Orthobunyavirus
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LoslegenSynonym: Orthobunyaviren
Englisch: Orthobunyavirus
Definition
Orthobunyavirus ist eine Gattung behüllter, segmentierter RNA-Viren aus der Familie der Peribunyaviridae. Sie ist die größte und vielfältigste Gattung der Familie und umfasst über 170 überwiegend durch Arthropoden übertragene Arboviren. Zu ihr gehören bedeutende human- und tierpathogene Erreger wie das La-Crosse-Virus, das Oropouche-Virus und das Schmallenberg-Virus.[1]
Taxonomie
- Klasse: Bunyaviricetes
- Ordnung: Elliovirales
- Familie: Peribunyaviridae
- Gattung: Orthobunyavirus
- Familie: Peribunyaviridae
- Ordnung: Elliovirales
Typusart ist Orthobunyavirus bunyamweraense (Bunyamwera-Virus), das in den 1940er-Jahren in Bunyamwera (Uganda) aus Stechmücken isoliert wurde. Im April 2024 wurde durch das ICTV die frühere Klasse Ellioviricetes in Bunyaviricetes und die frühere Ordnung Bunyavirales in Elliovirales umbenannt.[2]
Serogruppen
Traditionell werden die Orthobunyaviren anhand serologischer Kreuzreaktionen in etwa 18 Serogruppen eingeteilt, darunter:
- Bunyamwera-Gruppe (z.B. Bunyamwera-, Batai- und Ngari-Virus)
- Kalifornien-Gruppe (z.B. La-Crosse-Virus, Kalifornien-Enzephalitis-Virus)
- Simbu-Serogruppe (z.B. Oropouche-, Akabane- und Schmallenberg-Virus)
Diese serologische Einteilung stimmt nicht immer mit der genetischen Phylogenese überein.[1]
Morphologie
Orthobunyaviren sind sphärische bis pleomorphe, behüllte Partikel mit einem Durchmesser von 80–120 nm. In die Hülle sind die Glykoproteine Gn und Gc eingelagert. Das Nukleokapsid ist helikal organisiert.
Genom
Das Genom besteht aus drei Segmenten einzelsträngiger RNA negativer Polarität:
- das große L-Segment (~7 kb) kodiert die RNA-abhängige RNA-Polymerase (RdRp)
- das M-Segment (~4,5 kb) die Glykoproteine Gn und Gc sowie das Nichtstrukturprotein NSm
- das kleine S-Segment (~1 kb) das Nukleokapsidprotein (N) und – in einem überlappenden Leserahmen – das Nichtstrukturprotein NSs
Die Segmentenden tragen konservierte, komplementäre Sequenzen, die eine Panhandle-Struktur ausbilden. Für die Transkription nutzt das L-Protein einen Cap-Snatching-Mechanismus.[3]
Virulenzfaktoren
Das NSs-Protein ist bei vielen Orthobunyaviren der wichtigste Virulenzfaktor: Es antagonisiert die Typ-I-Interferon-Antwort, indem es die RNA-Polymerase II der Wirtszelle hemmt und so die zelluläre mRNA-Synthese abschaltet. Einige Serogruppen (z.B. Anopheles A, Anopheles B, Tete) besitzen kein NSs.[1]
Übertragung
Als Arboviren werden Orthobunyaviren durch blutsaugende Arthropoden übertragen, vor allem Stechmücken (Aedes, Culex) und Gnitzen der Gattung Culicoides. Aufgrund des segmentierten Genoms treten zwischen verwandten Viren häufig Reassortanten auf, was mit dem Auftreten neuer Erreger assoziiert ist – etwa beim Ngari-Virus (Reassortante aus Bunyamwera- und Batai-Virus) und beim Schmallenberg-Virus.[1]
Klinische Bedeutung
Humanmedizinische Bedeutung
Orthobunyaviren verursachen ein breites Spektrum humaner Erkrankungen:
- fieberhafte Allgemeinerkrankungen (z.B. Bunyamwera-Virus)
- Enzephalitiden (z.B. La-Crosse-Virus – häufigste Ursache kindlicher arboviraler neuroinvasiver Erkrankungen in Nordamerika)
- hämorrhagisches Fieber (z.B. Ngari-Virus, Garissa-Variante)
- Oropouche-Fieber (Oropouche-Virus)[3]
Veterinärmedizinische Bedeutung
Zahlreiche Vertreter – vor allem aus der Simbu-Serogruppe – sind teratogen: Bei Infektion trächtiger Wiederkäuer können sie Aborte, Totgeburten und kongenitale Fehlbildungen verursachen (z.B. Akabane-, Schmallenberg-, Aino- und Cache-Valley-Virus).[3]
Diagnostik
Der direkte Nachweis erfolgt mittels RT-PCR und Sequenzierung sowie durch Virusanzucht in der Zellkultur. Serologisch kommen Neutralisationstests und ELISA zum Einsatz. Innerhalb der Serogruppen bestehen ausgeprägte Kreuzreaktionen, sodass eine sichere Differenzierung meist molekularbiologisch erfolgt.[1]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Elliott RM. Orthobunyaviruses: recent genetic and structural insights. Nat Rev Microbiol. 2014;12(10):673-685. doi:10.1038/nrmicro3332
- ↑ Kuhn JH et al. Promotion of order Bunyavirales to class Bunyaviricetes to accommodate a rapidly increasing number of related polyploviricotine viruses. J Virol. 2024;98(9):e0106924. doi:10.1128/jvi.01069-24
- ↑ 3,0 3,1 3,2 International Committee on Taxonomy of Viruses (ICTV). Genus: Orthobunyavirus. In: ICTV Report: Peribunyaviridae. Verfügbar unter: ictv.global.