Glässer-Krankheit (Schwein): Unterschied zwischen den Versionen
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Anhand hitzestabiler [[Polysaccharid]]antigene können mindestens 15 [[Serovar]]e unterschieden werden. Die unbekapselten Stämme der Serovaren 4 und 5 treten besonders häufig in Erscheinung. Die [[Virulenzfaktor]]en von Haemophilus parasuis sind | Anhand hitzestabiler [[Polysaccharid]]antigene können mindestens 15 [[Serovar]]e unterschieden werden. Die unbekapselten Stämme der Serovaren 4 und 5 treten besonders häufig in Erscheinung. Die [[Virulenzfaktor]]en von Haemophilus parasuis sind noch (2019) unzureichend erforscht und beschränken sich bislang auf [[Fimbrie]]n, [[Lipooligosaccharid]]e, [[Neuroamidase]]n und [[Transferrin-bindendes Protein|Transferrin-bindende Proteine]]. Die Serovaren 1, 5, 10, 12, 13 und 14 werden als hochvirulent eingestuft - die Serovaren 2, 4 und 15 als moderat [[virulent]]. | ||
Haemophilus suis ist ein an das Schwein angepasstes [[Bakterium]], das | Haemophilus suis ist ein an das Schwein angepasstes [[Bakterium]], das vielfach keine [[Erkrankung]]serscheinungen auslöst. Ein [[Erregernachweis]] ist auch bei [[klinisch]] gesunden Schweinen möglich. | ||
==Epidemiologie== | ==Epidemiologie== | ||
Die Glässer-Krankheit ist eine [[Faktorenkrankheit]], die vor allem in Verbindung mit Belastungsfaktoren wie z.B. Transport oder Umstallungen zu ausgeprägten Krankheitsbildern führt. Besonders betroffen sind Bestände | Die Glässer-Krankheit ist eine [[Faktorenkrankheit]], die vor allem in Verbindung mit Belastungsfaktoren (wie z.B. Transport oder Umstallungen) zu ausgeprägten Krankheitsbildern führt. Besonders betroffen sind Bestände die einen hohen Gesundheitsstatus und ein hohes Produktionsniveau aufweisen. | ||
==Pathogenese== | ==Pathogenese== | ||
Haemophilus parasuis wird hauptsächlich [[aerogen]] ([[Tröpfcheninfektion]]) übertragen und gelangt über die [[Nase (Veterinärmedizin)|Nasen-]] und [[Rachen (Veterinärmedizin)|Rachenhöhle]] in das [[Tier]]. Das Bakterium siedelt sich bevorzugt im [[Nasopharynx (Veterinärmedizin)|Nasopharynx]] an und verbreitet sich nach einer [[Septikämie|septikämischen]] Phase rasch im [[Organismus]]. Haemophilus parasuis weist eine besonders hohe Affinität zu [[serös]]en Häuten auf. | Haemophilus parasuis wird hauptsächlich [[aerogen]] ([[Tröpfcheninfektion]]) übertragen und gelangt über die [[Nase (Veterinärmedizin)|Nasen-]] und [[Rachen (Veterinärmedizin)|Rachenhöhle]] in das [[Tier]]. Das Bakterium siedelt sich bevorzugt im [[Nasopharynx (Veterinärmedizin)|Nasopharynx]] an und verbreitet sich nach einer [[Septikämie|septikämischen]] Phase rasch im [[Organismus]]. Haemophilus parasuis weist eine besonders hohe Affinität zu [[serös]]en Häuten auf. | ||
Treten plötzlich Veränderungen in der Haltung auf (Transporte, Umstallungen, Eingliederungen neuer Bestände), kommt es | Treten plötzlich Veränderungen in der Haltung auf (Transporte, Umstallungen, Eingliederungen neuer Bestände), kommt es zu akut eintretenden Krankheitserscheinungen. | ||
==Klinik== | ==Klinik== | ||
Die Glässer-Krankheit geht typischerweise mit [[Fieber|fieberhaften]] Polyserositiden und Polyarthritiden bei Läufern - unmittelbar nach der Aufstallung zur Mast - einher. | Die Glässer-Krankheit geht typischerweise mit [[Fieber|fieberhaften]] Polyserositiden und Polyarthritiden bei Läufern - unmittelbar nach der Aufstallung zur Mast - einher. | ||
