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Herzbeutel (Veterinärmedizin)

Synonym: Pericardium, Perikard

1 Definition

Als Herzbeutel oder Pericardium bezeichnet man die derbe Hülle um das Herz der Haussäugetiere.

2 Anatomie

Der Herzbeutel beherbergt in seiner Höhle (Cavum pericardii) das Herz sowie die Ursprungs- bzw. Mündungsabschnitte der Aorta, des Truncus pulmonalis, der Vena cava cranialis und caudalis und der Venae pulmonales.

Die Form des Herzbeutels entspricht der Gestalt des Herzens, wobei die Weite den funktionsbedingten Volumenveränderungen angepasst ist. Sowohl am lebenden Tier als auch am toten schmiegt sich der Herzbeutel durch die im Herzbeutelinneren befindliche kapilläre Schicht seröser Flüssigkeit (Herzbeutelflüssigkeit) dem Herzen an.

2.1 Aufbau

Der Herzbeutel besteht unter Einbeziehung seines Pleuraüberzuges aus drei Schichten:

Die Pleura pericardiaca ist durch lockeres Bindegewebe und Fetteinlagerungen (tierartlich verschieden stark ausgeprägt) leicht abziehbar mit dem Pericardium fibrosum verbunden. Dieses wiederum besteht aus mehreren Lagen an kollagenen Fasern unterschiedlicher Verlaufsrichtung. Durch zusätzliche scherengitterartig angeordnete elastische Fasern erhält das Pericardium fibrosum eine gewisse Dehnbarkeit, weshalb diese Schicht dem Herzbeutel die Fähigkeit verleiht, sich den Volumenschwankungen des Herzens anzupassen. Im dorsalen Abschnitt geht das Pericardium fibrosum in die Tunica externa der Blutgefäße über und bekommt so v.a. über die Aorta und deren großen Stämme Anschluss an die Fascia endothoracica. Dadurch gewährleistet es indirekt die Aufhängung des Herzens an der Wirbelsäule.

Die seröse Auskleidung (Lamina parietalis) geht an der Basis des Herzbeutels in die Lamina visceralis (Epicardium) auf das Herz über. Dabei werden auch die Ursprungsabschnitte der Aorta und des Truncus pulmonalis sowie die Mündungsstücke der Venae cavae und der Venae pulmonales von der Lamina visceralis umscheidet (Vaginae serosae arteriorum et venarum).

Zwischen diesen Gefäßen kommt es im Kuppelraum des Herzbeutels zur Bildung von Nischen und Buchten: Der Sinus transversus pericardii ist ein querverlaufender Serosatunnel zwischen Aorta und Truncus pulmonalis einerseits und den ihnen benachbarten Wänden der Vorhöfe andererseits. Der Sinus transversus pericardii gewährleistet die Unabhängigkeit der Bewegungen beider Arterien gegenüber jenen der Vorhöfe während der Herzaktion. Zusätzlich ist ein Sinus obliquus pericardii zwischen den linken und rechten Venae pulmonales sowie dem linken Vorhof ausgebildet.

2.2 Verbindungen

Das Pericardium fibrosum verbindet sich beim Fleischfresser über das Ligamentum phrenicopericardiacum nahe dem Brustbein mit dem Zwerchfell. Beim Wiederkäuer und beim Schwein findet man auf Höhe des 5. bzw. 6. Rippenknorpels zwei sehnige Ligamenta sternopericardiaca.

Beim Pferd verbindet das Ligamentum sternopericardiacum das Perikard mit dem Brustbein. Es reicht vom 4. bzw. 5. Rippenknorpel bis zum Zwerchfell und strahlt flächenförmig in die Fascia endothoracica ein.

3 Histologie

Die innerste Schicht des Herzbeutels (Lamina parietalis des Pericardium serosum) besteht aus einer reich vaskularisierten und innervierten Bindegewebslage, die elastische Fasern enthält. Der Überzug dieser Schicht wird von einem einschichtigen Mesothel gebildet und sezerniert geringe Mengen seröser Flüssigkeit in die Herzbeutelhöhle.

4 Funktion

Der Herzbeutel dient einerseits der Lagefixierung des Herzens, andererseits zur Herabsetzung der Reibung bei der Herzaktion. Gleichzeitig verhindert er eine übermäßige Erweiterung in der Ruhephase des Herzens.

5 Klinik

Entzündliche Prozesse des Herzbeutels (Perikarditis) führen oft zu einer Überproduktion und gleichzeitiger verzögerter Rückresorption der Herzbeutelflüssigkeit (Perikarderguss). Aufgrund der beschränkten Dehnbarkeit des Herzbeutels resultiert eine Behinderung der Herztätigkeit.

Größere Blutungen in den Herzbeutel verursachen eine Herzbeuteltamponade, die zu einem Herzstillstand führen kann.

6 Literatur

  • Nickel, Richard, August Schummer, Eugen Seiferle. Band III: Kreislaufsystem. Lehrbuch der Anatomie der Haustiere. Parey, 2004.

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