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Gefleckter Schierling

Englisch: (poison) hemlock

1 Definition

Der Gefleckte Schierling ist eine giftige Pflanzenart aus der Familie der Doldenblütengewächse (Apiaceae). Die botanische Bezeichnung lautet Conium maculatum.

2 Synonyme

  • Trivialnamen: Fleckenschierling, Echter Schierling, Mäuseschierling, Vogeltod, Würgling, Wüterich sowie zahlreiche weitere, regionale Volksnamen
  • wissenschaftliche Synonyme (veraltet): unter anderem Cicuta maculata, Conium cicuta, Selenium conium

3 Merkmale

Der Gefleckte Schierling ist eine zweijährige Pflanze und erreicht eine Wuchshöhe von 0,8 bis 1,8 m. Das Wurzelsystem bildet eine Rübe als Wurzelspross aus. Der Stängel ist rund, kahl, bläulich bereift und unten rötlich gefleckt. Die Blätter sind ebenfalls kahl und 2- bis 4-fach gefiedert. Zwischen Juni und September erscheinen die typischen Blütendolden mit zahlreichen kleinen, weißen Einzelblüten. Die Blütenhülle ist 3- bis 5-blättrig, die Hüllblättchen sind dreieckig-lanzettlich. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten. Die Frucht ist eirund und besitzt wellig gekerbte Rippen. Der Samen ist langlebig und keimt nach Kälteeinwirkung und unter Lichteinfluss. Durch den hohen Gehalt an Coniin besitzt die Pflanze einen markanten Geruch nach Mäuseharn.

4 Vorkommen

Das Verbreitungsgebiet umfasst die klimatisch gemäßigten Regionen Europas, Westasiens und Nordafrikas. Darüber hinaus wurde die Art in Teilen Ostasiens, Australiens, Neuseelands und Nordamerikas eingeführt. Die besiedelten Habitate sind vielfältig (z.B. Uferzonen von Fließgewässern, Küstenspülsäume, Hecken- und Gebüschränder, Ruderalflächen). Durch die Bekämpfung als Ackerunkraut ist der Bestand gebietsweise rückläufig.

5 Pharmazeutische Drogen

  • Conii maculati herba, Fleckenschierlingskraut, Schierlingskraut: zur Gewinnung von Arzneidrogen dienen die oberirdischen Pflanzenteile (Kraut), ohne dickere Stängel und Äste. Diese werden im zweiten Jahr zur Blütezeit gesammelt und getrocknet.

6 Verwendung

Eine Anwendung in der Schulmedizin findet nicht statt. Im Rahmen der Alternativmedizin wird die Pflanze in Form homöopathischer Zubereitungen (Bezeichung: Conium) angewandt. Indikationsgebiete sind hierbei z.B. Vertigo, Reizhusten und Schwellung von Drüsen. Für die Herstellung homöopathischer Arzneimittel wird in der Regel auf frisches Pflanzenmaterial zurückgegriffen.

Der Gefleckte Schierling hat eine große historische Bedeutung. So erfolgte zeitweise die Anwendung der Pflanze als Heilpflanze, etwa zur Beruhigung und Analgesie. Eine Bedeutung für Rezepturen von Hexensalben wird angenommen. Weiterhin bekannt ist die Pflanze als Bestandteil des Schierlingsbechers, ein schierlinghaltiges Getränk zur Hinrichtung oder Selbsttötung. Der Schierlingsbecher ist vor allem aus der Antike und in Zusammenhang mit dem Tod des Philosophen Sokrates (399 vor Christus) bekannt.

cave: aufgrund der Giftigkeit der Pflanze ist eine Anwendung nicht-homöopathischer Zubereitungen in der Selbstmedikation kontraindiziert!

