Simbu-Serogruppe
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LoslegenSynonyme: Simbu-Gruppe, Simbu-Antigengruppe
Englisch: Simbu serogroup
Definition
Die Simbu-Serogruppe ist eine serologisch definierte Gruppe arboviraler Erreger innerhalb der Gattung Orthobunyavirus (Familie Peribunyaviridae). Sie umfasst mehr als 30 antigenetisch verwandte Viren, die überwiegend durch Gnitzen der Gattung Culicoides übertragen werden und vor allem bei Wiederkäuern von Bedeutung sind. Namensgebend ist das Prototypvirus Simbu-Virus.[1]
Systematik
Taxonomische Einordnung
Die Simbu-Serogruppe ist keine formale taxonomische Einheit, sondern eine antigenbasierte Gruppierung innerhalb der Gattung Orthobunyavirus. Nach der aktuellen Klassifikation des ICTV sind ihre Vertreter auf mehrere Spezies verteilt, z.B. Akabane orthobunyavirus, Shuni orthobunyavirus, Sathuperi orthobunyavirus und Oropouche orthobunyavirus.[2]
Phylogenetische Klades
Anhand der Genomsequenzen werden zwei phylogenetische Klades unterschieden:
- Klade A: u.a. Oropouche-Virus und Manzanilla-Virus
- Klade B: u.a. Akabane-Virus, Aino-Virus, Shuni-Virus, Schmallenberg-Virus, Sathuperi-Virus und Shamonda-Virus
Nur Viren der Klade B sind mit Erkrankungen bei Tieren assoziiert.[3][2]
Morphologie
Die Viren der Simbu-Serogruppe sind behüllte, annähernd sphärische Partikel mit einem Durchmesser von etwa 80–120 nm und einem helikalen Nukleokapsid.
Genom
Das Genom besteht aus drei Segmenten einzelsträngiger RNA negativer Polarität:
- das große L-Segment kodiert die RNA-abhängige RNA-Polymerase (RdRp)
- das M-Segment die Glykoproteine Gn und Gc sowie ein Nichtstrukturprotein NSm
- das kleine S-Segment das Nukleokapsidprotein (N) und ein Nichtstrukturprotein NSs
Aufgrund des segmentierten Genoms können bei Doppelinfektionen Reassortanten entstehen. Ein prominentes Beispiel ist das Schmallenberg-Virus, dessen M-Segment Sathuperi-ähnlich, dessen S- und L-Segment jedoch Shamonda-ähnlich sind.[3]
Vorkommen
Viren der Simbu-Serogruppe sind weltweit verbreitet, mit Schwerpunkten in Afrika, Asien, Australien und dem Nahen Osten. In Europa trat 2011 erstmals das Schmallenberg-Virus auf. Im Sommer 2026 wurde ein Shamonda-ähnliches Virus in Mitteleuropa nachgewiesen.[2]
Übertragung
Die Übertragung erfolgt überwiegend durch blutsaugende Culicoides-Gnitzen. Einzelne Vertreter wie das Oropouche-Virus werden zusätzlich durch Stechmücken übertragen. Für die teratogene Wirkung entscheidend ist die diaplazentare Übertragung vom infizierten Muttertier auf den Fetus.[2]
Klinische Bedeutung
Veterinärmedizinische Bedeutung
Bei erwachsenen Wiederkäuern verlaufen Infektionen meist asymptomatisch oder mild (z.B. Fieber, Durchfall, Milchleistungsrückgang). Klinisch bedeutsam ist die teratogene Wirkung: Infiziert sich ein seronegatives Muttertier während eines vulnerablen Gestationsfensters, kann das Virus die Plazenta passieren und beim Fetus Aborte, Totgeburten und schwere kongenitale Fehlbildungen verursachen. Das charakteristische Fehlbildungsmuster aus Arthrogrypose und Hydranenzephalie wird als Arthrogrypose-Hydranenzephalie-Syndrom (AHS) bezeichnet. Die wichtigsten tierpathogenen Vertreter sind Akabane-Virus, Schmallenberg-Virus, Aino-Virus und Shamonda-Virus.[2]
Humanmedizinische Bedeutung
Einzelne Vertreter sind humanpathogen. Der bedeutendste ist das Oropouche-Virus, das in Mittel- und Südamerika das Oropouche-Fieber verursacht – nach dem Dengue-Fieber eine der häufigsten arboviralen Erkrankungen der Region. Auch das Shuni-Virus wurde mit Enzephalitiden bei Pferden und Menschen in Verbindung gebracht. Die meisten übrigen Vertreter gelten nach derzeitigem Kenntnisstand nicht als Zoonoseerreger.[4]
Diagnostik
Der direkte Erregernachweis erfolgt mittels RT-PCR – gruppenspezifisch (Pan-Simbu-PCR) oder speziesspezifisch – sowie durch Sequenzierung und Virusanzucht. Bei fetalen Schäden eignen sich vor allem Gehirnproben. Serologisch kommen Neutralisationstests und ELISA zum Einsatz.
Cave: Innerhalb der Simbu-Serogruppe bestehen erhebliche serologische Kreuzreaktionen, insbesondere bei N-Protein-basierten ELISAs. Eine sichere Differenzierung der einzelnen Viren erfordert vergleichende Neutralisationstests.[2]
Quellen
- ↑ Saeed MF et al. Phylogeny of the Simbu serogroup of the genus Bunyavirus. J Gen Virol. 2001;82(Pt 9):2173-2181.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 Golender N et al. (Hrsg.). Revisiting the Importance of Orthobunyaviruses for Animal Health: A Scoping Review of Livestock Disease, Diagnostic Tests, and Surveillance Strategies for the Simbu Serogroup. Viruses. 2024;16(2):294. doi:10.3390/v16020294
- ↑ 3,0 3,1 Yanase T et al. Genetic reassortment between Sathuperi and Shamonda viruses of the genus Orthobunyavirus in nature: implications for their genetic relationship to Schmallenberg virus. Arch Virol. 2012;157(8):1611-1616.
- ↑ Sakkas H et al. Oropouche Fever: A Review. Viruses. 2018;10(4):175. doi:10.3390/v10040175