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Coliseptikämie (Geflügel)

Synonyme: Colisepsis, Colibazillose, Escherichia-coli-Infektion, E.-coli-Infektion
Englisch: avian colibacillosis, colisepsis

1 Definition

Die Coliseptikämie ist eine weltweit bedeutsame und systemisch verlaufende Infektionskrankheit von Küken und adulten Hühnern, die zur Gruppe der APEC-Infektionen gezählt wird.

2 Ätiologie

Escherichia coli ist ein gramnegatives und bewegliches Stäbchenbakterium, das zwischen 2 und 6 µm groß ist und zur Familie der Enterobacteriaceae gehört.

Beim Geflügel werden hauptsächlich die Serotypen O1, O2, O35, O36, O78 und O111 isoliert, die allesamt zu den aviär-pathogenen Escherichia-coli-Stämmen (APEC) gezählt werden. APEC-Stämme sind durch spezifische Virulenzmechanismen gekennzeichnet, welche bei Hühnerembryonen oder Küken zu erhöhter Mortalität und beim Nutzgeflügel primär oder sekundär Erkrankungen verursachen können. Diese Stämme sind serologisch nicht einheitlich und haben unterschiedliche Oberflächen (O)-, Geißel (H)-, Kapsel (K)- und Fimbrien (F)-Antigene.

3 Epidemiologie

Escherichia coli ist ubiquitär verbreitet und Bestandteil der normalen Darmflora. Grundsätzlich sind alle Nutzgeflügelarten gegenüber einer APEC-Infektion empfänglich, wobei rund 10 % aller Hühner primär-pathogene Serotypen im Darmtrakt beherbergen.

4 Pathogenese

Aufgrund der weiten Verbreitung wird der Erreger sowohl über belebte als auch unbelebte Vektoren übertragen.

Die konnatale Übertragung spielt eine entscheidende Rolle bei der Frühsterblichkeit der Küken. Die Übertragung findet durch Infektion des Ovars und v. a. durch kontaminierte Eierschalen statt. Ältere Küken infizieren sich horizontal mit erregerhaltigem Staub, Kot oder Wasser. Diese Tiere entwickeln oft eine schwerwiegende Septikämie. Neben der oralen Erregeraufnahme können die Bakterien auch aerogen aufgenommen werden. Zusätzliche Infektionen mit Viren sowie anderen Bakterien und auch der Einfluss verschiedener nicht-infektiöser Noxen (z.B. schlechtes Management u.ä.) können eine APEC-Infektion prädisponieren.

5 Klinik

APEC-Stämme verursachen beim Nutzgeflügel gelegentlich primär, jedoch deutlich häufiger sekundär unterschiedliche Krankheitsbilder, weshalb die Bakterien als typische Sekundärerreger eingestuft werden können.

Subakut-chronische Krankheitsverläufe verursachen kümmerndes Wachstum und/oder reduzierte Legeleistung bei einem großen Anteil schalenloser Eier. Jung- und Alttiere hingegen leiden an einem akut-septikämischen Verlauf mit hoher Morbidität und Mortalität. Protrahierte Krankheitsverläufe gehen mit einer deutlichen Apathie, zyanotischen Kopfanhängen, aufgeplustertem Gefieder, Durchfall, lahmenden und verdickten warmen Gelenken einher.

6 Pathohistologie

Durch die Septikämie kommt es zu einer Hepato- und Splenomegalie sowie zu fibrinösen Ausschwitzungen (Perihepatitis, Perikarditis und Aerosacculitis). Bei Küken kann eine Omphalitis (geschwollener und geröteter Nabel und ungenügend resorbierte Dottersäcke) beobachtet werden. Die entzündeten und verdickten Gelenke (v.a. Fersengelenke) enthalten eine zähe und trübe Synovia. Im histologischen Schnittbild zeigen sich meist serös-fibrinöse Exsudationen mit initial heterophilen und später auch mononukleären Phagozyten. Vereinzelt sind auch Ödeme und Nekrosen nachweisbar.

Abhängig von den zusätzlich betroffenen Organsystemen können weitere histopathologische Veränderungen vorgefunden werden.

7 Diagnose

Beweisend ist der kulturelle Erregernachweis mit anschließender Serotypisierung. Escherichia coli kann dabei aus veränderten Organen auf konventionellem Blutagar sowie auf Selektivnährmedien angezüchtet werden. Die Diagnose ist auch mithilfe des MALDI-TOF-Systems möglich.

8 Therapie

Antibiotika sollten nur nach vorausgegangenem Antibiogramm eingesetzt werden. Zusätzlich sind therapiebegleitende Maßnahmen wie z.B. strikte Hygienemaßnahmen sowie eine Verbesserung der Haltungsbedingungen durchzuführen.

9 Prophylaxe

Durch eine Verbesserung der Hygienebedingungen der Bruteier kann v.a. die vertikale Übertragung unterbunden werden. Zusätzlich sind verschiedene Impfstoffe für Hühner zugelassen.

10 Literatur

  • Rautenschlein S, Ryll M. 2014. Erkrankungen des Nutzgeflügels. 1. Auflage. Stuttgart: UTB Verlag GmbH. ISBN: 978-3-8252-8565-5
  • Siegmann O, Neumann U (Hrsg.) 2012. Kompendium der Geflügelkrankheiten. 7., überarbeitete Auflage. Hannover: Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG. ISBN: 978-84268333-4

Diese Seite wurde zuletzt am 9. September 2021 um 17:40 Uhr bearbeitet.

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