[[Klinisch]] manifeste Erkrankungen sind meist nur auf einzelne Tiere beschränkt, wohingegen in Großbetrieben gelegentliche enzootisch verlaufende Infektionen mit hoher [[Morbidität]] beobachtet werden. In schweren Verläufen entwickeln die Schweine [[Pneumonie]] | [[Klinisch]] manifeste Erkrankungen sind meist nur auf einzelne Tiere beschränkt, wohingegen in Großbetrieben gelegentliche enzootisch verlaufende Infektionen mit hoher [[Morbidität]] beobachtet werden. In schweren Verläufen entwickeln die Schweine [[Pneumonie]]n und [[Meningitis|Meningitiden]], oft begünstigt durch [[Sekundärinfektion]]en. Die Tiere sind [[Ataxie|ataktisch]], befinden sich in Seitenlage (Zeichen einer [[ZNS]]-Beteiligung) und zeigen hochgradige [[Dyspnoe]] und [[Schmerz]]reaktionen. Auch [[Septikämie|septikämische]] Verlaufsformen mit plötzlich auftretenden [[Tod]]esfällen (ohne Polyserositis) sind möglich ([[perakut]]e Verlaufsform). | ||
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Im Zuge der [[Sektion]] sind serofibrinöse bis fibrinopurulente [[Entzündung]]en | Im Zuge der [[Sektion]] sind serofibrinöse bis fibrinopurulente [[Entzündung]]en seröser Häute in Form von Polyarthritis, [[Pleuritis]], [[Perikarditis]], [[Peritonitis]] und [[Meningoenzephalitis]] sowie selten auch [[Bronchopneumonie]] erkennbar. | ||
Die [[Gelenk]]e und [[Serosa|Serosen]] sind mit [[Fibrin]] bedeckt und die Körperhöhlen sind mit einer gelblich-grünlichen Flüssigkeit überzogen. Die [[Lunge (Veterinärmedizin)|Lunge]] ist durch eine graue Oberfläche gekennzeichnet. Das [[Herz (Veterinärmedizin)|Herz]] ist aufgrund der Fibrinausschwitzungen mit dem [[Herzbeutel (Veterinärmedizin)|Herzbeutel]] verwachsen und die Darmschlingen mit Fibrinauflagerungen versehen. | Die [[Gelenk]]e und [[Serosa|Serosen]] sind mit [[Fibrin]] bedeckt und die Körperhöhlen sind mit einer gelblich-grünlichen Flüssigkeit überzogen. Die [[Lunge (Veterinärmedizin)|Lunge]] ist durch eine graue Oberfläche gekennzeichnet. Das [[Herz (Veterinärmedizin)|Herz]] ist aufgrund der Fibrinausschwitzungen mit dem [[Herzbeutel (Veterinärmedizin)|Herzbeutel]] verwachsen und die Darmschlingen mit Fibrinauflagerungen versehen. | ||
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Als [[Prophylaxe]] sollten vor allem unnötige Belastungen bei Transporten und Umstallungen vermieden sowie eine Optimierung der Haltungsbedingungen (Stallklima, Fütterung, Belegungsdichte) durchgeführt werden. Unterstützend können auch [[Impfung]]en ([[Totvakzin]]e oder [[Kombinationsimpfstoff]]e) angewendet werden. | Als [[Prophylaxe]]maßnahmen sollten vor allem unnötige Belastungen bei Transporten und Umstallungen vermieden sowie eine Optimierung der Haltungsbedingungen (Stallklima, Fütterung, Belegungsdichte) durchgeführt werden. Unterstützend können auch [[Impfung]]en ([[Totvakzin]]e oder [[Kombinationsimpfstoff]]e) angewendet werden. | ||
==Literatur== | ==Literatur== |
Version vom 22. Juni 2019, 17:09 Uhr
nach dem deutschen Tierart Karl Glässer (1881 bis 1963)
Synonyme: Glässer'sche Krankheit, Polyserositis, Reisekrankheit, Transportkrankheit
Englisch: Glässer dissease, Glassers disease
Definition
Die Glässer-Krankheit, auch Polyserositis genannt, ist eine fieberhafte Polyserositis und Polyarthritis der Schweine.
Erreger
Die Glässer-Krankheit wird durch Haemophilus parasuis verursacht. Haemophilus parasuis ist ein gramnegatives und kurzes Stäbchenbakterium aus der Gattung Haemophilus (Familie der Pasteurellaceae). Es ist 0,4 x 1 bis 3 µm groß, zeigt ein NAD-abhängiges Wachstum und liegt mitunter fadenförmig vor.
Anhand hitzestabiler Polysaccharidantigene können mindestens 15 Serovare unterschieden werden. Die unbekapselten Stämme der Serovaren 4 und 5 treten besonders häufig in Erscheinung. Die Virulenzfaktoren von Haemophilus parasuis sind noch (2019) unzureichend erforscht und beschränken sich bislang auf Fimbrien, Lipooligosaccharide, Neuroamidasen und Transferrin-bindende Proteine. Die Serovaren 1, 5, 10, 12, 13 und 14 werden als hochvirulent eingestuft - die Serovaren 2, 4 und 15 als moderat virulent.
Haemophilus suis ist ein an das Schwein angepasstes Bakterium, das vielfach keine Erkrankungserscheinungen auslöst. Ein Erregernachweis ist auch bei klinisch gesunden Schweinen möglich.
