Phenytoin
Synonyme: Diphenylhydantoin, Hydantoin
Handelsnamen: Phenhydan®, Zentropil® und andere
Englisch: phenytoin
Inhaltsverzeichnis |
1 Definition [bearbeiten]
Phenytoin ist ein Arzneistoff zur Behandlung der Epilepsie. Die Substanz wird auch als Antiarrhythmikum zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen eingesetzt.
2 Indikation [bearbeiten]
Phenytoin wird zur Anfalls- und Dauerbehandlung der Epilepsie und zur Therapie von Herzrhythmusstörungen eingesetzt. Bei Anfallsleiden (Epilepsie) werden jetzt (ab 2010) häufiger nebenwirkungsärmere Medikamente (Keppra) verwendet.
Zudem wird Phenytoin zur Behandlung von ventrikulären Tachykardien durch Intoxikation mit Digitalis eingesetzt.
3 Wirkmechanismus [bearbeiten]
Phenytoin ist ein Natriumkanalblocker. Sein Wirkmechanismus ähnelt dem des Lidocain. Durch die Blockierung der Natriumkanäle und der Verzögerung ihrer Erholung wird der schnelle Einstrom von Natrium verhindert - somit steigt das schnelle Aktionspotenzial weniger schnell an und die Dauer des Aktionspotenzials wird vermindert. Durch einen erhöhten Ausstrom von Kalium während des Aktionspotenzials steigt die Reizschwelle während der Diastole.
Phenytoin beeinflusst die AV-Überleitung nicht.
4 Pharmakokinetik [bearbeiten]
Die Metabolisierung von Phenytoin erfolgt in der Leber und ist dosisabhängig, woraus eine stark schwankende Halbwertszeit folgt. Nach oraler Zufuhr ist die Bioverfügbarkeit gut. Phenytoin wird vor allem über die Niere ausgeschieden.
5 Nebenwirkungen [bearbeiten]
- Schwindel
- Nystagmus
- Diplopie: Doppeltsehen, vor allem bei Überdosierung
- Ataxie
- Polyneuropathie
- Übelkeit
- Gingivahyperplasie: Hyperplasie der Mundschleimhaut bei Dauertherapie
- Hirsutismus
- Störungen der Blutbildung (Hämatopoese) und des Blutbilds
- Lymphadenopathie: Erkrankung der Lymphknoten
- Leberfunktionsstörungen, z.B. cholestatische Hepatose
- allergische Reaktion
6 Interaktionen [bearbeiten]
Phenytoin zeigt häufig Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.
6.1 Erhöhung des Wirkspiegels von Phenytoin [bearbeiten]
Der Wirkspiegel von Phenytoin wird durch folgende Substanzen erhöht:
- Sulfonylharnstoffe zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ II
- Cimetidin (Antihistaminikum)
- Antibiotika und Medikamente zur Behandlung der Tuberkulose
- Psychopharmaka
- Disulfiram zur Unterstützung der Alkoholentwöhnung
- Halothan (Narkosemittel)
- Antirheumatika
6.2 Verminderung des Wirkspiegels von Phenytoin [bearbeiten]
Der Wirkspiegel von Phenytoin wird durch folgende Substanzen vermindert:
6.3 Verminderung der Wirkung durch Phenytoin [bearbeiten]
Folgende Medikamente wirken in Kombination mit Phenytoin weniger gut:
- orale Antikoagulantien
- Doxycyclin
- orale Antikonzeptiva (Verhütungsmittel)
- trizyklische Antidepressiva
- Kortikosteroide
- Verapamil (Calciumkanalblocker)
7 Kontraindikationen [bearbeiten]
In folgenden Fällen darf Phenytoin nicht eingenommen werden:
- Herzinsuffizienz: mangelhafte Herzfunktion
- Hepatopathien: Erkrankungen der Leber
- höhergradiger AV-Block
- Sick-Sinus-Syndrom
- Erkrankungen des Knochenmarks
- Schwangerschaft
Fachgebiete: Pharmakologie
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