Schmallenberg-Virus
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Englisch: Schmallenberg virus
Definition
Das Schmallenberg-Virus, kurz SBV, ist ein Virus der Gattung Orthobunyavirus (Familie Peribunyaviridae) aus der Simbu-Serogruppe. Es ist eng mit dem Akabane-Virus verwandt und verursacht bei Wiederkäuern eine meist milde Infektion, kann bei trächtigen Tieren jedoch schwere fetale Schäden hervorrufen. Empfänglich sind Haus- und Wildwiederkäuer.[1]
Taxonomie
Das Virus gehört zur Spezies Orthobunyavirus schmallenbergense (früher Sathuperi orthobunyavirus) und wird serologisch der Simbu-Serogruppe zugeordnet. Nach aktueller Einschätzung des FLI handelt es sich nicht um eine Reassortante.[1]
Klinik
Eine Infektion adulter Tiere verläuft meist subklinisch oder mit sehr milden klinischen Symptomen. Es treten Fieber, Durchfall und ein Rückgang der Milchleistung auf. Klinisch bedeutsam ist die Infektion trächtiger Tiere: In der sensiblen Frühphase der Trächtigkeit kann das Virus diaplazentar auf die Frucht übergehen und kongenitale Missbildungen verursachen. Das charakteristische Fehlbildungsmuster entspricht einem Arthrogrypose-Hydranencephalie-Syndrom (u.a. Gelenkkontrakturen, Wirbelsäulendeformitäten, Hydrozephalus, Hydranenzephalie). Zudem kommt es zu Frühgeburten, Totgeburten und Aborten sowie zu Fruchtbarkeitsstörungen.[2]
Übertragung
Das Virus wird durch blutsaugende Gnitzen der Gattung Culicoides als Vektoren übertragen, u.a.:
Eine direkte Übertragung von Tier zu Tier findet – abgesehen von der diaplazentaren Übertragung – nicht statt.[2]
Vorkommen
Verwandte Orthobunyaviren der Simbu-Serogruppe sind vor allem in Afrika, Asien und Australien verbreitet. In Europa wurde das Schmallenberg-Virus im November 2011 erstmals nachgewiesen. Hinweise auf ein Vorkommen vor 2011 fehlen, sodass von einem Neueintrag nach Mitteleuropa ausgegangen wird. Inzwischen tritt SBV in Deutschland und weiten Teilen Europas endemisch auf, mit periodischer Wiederzirkulation, wenn die Herdenimmunität nachlässt.
Ein zoonotisches Potenzial besteht nach übereinstimmender Einschätzung von ECDC, EFSA, FLI und RKI nicht. Humane Infektionen wurden bisher (2026) nicht beobachtet.[3]
Erstnachweis in Deutschland
Im November 2011 stellte das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) erstmals ein Virus des Genus Orthobunyavirus bei Rindern in Deutschland fest. Genetische Analysen ordneten es der Simbu-Serogruppe zu. Nach Isolierung und Anzucht wurde es nach der Probenherkunft als „Schmallenberg-Virus" bezeichnet. Schwerpunkte lagen zunächst in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und Schleswig-Holstein. Rasch folgten Nachweise in weiteren Bundesländern sowie in Belgien, den Niederlanden, Luxemburg, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien – gehäuft bei Schafen.[1]
Diagnostik
Der direkte Erregernachweis erfolgt mittels RT-PCR, vor allem aus Gehirnproben missgebildeter Feten. Der indirekte Nachweis gelingt über serologische Verfahren (ELISA, Neutralisationstest).[2]
Meldepflicht
In Deutschland besteht für den Nachweis des Schmallenberg-Virus bei Rindern, Schafen und Ziegen eine Meldepflicht nach der Verordnung über meldepflichtige Tierkrankheiten. Das Virus wurde 2012 in die entsprechende Liste aufgenommen.[1]
Weblinks
- Friedrich-Loeffler-Institut: Schmallenberg-Virus
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 Friedrich-Loeffler-Institut. Schmallenberg-Virus. (abgerufen am 04.08.2026)
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Doceul V et al. Epidemiology, molecular virology and diagnostics of Schmallenberg virus, an emerging orthobunyavirus in Europe. Vet Res. 2013;44:31. doi:10.1186/1297-9716-44-31
- ↑ European Centre for Disease Prevention and Control. Risk assessment: New Orthobunyavirus isolated from infected cattle and small livestock – potential implications for human health.