Epidemiologie
Die Glässer-Krankheit ist eine Faktorenkrankheit, die vor allem in Verbindung mit Belastungsfaktoren (wie z.B. Transport oder Umstallungen) zu ausgeprägten Krankheitsbildern führt. Besonders betroffen sind Bestände die einen hohen Gesundheitsstatus und ein hohes Produktionsniveau aufweisen.
Pathogenese
Haemophilus parasuis wird hauptsächlich aerogen (Tröpfcheninfektion) übertragen und gelangt über die Nasen- und Rachenhöhle in das Tier. Das Bakterium siedelt sich bevorzugt im Nasopharynx an und verbreitet sich nach einer septikämischen Phase rasch im Organismus. Haemophilus parasuis weist eine besonders hohe Affinität zu serösen Häuten auf.
Treten plötzlich Veränderungen in der Haltung auf (Transporte, Umstallungen, Eingliederungen neuer Bestände), kommt es zu akut eintretenden Krankheitserscheinungen.
Klinik
Die Glässer-Krankheit geht typischerweise mit fieberhaften Polyserositiden und Polyarthritiden bei Läufern - unmittelbar nach der Aufstallung zur Mast - einher.
Klinisch manifeste Erkrankungen sind meist nur auf einzelne Tiere beschränkt, wohingegen in Großbetrieben gelegentliche enzootisch verlaufende Infektionen mit hoher Morbidität beobachtet werden. In schweren Verläufen entwickeln die Schweine Pneumonien und Meningitiden, oft begünstigt durch Sekundärinfektionen. Die Tiere sind ataktisch, befinden sich in Seitenlage (Zeichen einer ZNS-Beteiligung) und zeigen hochgradige Dyspnoe und Schmerzreaktionen. Auch septikämische Verlaufsformen mit plötzlich auftretenden Todesfällen (ohne Polyserositis) sind möglich (perakute Verlaufsform).
Pathologie
Im Zuge der Sektion sind serofibrinöse bis fibrinopurulente Entzündungen seröser Häute in Form von Polyarthritis, Pleuritis, Perikarditis, Peritonitis und Meningoenzephalitis sowie selten auch Bronchopneumonie erkennbar.
Die Gelenke und Serosen sind mit Fibrin bedeckt und die Körperhöhlen sind mit einer gelblich-grünlichen Flüssigkeit überzogen. Die Lunge ist durch eine graue Oberfläche gekennzeichnet. Das Herz ist aufgrund der Fibrinausschwitzungen mit dem Herzbeutel verwachsen und die Darmschlingen mit Fibrinauflagerungen versehen.
Diagnose
Anhand der klinischen Symptome (Polyarthritis) ist nur eine Verdachtsdiagnose möglich. Durch eine anschließende Sektion frisch verendeter bzw. euthanasierter Tiere mit anschließendem Erregernachweis (Bakterienkultur oder PCR aus Tupferproben von fibrinösen Auflagerungen und Gelenks- sowie Bauchhöhlenexsudat) kann die Diagnose gesichert werden.
Differenzialdiagnosen
- Enzootische Pneumonie (Mycoplasma hyopneumoniae)
- Pleuropneumonie (Actinobacillus pleuropneumoniae)
- Pasteurellose (Pasteurella spp.)
- Streptokokkenmeningitis (Streptococcus suis)
- Porzines reproduktives und respiratorisches Syndrom (PRRS-Virus)
- Postweaning multisystemic wasting syndrome (PCV-2)
- Porzine proliferative Enteropathie (Lawsonia intracellularis)
- Mykoplasmenpolyarthritis (Mycoplasma hyosynoviae)
- Mykoplasnenpolyserositis (Mycoplasma hyorhinis)
- Aujeszky-Krankheit (Suides Herpesvirus-1)
- Ödemkrankheit (EDEC)
Therapie
Die Therapie richtet sich nach dem Antibiogramm und erfolgt in der Regel mit Penicillinen (z.B. Amoxicillin) oder Cephalosporinen (z.B. Cefquinom).
Prophylaxe
Als Prophylaxemaßnahmen sollten vor allem unnötige Belastungen bei Transporten und Umstallungen vermieden sowie eine Optimierung der Haltungsbedingungen (Stallklima, Fütterung, Belegungsdichte) durchgeführt werden. Unterstützend können auch Impfungen (Totvakzine oder Kombinationsimpfstoffe) angewendet werden.
Literatur
- Mayr, Anton, Rolle, Michael. Medizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre. 8., überarbeitete Auflage. Enke-Verlag, 2007.
- VO-Unterlagen, Institut für Mikrobiologie, Veterinärmedizinische Universität Wien. Krankheiten der Atmungsorgane, von Herz, Kreislauf und Lymphorganen. Bakterielle Erkrankungen - Schwein. WS 2017/2018.
- Skript Respirationstrakt, Klinik für Schweine, Veterinärmedizinische Universität Wien. Erkrankungen des Respirationstraktes.