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Leberanatomie

Lateinisch: hepar - Leber
Englisch: liver anatomy

1 Definition

Die Leberanatomie beschreibt den anatomischen Aufbau der Leber.

Die Beschreibung der Leberanatomie kann nach morphologischen oder funktionellen Gesichtspunkten erfolgen. In der Klinik wird vor allem die funktionelle Anatomie verwendet. Die folgenden Angaben beschreiben die morphologische Leberanatomie, die funktionelle Anatomie wird im letzten Absatz geschildert.

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2 Überblick

Die Leber ist die größte Verdauungsdrüse des menschlichen Körpers. Ihr durchschnittliches Gewicht liegt beim Mann zwischen 1.400 bis 1.600 g, bei der Frau zwischen 1.200 und 1.400 g. Ihre äußere Form lässt sich am ehesten mit der eines breiten Keils vergleichen, dessen Basis zum Zwerchfell weist und dessen unterer Rand nach ventral und kaudal hin scharf ausläuft.

In transversaler Richtung beträgt die größte Ausdehnung der Leber etwa 20-23 cm, in vertikaler Richtung in der Nähe des rechten lateralen Randes 15-18 cm. Auf der Höhe des rechten oberen Nierenpols ergibt sich ein sagittaler Durchmesser zwischen 10 und 13 cm, der sich auf der Höhe der Wirbelsäule auf etwa 7-8 cm reduziert und im Bereich des linken Leberlappens nach lateral kontinuierlich weiter abnimmt.

Die Konsistenz der gesunden Leber ist weich-elastisch. Die Farbe ist dunkel-rostbraun mit leicht spiegelnder Öberfläche. Die äußere derbe Bindegewebshülle der Leber, die das eigentliche Lebergewebe umschließt, wird als Leberkapsel (Capsula fibrosa) bezeichnet.

3 Oberflächen

Die Leber besitzt 3 Oberflächen, eine Facies superior, inferior und posterior. Die Facies inferior wird von der Facies superior durch einen scharfen, gut definierten Rand, den freien Leberrand (Margo inferior) getrennt. Die anderen Leberränder sind abgerundet.

3.1 Facies superior

Die Facies superior ist durch ein sichelförmiges Band, das Ligamentum falciforme mit dem Zwerchfell und der vorderen Bauchwand verbunden. Im freien Rand dieses Bands befindet sich das Ligamentum teres hepatis, das Reste der obliterierten Nabelvene enthält. Die Ansatzlinie des Ligamentum falciforme teilt die Leber in 2 Teile, einen deutlich größeren rechten Leberlappen (Lobus hepatis dexter) und einen linken Leberlappen (Lobus hepatis sinister).

3.2 Facies inferior und Facies posterior

Die Facies inferior und posterior werden durch 5 Vertiefungen in vier Lappen unterteilt. Diese Vertiefungen sind in Form eines "H" angeordnet, das oben den Lobus caudatus, unten den Lobus quadratus einfasst. Der linke Schenkel des "H" ist die Fossa sagittalis sinistra oder auch Fossa longitudinalis. Sie markiert die Teilung der Leber in den rechten und linken Leberlappen und besteht aus 2 Teilen, einer anterioren Vertiefung für die Nabelvene (Fissura ligamenti teretis) und einer posterioren für den zum Ligamentum venosum obliterierten Ductus venosus hepatis (Fissura ligamenti venosi). Der rechte Schenkel des "H" wird nach vorne hin von der Vertiefung für die Gallenblase, der Gallenblasengrube (Fossa vesicae felleae) gebildet, nach hinten von der Vertiefung für die Vena cava inferior, der Fossa venae cavae. Die beiden Fossae werden durch ein Stück bandförmiges Lebergewebe getrennnt, den Processus caudatus. Der quer liegende Balken des "H" ist die Leberpforte (Porta hepatis). Dort treten die Arteria hepatica propria und die Vena portae in die Leber ein, der Ductus hepaticus tritt aus der Leber heraus.

3.2.1 Impressionen

Neben diesen Vertiefungen sind auf der Unterfläche der Leber noch weitere Eindellungen der Leberoberfläche zu sehen, die durch die Nachbarorgane hervorgerufen werden. Zu ihnen zählen:

In Verlängerung der Impressio oesophagea und rechts neben der Impressio gastrica hepatis liegt eine Vorwölbung, der Tuber omentale hepatis.

4 Lappen

4.1 Lobus dexter

Der rechte Leberlappen ist wesentlich größer als der linke. Das Verhältnis beträgt etwa 6:1. Er besetzt den rechten Oberbauch und wird auf der Oberseite vom linken Leberlappen durch das Ligamentum falciforme getrennt, auf der Unter- bzw. Rückseite von der Fossa sagittalis sinistra. Er hat in etwa die Form eines Rechtecks.

