Tinea cruris
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LoslegenSynonyme: Tinea inguinalis, Leistenflechte
Englisch: tinea cruris, jock itch
Definition
Die Tinea cruris ist eine Pilzinfektion (Dermatophytose) der Leistenregion.[1]
Hintergrund
Der Zusatz cruris leitet sich vom lateinischen crus ab, was den Schenkel bzw. Unterschenkel bezeichnet.[2] Das davon abgeleitete Adjektiv krural bedeutet im engeren Sinne "den Unterschenkel betreffend".[3] Wörtlich bedeutet Tinea cruris daher "Flechte des Schenkels bzw. Unterschenkels". Tatsächlich betrifft die Erkrankung die Leistenbeuge und die angrenzende Oberschenkelinnenseite, weshalb sie auch Tinea inguinalis genannt wird.[1] Die Bezeichnung entspricht daher nicht der tatsächlichen Lokalisation.
Epidemiologie
Ätiologie
Häufigster Erreger ist Trichophyton rubrum.[4] Ebenfalls häufig sind Erreger aus dem Trichophyton mentagrophytes-Komplex.[1] Seltener ist Epidermophyton floccosum beteiligt.[6]
Begünstigend wirken Feuchtigkeit und Wärme, nasse oder beengende Kleidung und Adipositas mit Reibung in den Hautfalten.[1] Weitere Risikofaktoren sind mangelnde Hygiene und enge Wohnverhältnisse.[7] Eine Immunsuppression oder frühere Anwendungen von Kortikosteroiden können dazu führen, dass sich der Befall auf große Hautflächen ausweitet.[7]
Pathophysiologie
Die Kontrolle einer Dermatophyteninfektion hängt wesentlich von der zellvermittelten Immunität ab. Eine Sofortreaktion auf Trichophytin-Antigen ohne begleitende verzögerte Überempfindlichkeitsreaktion gilt als Hinweis auf eine Chronifizierung.[8]
Symptome
Es zeigt sich eine juckende Läsion, die meist einseitig in der Leistenbeuge beginnt und später beidseitig auftreten kann.[9] Sie breitet sich auf die Oberschenkelinnenseite aus und kann auch den Unterbauch, den Schambereich, das Gesäß und das Perineum erreichen.[9] Akut kann der Befall feucht und nässend sein. Im chronischen Verlauf entsteht ein großer, klar abgegrenzter Herd. Sein Rand ist erhaben und schuppt, während die Mitte abheilt. Eine Follikulitis kann am Rand zu Papeln und Pusteln führen.[9] Das Skrotum ist in der Regel nicht oder nur gering betroffen.[1] Penis und Vulva sind typischerweise ausgespart.[9] Mögliche Komplikationen sind Kratzekzem, Lichenifikation, Mazeration, Miliaria sowie bakterielle oder Candida-Superinfektionen.[1]
Cave: Wurde die Läsion zuvor mit Kortikosteroiden behandelt, kann das Bild verändert sein (Tinea incognito).[7]
Diagnostik
Die Diagnose wird häufig klinisch gestellt. Bei unklarem Befund wird ein Nativpräparat mit Kalilauge angefertigt.[1] Eine rein klinische Diagnose kann jedoch unzuverlässig sein, da andere Hauterkrankungen ähnlich aussehen können.[5] Vor Therapiebeginn sollte der Erreger möglichst mykologisch gesichert werden.[7] Neben Nativpräparat und Pilzkultur können PCR und Massenspektrometrie zur Identifikation der Erregerstämme eingesetzt werden.[8]
Differenzialdiagnosen
Wichtige Differenzialdiagnosen sind:
Therapie
Die Behandlung erfolgt meist lokal mit Antimykotika. Zur Auswahl stehen unter anderem Ciclopirox, Clotrimazol, Econazol, Ketoconazol, Miconazol, Naftifin und Terbinafin.[1] Eine systemische Behandlung ist angezeigt, wenn der Befall ausgedehnt ist, die lokale Therapie nicht anspricht oder eine Immunsuppression besteht.[5] Bei Tinea cruris und Tinea corporis scheinen Terbinafin und Itraconazol gleichermaßen wirksam und verträglich zu sein.[4] Von fixen Kombinationspräparaten aus Antimykotikum und Kortikosteroid wird abgeraten.[5]
Cave: Bei Infektionen mit Trichophyton indotineae kann Terbinafin wegen Resistenzen unwirksam sein. Die Behandlung ist häufig langwierig, und Rezidive sind häufig.[10]
Prognose
Rezidive sind häufig. Eine Tinea pedis oder Onychomykose kann als Erregerreservoir dienen und die erneute Besiedlung der Leistenregion begünstigen.[1] Bei resistenten Erregern sind chronische Verläufe häufig.[10]
Quellen
- ↑ 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 Tinea cruris (Jock Itch), abgerufen am 23.10.2026
- ↑ Crus, abgerufen am 23.10.2026
- ↑ Krural, abgerufen am 23.10.2026
- ↑ 4,0 4,1 4,2 Barac et al., Dermatophytes: Update on Clinical Epidemiology and Treatment, Mycopathologia, 2024
- ↑ 5,0 5,1 5,2 5,3 Caplan et al., Diagnosis and Management of Tinea Infections, Am Fam Physician, 2025
- ↑ Nokdhes et al., Prevalence and characteristics of Epidermophyton floccosum skin infections: A 12-year retrospective study, Mycoses, 2024
- ↑ 7,0 7,1 7,2 7,3 Hill et al., Expert Panel Review of Skin and Hair Dermatophytoses in an Era of Antifungal Resistance, Am J Clin Dermatol, 2024
- ↑ 8,0 8,1 Sahoo und Mahajan, Management of tinea corporis, tinea cruris, and tinea pedis: A comprehensive review, Indian Dermatol Online J, 2016
- ↑ 9,0 9,1 9,2 9,3 Tinea cruris, abgerufen am 23.10.2026
- ↑ 10,0 10,1 Khurana et al., Therapeutic Updates on the Management of Tinea Corporis or Cruris in the Era of Trichophyton Indotineae: Separating Evidence from Hype-A Narrative Review, Indian J Dermatol, 2023
Literatur
- Altmeyer und Bacharach-Buhles, Springer Enzyklopädie Dermatologie, Allergologie, Umweltmedizin, 1. Auflage, Springer, 2002