Schulmedizin
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LoslegenSynonym: Allopathie
Englisch: academic medicine
Definition
Schulmedizin ist eine historisch geprägte und inhaltlich unscharfe Bezeichnung für die an medizinischen Fakultäten vermittelte, wissenschaftlich begründete Medizin. Im Gegensatz dazu steht die Alternativmedizin, die in der universitären Ausbildung im Hintergrund steht.
Hintergrund
Der Begriff der Schulmedizin wird von ihren Gegnern häufig pejorativ verwendet, um die Fixierung der Medizin auf eingefahrene Denkstrukturen zu suggerieren. Die Schulmedizin bedient sich jedoch im Gegensatz zur Alternativmedizin oder Erfahrungsmedizin einer wissenschaftlichen Methodik. Ihr Einsatz führt nicht zwangsläufig zu eindeutigen oder unumstrittenen Ergebnissen, bietet jedoch den Vorteil der Nachvollziehbarkeit und der statistischen Relevanz der Ergebnisse.
Die Alternativmedizin bleibt diese Nachvollziehbarkeit in der Regel schuldig. Zwar kann auch die homöopathische Medizin auf sporadische Heilerfolge verweisen, es werden jedoch häufig keine wissenschaftlich fundierten Erklärungsmodelle geliefert. Kritiker ordnen diese Erfolge dem Placebo-Effekt zu, da die Alternativmedizin in randomisierten Doppelblindstudien oft keine Effekte über den Placebo-Effekt hinaus nachweisen kann. Ferner warnen sie vor dem Nocebo-Effekt.
Geschichte
Der Ausdruck "Schulmedizin" wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Umfeld der Homöopathie und Naturheilkunde verbreitet. Er diente zunächst als polemische Bezeichnung für die akademisch etablierte Medizin, der unter anderem dogmatisches Denken und mangelnde Offenheit gegenüber anderen Heilverfahren vorgeworfen wurden.[1]
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ging der Begriff teilweise in den allgemeinen Sprachgebrauch über und wurde zunehmend auch wertneutral verwendet. Während des Nationalsozialismus wurde er jedoch von antisemitischen Strömungen erneut polemisch aufgeladen. Verbindungen wie „verjudete Schulmedizin“ dienten der Herabsetzung der wissenschaftlichen Medizin und ihrer Gegenüberstellung mit einer propagierten "Neuen Deutschen Heilkunde".
Abgrenzung
Die evidenzbasierte Medizin ist kein vollständig deckungsgleicher Ersatzbegriff. Sie bezeichnet ein Konzept der klinischen Entscheidungsfindung, bei dem die beste verfügbare wissenschaftliche Evidenz mit klinischer Expertise sowie den Werten und Präferenzen des Patienten verbunden wird.[2]
Sicht des Patienten
Der Konflikt zwischen Schulmedizin und Alternativmedizin ist aus Sicht des Patienten häufig irrelevant, da für ihn nicht das methodische Vorgehen, sondern die individuelle Behandlungserfahrung wichtig ist. Hier muss die Schulmedizin eingestehen, dass sie in Grenzbereichen (z.B. unheilbare Tumorerkrankungen, psychosomatische Störungen) nicht immer eine überzeugende Lösung zur Hand hat. Für eine große Zahl von Patienten in Deutschland sind alternative Heilmethoden eine wichtige Alternative zur Schulmedizin.
Kritiker hingegen führen dagegen an, dass Patienten auch leiden oder sterben, wenn sie Zeit und Geld in die Alternativmedizin investieren. In diesem Zusammenhang weisen sie darauf hin, dass Alternativmedizin auch aus wirtschaftlichen Erwägungen betrieben wird und es teilweise fraglich ist, ob ein Verfahren eingesetzt werden sollte, dessen Nutzen nicht belegt ist. Dies trifft natürlich auch auf verschiedene Verfahren der klassischen Schulmedizin zu. Skeptiker fordern daher, dass nicht zwischen Schul- und Alternativmedizin, sondern nur zwischen belegbar wirksamen und spekulativ wirksamen Verfahren unterschieden werden soll.
Literatur
- Oepen, I.: (Hrsg.): An den Grenzen der Schulmedizin. Eine Analyse umstrittener Methoden. Dtsch. Ärzte-Verlag (Köln) 1985, vergriffen
- Oepen, I., Prokop, O. (Hrsg.): Außenseitermethoden in der Medizin. Ursprünge - Gefahren - Konsequenzen. Wiss. Buchgesellschaft (Darmstadt) 1986, 2. Aufl. 1994
- Lambeck, Martin (2003): Irrt die Physik? Über alternative Medizin und Esoterik
- Federspiel, Krista; Herbst, Vera (2006): Die Andere Medizin. "Alternative" Heilmethoden für Sie bewertet, Stiftung Warentest
Quellen
- ↑ Jütte R. Von den medizinischen Sekten des 19. Jahrhunderts zu den unkonventionellen Richtungen von heute – Anmerkungen eines Medizinhistorikers. Materialdienst der EZW. 2004;67(10):363-370.
- ↑ Sackett DL et al. Evidence based medicine: what it is and what it isn't. BMJ. 1996;312(7023):71-72.