Morbus Hailey-Hailey
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
Loslegennach den US-amerikanischen Dermatologen William Howard Hailey (1898–1967) und Hugh Edward Hailey (1909–1963)
Synonyme: Pemphigus chronicus benignus familiaris, Dyskeratosis bullosa hereditaria
Englisch: Hailey-Hailey disease, benign chronic familial pemphigus of Hailey-Hailey
Definition
Der Morbus Hailey-Hailey ist eine autosomal-dominant vererbte akantholytische Genodermatose, die durch in Gruppen angeordnete Erosionen charakterisiert ist. Sie wird zu den angeborenen Dyskeratosen gezählt.
- ICD-10 Code: Q82.8
Abgrenzung
Der Morbus Hailey-Hailey ist nicht mit dem Pemphigus vulgaris verwandt.
Epidemiologie
Die genaue Prävalenz von Morbus Hailey-Hailey ist bisher (2026) nicht bekannt. Schätzungen liegen bei 1 zu 50.000. Beide Geschlechter sind gleichermaßen betroffen. Die Erkrankung beginnt typischerweise nach der Pubertät, meist in der zweiten bis dritten Lebensdekade.
Ätiologie
Der Morbus Hailey-Hailey wird autosomal-dominant mit kompletter Penetranz, aber variabler Expressivität vererbt. Der Ausbruch der Erkrankung kann durch Reibung, Feuchtigkeit, Mikroben und Wärme getriggert werden. Etwa ein Drittel der Fälle tritt sporadisch (de novo) auf. Die Erkrankung beruht auf einer Mutation im Gen für eine ATPase (ATP2C1) auf Chromosom 3. In den meisten Fällen handelt es sich um eine Loss-of-Function-Mutation mit resultierender Haploinsuffizienz.
Bei ATP2C1 handelt es sich um einen ATP-gesteuerten Transporter, der in Keratinozyten den Calcium- und Mangan-Transport in den Golgi-Apparat reguliert. Der gestörte Calcium-Transport resultiert in einer verringerten Ca2+-Konzentration im Lumen des Golgi-Apparats, was mit der fehlerhaften Prozessierung von Desmosomen und einem Verlust des Zell-Zell-Kontakts in Verbindung gebracht wird.
Klinik
Charakteristisch ist die Ausbildung von Erythemen, auf denen einzelne oder gruppierte Blasen und Bläschen entstehen, die miteinander konfluieren und rasch rupturieren. Nach Ruptur bilden sich nässende Areale mit verkrusteter und rissiger Oberfläche (Rhagaden) aus. Typisch ist die Ausdehnung der Hautveränderungen in der Peripherie, wobei es gleichzeitig zur Abheilung der Veränderungen im Zentrum sowie zu ausgeprägtem Juckreiz kommt. Prädilektionsstellen sind die großen Körperfalten mit erhöhter Friktionsbelastung.
Komplikationen
Es kann zu bakteriellen (z.B. Staphylococcus aureus), mykotischen (verschiedene Candida-Arten) und viralen (z.B. Herpes simplex) Superinfektionen kommen. Die chronische Entzündung rezidivierender Läsionen kann zu einem Plattenepithelkarzinom führen. Die maligne Transformation wurde hauptsächlich in Assoziation mit einer Infektion mit dem humanen Papillomavirus im Genitalbereich beschrieben.
Diagnostik
Die Diagnose wird anhand der Klinik, der Familienanamnese sowie der Histopathologie gestellt.
In der Histopathologie imponieren eine ausgeprägte Akantholyse der Keratinozyten (klassisches Bild der "dilapidated brick wall") und ggf. Dyskeratosen. Die dyskeratotischen Keratinozyten haben einen gut definierten Zellkern. Des Weiteren kann sich dermal ein fokales perivaskuläres lymphohistiozytäres Infiltrat zeigen. Die Immunfluoreszenzuntersuchungen sind negativ und unterstützen die Abgrenzung vom Pemphigus vulgaris.
Der molekulargenetische Nachweis einer Genmutation erfolgt nur in unklaren Fällen.
Differentialdiagnose
Differentialdiagnostisch sollte unter anderem gedacht werden an:
- Intertrigo
- Intertriginöse Candidose (Superinfektionen mit Candida albicans jedoch möglich)
- Pemphigus vegetans
- Morbus Darier
- Erythrasma
- Psoriasis inversa
- Condylomata acuminata
Therapie
Eine kurative Therapie existiert derzeit (2026) nicht. Die Behandlung ist symptomorientiert, und die strikte Karenz möglicher Trigger ist obligat.
Basis der Lokaltherapie sind Antiseptika, topische Glukokortikoide und Calcineurininhibitoren. Bei bakterieller Superinfektion werden Antibiotika eingesetzt, bei schwereren Verläufen auch systemisch. Intraläsionale Injektionen von Botulinumtoxin können durch Reduktion von Schwitzen und Reibung eine vorübergehende Besserung bewirken.
Bei therapierefraktären Verläufen kommen ablative Verfahren wie Dermabrasion oder die CO₂-Laser-Therapie zum Einsatz, die zu langfristiger Symptomfreiheit führen können. Als systemische Option zeigt niedrig dosiertes Naltrexon in Fallserien günstige Ergebnisse.
Prognose
Die Lebenserwartung ist normal. Der Verlauf ist chronisch-rezidivierend mit Phasen der Remission und Exazerbation. Die Krankheitsaktivität nimmt im höheren Lebensalter häufig ab. Die Lebensqualität ist durch Juckreiz, Brennen, Schmerzen und Körpergeruch oft deutlich eingeschränkt.
Quellen
- Konstantinou et al., Benign Familial Pemphigus (Hailey-Hailey Disease), StatPearls, abgerufen am 29.01.2024
- Rogner et al., Morbus Darier und Morbus Hailey-Hailey: Stand 2021, J Dtsch Dermatol Ges, 2021
- Altmeyers Enzyklopädie – Pemphigus chronicus benignus familiaris, abgerufen am 30.01.2024