4.2 Lobus quadratus

Der Lobus quadratus liegt an der Unterseite des rechten Leberlappens und wird ventral vom Margo inferior, dorsal von der Porta hepatis, rechts von der Gallenblase und links von der Fossa sagittalis sinistra begrenzt.

4.3 Lobus caudatus

Der Lobus caudatus liegt an der Rückseite des rechten Leberlappens, gegenüber dem X. und XI. Thorakalwirbel. Er wird kaudal von der Porta hepatis, rechts von der Fossa venae cavae und links von Fossa sagittalis sinistra eingefasst. Er besitzt eine nahezu vertikale Ausrichtung und hat in transversaler Richtung ein leicht konkave Form. Über den Processus caudautus besteht eine schmale Brücke aus Lebergewebe zur Unterseite des rechten Leberlappens.

4.4 Lobus sinister

Der linke Leberlappen ist kleiner und flacher als der rechte. Er reicht in das Epigastrium und in den linken Oberbauch. Seine Facies superior ist konvex und erscheint wie auf das Zwerchfell modelliert. Die Facies inferior zeigt dort eine Vertiefung, wo der Magen an die Leber grenzt.

5 Blutgefäße

Bei der Blutversorgung der Leber unterscheidet man Blutgefäße, die der Eigenversorgung der Leber dienen (Vasa privata) und Blutgefäße, die den "öffentlichen" Pfortaderkreislauf bilden (Vasa publica).

5.1 Vasa privata

Die Eigenversorgung der Leber mit arteriellem Blut erfolgt über die Arteria hepatica propria, die sich in zwei Hauptäste, die Arteria hepatica dextra und die Arteria hepatica sinistra, aufteilt. Innerhalb der Leber verzweigen sich diese Gefäße - der Leberarchitektur folgend - zwischen den Leberläppchen in Arteriae interlobulares, welche die Lebersinusoide speisen.

Den venösen Abfluss aus den Lebersinusoiden besorgen die Zentralvenen (Venae centrales). Sie vereinigen sich zu Venae sublobulares und diese wiederum zu den drei Hauptvenen der Leber, der Vena hepatica dextra, Vena hepatica sinistra und Vena hepatica intermedia. Sie münden schließlich in die Vena cava inferior. Zusätzlich sorgen kleinere Spieghel-Venen für einen Abfluss des venösen Bluts aus dem Lobus caudatus der Leber.

5.2 Vasa publica

Das nährstoffreiche Blut aus dem Gastrointestinaltrakt wird der Leber über die Vena portae hepatis (Pfortader) zugeleitet. Sie verzweigt sich - der Arteria hepatica propria und den Gallengängen folgend - zu kleineren Ästen, welche die Sinusoide erreichen.

Der venöse Abfluss erfolgt über die oben beschriebenen Venen.

6 Bänder

Die Leber ist mit dem Zwerchfell fest über mehrere bandförmige Bauchfellduplikaturen bzw. -umschlagsfalten verbunden. Dazu zählen:

Das Lig. hepatoduodenale und Lig. hepatogastricum bilden das Omentum minus zwischen Leber und Magen

7 Embryologie

Die Leber ist schon beim jungen Embryo (ca. 28 Tage) als Epithelverdickung des Endoderms am Übergang vom intra- zum extraembryonalen Teil des Nabelbläschens (Vesicula umbilicalis) erkennbar. Sie entsteht aus einer epithelialen Knospe des embryonalen Vorderdarms, welche proliferiert und sich zum reifen Organ differenziert.

siehe Hauptartikel: Embryonale Leberentwicklung

8 Chirurgische Anatomie

Neben der oben beschriebenen, morphologischen Anatomie wird - vor allem in der Chirurgie - eine Unterteilung der Leber nach funktionellen Gesichtspunkten verwendet. Dabei wird die Leber durch ihre Zuflüsse der Vena portae in 8 Lebersegmente (I-VIII) gegliedert. Das Segment I entspricht dem Lobus caudatus. Es ist funktionell autonom, da es eine unabhängige Gefäßversorgung besitzt.

Eine Merkhilfe zur Nummerierung der Lebersegmente ist die Benennung im Uhrzeigersinn. Dabei wird anterior-superior am linken Leberlappen mit Segment II angefangen.

  • Linker Leberlappen: Segmente II-IV; Segment IV kann in IVa - superior und IVb - inferior unterteilt werden.
  • Rechter Leberlappen: Segmente V-VIII

Nach dieser Aufteilung liegt die Grenze des rechten Leberlappens an der Fossa sagittalis dextra (Cava-Gallenblasen-Linie).

Wichtige viszeralchirurgische Orientierungsregionen in Lebernähe bei einer Cholezystektomie sind:

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