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Nachtschatten

Englisch: nightshade

1 Definition

Nachtschatten ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) und beinhaltet zahlreiche Gift-, Arznei-, Nahrungs- und Zierpflanzen. Die botanische Bezeichnung lautet Solanum.

2 Etymologie

Die Etymologie der Gattungsbezeichnungen ist nicht eindeutig geklärt. Die Bezeichnungen "Nachtschatten" und "Solanum" werden heute der botanischen Gattung Nachtschatten (Solanum) zugeordnet. Sie wurden früher jedoch für zahlreiche weitere Nachtschattenarten verwendet, welche heute in eigenständigen Gattungen geführt werden (z.B. Schwarze Tollkirsche, heute Gattung Atropa). Einige Aspekte der Namensherkunft könnten demnach von anderen Gattungen der Nachtschattengewächse stammen.

Mögliche Herleitungen des deutschen Trivialnamens "Nachtschatten" sind:

  • "Nachtschatten" von althochdeutsch "nahtscato"/ mittelhochdeutsch "nahtschade", bezogen auf die dunklen Beerenfrüchte des Schwarzen Nachtschattens
  • "Schatten" von "Schaden" im Sinne von Kopfschmerzen durch Blütenduft
  • Wirksamkeit gegen Schäden durch Hexenzauber

Mögliche Herleitungen der botanischen Bezeichnung "Solanum" sind:

  • "Solanum" von lateinisch "sōlārī" ("trösten", "lindern"), bezogen auf die pharmakologischen Effekte einiger Solanaceen-Arten

Ein Bezug der Bezeichnungen zu nächtlichen Blüh- oder Wachstumsprozessen der Pflanzen besteht nicht, obwohl Vertreter einiger Solanaceen-Gattungen ihre Blüten tatsächlich vor allem zur Dämmerung oder Nachts öffnen.

3 Merkmale

Solanum-Arten wachsen als Kräuter oder Halbsträucher und können dornenlos oder bedornt sein. Einige tropische Arten sind Bäume. Die Laubblätter sind gefiedert oder ungeteilt. Der Kelch ist fünf-, selten zehnteilig. Der Blütenstand ist eine end- oder seitenständige Zyme (rispen- oder schirmrispenartig). Die Blüten sind zwittrig (selten durch Reduktion eingeschlechtlich), rad- oder sternförmig, fünfzählig und weisen nach innen zusammenneigende Staubbeutel auf. Der Fruchtknoten ist zweifächrig, selten drei- oder vierfächrig. Aus den Blüten gehen Beeren hervor. Auch die Frucht von Tomate und Aubergine beispielsweise ist botanisch gesehen eine Beerenfrucht. Die Pflanzengattung ist weltweit verbreitet, zahlreiche Spezies wurden zudem durch den Menschen verbreitet.

4 Arten und Nutzung

Die Gattung Solanum tritt mit etwa 1700 Arten in mehreren Untergattungen in Erscheinung. Im Folgenden wird eine Auswahl wichtiger Arten aufgeführt:

In Deutschland können im Feld circa 26 Arten angetroffen werden, wobei die meisten nicht heimisch sind und häufig unbeständige Populationen aufweisen. Hierzu zählen Tomate, Kartoffel, Stachel-Nachtschatten (Solanum rostratum), Dreiblütiger Nachtschatten (Solanum triflorum), Argentinischer Nachtschatten (Solanum physalifolium), Saracha-Nachtschatten (Solanum sarrachoides), Gelbfrüchtiger Nachtschatten, Rotbeeriger Nachtschatten (Solanum alatum) und Täuschender Nachtschatten (Solanum decipiens). Nicht winterharte Arten können Bestände ggf. durch mehr oder weniger frostfeste Samen erhalten. Heimische Arten sind Bittersüßer Nachtschatten und Schwarzer Nachtschatten, wobei letzterer ein Archäophyt ist, also vor der Entdeckung der Neuen Welt (1492) eingeführt wurde.

5 Inhaltsstoffe

Die wichtigsten pharmakologisch aktiven Substanzen sind Alkaloide mit Steroidstruktur (Cholestan), welche in der Regel glykosyliert vorliegen (enthalten Zuckerreste). Demnach stellen sie gleichzeitig Glykoside dar (Steroidalkaloidglykoside). Zusammengefasst werden diese Alkaloide Solanum-Alkaloide genannt, wenngleich einige auch bei anderen Gattungen vorkommen. Der Zuckerrest bindet zumeist β-glykosidisch an einem Kohlenstoffatom (C-3), besteht aus ein bis vier Monosacchariden und ist meistens verzweigt. Die Seitenkette des Sterankörpers bildet einen stickstoffhaltigen Heterocyclus. Anhand der Erscheinungsform der Seitenkette werden verschiedene Alkaloid-Typen unterschieden:

Weiterhin sind Saponine mit Steroidstruktur (Steroidsaponine) vorhanden, z.B. Diosgenin, Hispigenin, Solagenin und Yamogenin. Einige Arten, etwa Solanum malacoxylon, enthalten Glykoside des 1,25-Dihydroxycalciferols. Diese können bei Weidevieh die Ausbildung einer Hypervitaminose D bewirken.

Die Giftstoffe kommen in der Regel in allen Pflanzenteilen vor. Bei einigen Arten sind die reifen (nicht jedoch die unreifen) Beeren alkaloidarm oder annähernd alkaloidfrei und essbar (z.B. Tomate, Aubergine).

6 Toxikologie

Einige Alkaloide (Aglyka) hemmen die Aktivität von Acetylcholinesterasen im Zentralnervensystem. Durch Zerstörung von Zellmembranen kommt es zur Zytolyse. Dabei sind nach peroraler Aufnahme zunächst die Schleimhautzellen des Gastrointestinaltrakts, nach Resorption auch andere Zellen betroffen. Akute Intoxikationen gehen mit lokalen Reizungen, Gastroenteritis mit Emesis und Diarrhoe, Hyperparästhesien, Somnolenz, Hypotonie und Dyspnoe einher. Höhere Dosen bewirken stärkere Neurotoxizität mit Somnolenz, Kopfschmerz, Hyperthermie, Atemdepression und Tachykardie. Der Tod kann durch zentrale Atemlähmung eintreten.

Die Toxine gehen in die Muttermilch über und weisen teilweise ein teratogenes Potential auf.

6.1 Therapie der Vergiftung

Resorptionsvermindernde Maßnahmen (Aktivkohle, Magenspülung) und intensivmedizinische Betreuung (Volumenersatz, künstliche Beatmung, Defibrillation). Bei Erregung und Krämpfen können Benzodiazepine gegeben werden. Blutbild und Nierenfunktion sind zu überwachen. Darüber hinaus erfolgt symptomatische Therapie.

7 Literatur

  • Jäger et al.: Rothmaler - Exkursionsflora von Deutschland, Bd. 2. Aufl. 20, Spektrum Akadem. Verlag.
  • Roth, Daunderer & Kormann: Giftpflanzen - Pflanzengifte, 5. Aufl., Nikol Verlag.
  • Mutschler et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen, 8. Aufl, Wissenschaftl. Verlagsgesellschaft.
  • Wolf (Hrsg.): Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis - Bd. 6, Drogen P-Z, 1992, Springer Verlag.

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