bezeichnungen für Kompressionssyndrome verwendet, die unter den Sammelbegriff TOS fallen:
... nach betroffener Struktur
- neurogenes TOS (nTOS): Nervenkompression im Bereich des Plexus brachialis
- vaskuläres TOS: Kompression von Gefäßen
- arterielles TOS (aTOS): Kompression der den Arm versorgenden Arterien
- venöses TOS (vTOS): Kompression der großen Armvenen
Daneben wurde der Begriff des Thoracic-inlet-Syndroms (TIS) geprägt. Hierbei ist der venöse Rückstrom z.B. durch Kompression oder Thrombose der Vena subclavia behindert. Ein klinisch bedeutsames Beispiel ist das Paget-von-Schroetter-Syndrom, bei dem es zu einer Thrombose der Vena subclavia oder axillaris kommt.
Die Abgrenzung zwischen Thoracic-outlet- und Thoracic-inlet-Syndrom ist in der Literatur nicht einheitlich.
Epidemiologie
Die Inzidenz wird auf etwa 2–4 Fälle pro 100.000 Einwohner und Jahr geschätzt. Das neurogene TOS macht etwa 90–95 % aller Fälle aus, während arterielle und venöse Formen deutlich seltener sind. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
Ätiologie
Mögliche Ursachen eines TOS sind:
- angeborene anatomische Varianten
- Halsrippen
- fibröse Bänder
- Processus transversus elongatus des 7. Halswirbels
- erworbene Ursachen
- muskuläre Hypertrophie (z.B. bei Leistungssportlern)
- Kallus nach Klavikulafraktur
- Haltungsschäden
- traumatische Auslöser
Symptomatik
Die Symptome sind abhängig von den betroffenen Leitungsbahnen.
Neurogenes Thoracic-outlet-Syndrom
Der neurologische Befund hängt von den betroffenen Faserbahnen ab. Typisch sind:
- Parästhesien des gesamten Arms mit Hyperhidrose (häufig nachts)
- Kältegefühl
- Schulterschmerzen, in den Arm ausstrahlend
- Sensibilitätsstörungen
- Muskelschwäche
- Paresen und Atrophie einzelner Muskelgruppen (selten)
Die Beschwerden können intermittierend oder dauerhaft auftreten.
Arterielles Thoracic-outlet-Syndrom
Eine arterielle Kompression äußert sich durch Symptome wie:
- Muskelschwäche
- Schmerzen
- Blässe und Minderperfusion mit Kältegefühl in der Hand
Langfristig kann eine kompensatorische Erweiterung von Kollateralgefäßen auftreten.
Venöses Thoracic-outlet-Syndrom
Eine Behinderung des Blutflusses durch eine venöse Kompression zeigt sich häufig durch:
- Zyanose
- Spannungsgefühl
- Schwellung von Hand und Arm
Diagnostik
Die Diagnostik umfasst u.a.:
- Anamnese und Schmerzanamnese
- klinische Untersuchung und Funktionsdiagnostik
- Provokationstests (Adson-Test, Roos-Test, Wright-Test, Eden-Test)
- Erhebung des Gefäßstatus und des neurologischen Status
- Bildgebung (z.B. Dopplersonografie, Röntgen, CT-Angiografie, MRT)
Differenzialdiagnosen
Die Diagnose TOS gilt als Ausschlussdiagnose. Viele Erkrankungen äußern sich im Frühstadium durch unspezifische Symptome wie Parästhesien oder Sensibilitätsstörungen. Deshalb ist eine umfassende Anamneseerhebung essenziell. Die wichtigsten Differenzialdiagnosen sind:
- zervikale Radikulopathien
- Karpaltunnelsyndrom
- Incisura-Scapulae-Syndrom
- milde Formen der zervikalen Dystonie
- Neuralgische Schulteramyotrophie
- Tumore im Verlauf des Plexus brachialis
- Akromioklavikuläre Osteoarthritis
- Dyskinesien des Schulterblatts
- Complex Regional Pain Syndrome
- Tendinitis des Musculus biceps brachii
- Kompressionssyndrom des Nervus ulnaris (v.a. Loge-de-Guyon-Syndrom und Ulnarisrinnensyndrom)
- Pancoast-Tumor
- Fibromyalgie-Syndrom
Transiente Symptome eines TOS können bei Sportlern oder nach körperlicher Arbeit mit stereotypen Bewegungsmustern (z.B. Schwimmen oder Holzhacken) auftreten.
Therapie
Konservativ
Grundsätzlich kommt eine Kombination verschiedener Ansätze in Betracht:
- Physiotherapie (z.B. Nervenmobilisierung, Haltungsschulung)
- Ergotherapie
- Muskelkräftigung der Schulter- und Nackenmuskulatur
- Schmerztherapie
Operativ
Eine operative Behandlung des TOS gilt als komplex und wird deshalb meist erst nach Ausschöpfung konservativer Behandlungsmethoden sowie bei nachweisbaren Gefäßveränderungen oder drohender Nervenschädigung empfohlen.
Mögliche Verfahren sind die neurovaskuläre Dekompression sowie die Resektion einer Halsrippe oder die Entfernung der ersten Rippe. Die Wahl des Verfahrens richtet sich nach Ursache und Lokalisation der Kompression.
ICD-10-Codes
Je nach Ursache kommen folgende ICD-10-Codes in Frage:
- G54.0 - Läsionen des Plexus brachialis
- I87.1 - Venenkompression
- Q76.5 - Halsrippensyndrom
Weblinks
- Physiopedia - Elevated arm stress test
- Physiopedia - Adson-Test
- Cleveland Clinic - Thoracic Outlet Syndrome
Quellen
- Leitlinie zum Thoracic Outlet Syndrom (DGG, 2008)
- Dengler et al., Neurogenes Thoracic-Outlet-Syndrom, Deutsches Ärzteblatt, 2022
- Kakamad et al., Differential Diagnosis of Neurogenic Thoracic Outlet Syndrome: A Review, BMJ, 2025
- Sivathasan, Recognising and managing thoracic outlet syndrome in primary care, Br J Gen Pract, 2026