7 Inhaltsstoffe

Conium maculatum zeichnet sich besonders durch den hohen Gehalt verschiedener Alkaloide (alle Pflanzenteile) aus. Diese Alkaloide kommen zwar teilweise auch bei anderen Pflanzengattungen vor, werden jedoch häufig als Coniumalkaloide zusammengefasst. Der Gesamtgehalt ist kurz vor der Fruchtreife am höchsten und beträgt bis zu 2 %. Die Früchte enthalten bis zu 3,5 % Alkaloide. Im Zuge von Trocknung und Lagerung des Pflanzenmaterials verringert sich der Alkaloidgehalt nur langsam. Die Hauptalkaloide sind:

  • Coniin: Hauptalkaloid, beträgt circa 90 % des Gesamtalkaloidgehalts, ist aufgrund des vehältnismäßig hohen Gehalts maßgebend für die Toxizität; charakteristischer Geruch nach Mäuseharn
  • γ-Conicein: circa 9 % des Gesamtalkaloidgehalts

Nebenalkaloide sind: Conhydrin, Pseudoconhydrin und Methylconiin. Die Nebenalkaloide besitzen ebenfalls pharmakologische Eigenschaften, die in ausreichend hoher Dosierung zu toxischen Effekten führen.

8 Toxikologie

Details zur Pharmakologie und Toxikologie: siehe Coniin.

Die Alkaloide wirken lokal reizend sowie neurotoxisch (curarertige Lähmungen). Die Aufnahme in den Blutkreislauf erfolgt über die Schleimhäute des Gastrointestinaltrakts zügig. Eine transdermale Resorption ist ebenfalls möglich.

8.1 Wirkung

Symptome einer Intoxikation mit Coniin können Brennen der Mund- und Rachenschleimhaut, Hypersalivation, Nausea, Emesis und Diarrhoe sein. Anfänglich Miosis, Tachykardie mit Hypertonie und Tachypnoe, später Mydriasis, Bradykardie mit Hypotonie, ggf. Schock und Bradypnoe oder Dyspnoe. Es setzt eine aufsteigende (in den Beinen beginnende) Lähmung der quergestreiften Muskulatur ein, die zur vollständigen Paralyse führen kann. Letale Dosen führen zum Tod durch Atemlähmung bei erhaltenem Bewusstsein.

Die Dosis letalis wird für den Menschen mit 0,1 bis 1,0 g Coniin angegeben.

8.2 Therapie der Vergiftung

Erbrechen herbeiführen (Emetika), resorptionsvermindernde Maßnahmen (Aktivkohle, Natriumsulfat, Magenspülung mit Kaliumpermanganat-Lösung 0,02 bis 0,1 %, zum Schluss circa 300 ml Kaliumpermanganat-Lösung im Magen belassen), ggf. Schocktherapie/ Plasmaexpander und intensivmedizinische Betreuung (künstliche Beatmung), darüber hinaus symptomatisch. Die Gefahr der Aspiration aufgrund der Lähmung der Hals- und Schluckmuskulatur ist zu beachten. Der Patient muss warmgehalten werden.

Die Applikation von Cholinesteraseinhibitoren erweist sich im Tierversuch als nicht wirksam.

9 Veterinärtoxikologie

Während Schafe und Ziegen relativ unempfindlich gegenüber Geflecktem Schierling sind, ist die Pflanze für Rinder und Schweine von toxikologischer Bedeutung. Für Rinder gelten 4 kg frisches Pflanzenmaterial als tödlich. Bei Schweinen wurden Fehlbildungen bei Ferkeln im Zusammenhang mit Schierlingsvergiftungen dokumentiert.

Häufig meidet Weidevieh die Pflanze. Gelangt die Pflanze in die Heuproduktion, soll die Giftigkeit stark abnehmen. Möglicherweise geht während der Trocknung an der Sonne ein Großteil des Coniins verloren. Beobachtete Symptome bei Weidevieh sind: Hypersalivation, Freßunlust, Aussetzen des Wiederkäuens, Bradykardie (später Tachykardie), Tod durch Atemlähmung.

10 Literatur

  • Jäger et al.: Rothmaler - Exkursionsflora von Deutschland, Bd. 2. Aufl. 20, Spektrum Akadem. Verlag.
  • Roth, Daunderer & Kormann: Giftpflanzen - Pflanzengifte, 5. Aufl., Nikol Verlag.
  • Mutschler et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen, 8. Aufl, Wissenschaftl. Verlagsgesellschaft.

11 Weblinks

Fachgebiete: Biologie, Toxikologie

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