In-vitro-Fertilisation
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Loslegenvon lateinisch: vitrum – Glas
Englisch: in vitro fertilization
Definition
Als In-vitro-Fertilisation, kurz IVF, bezeichnet man eine Methode zur assistierten Reproduktion durch Befruchtung einer Eizelle außerhalb des Körpers im Labor.
Indikation
Eine IVF kommt zum Einsatz, wenn bei einem Paar nach über einem Jahr trotz regelmäßigem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr keine Schwangerschaft eintritt. Bei Frauen über 35 Jahren wird bereits nach 6 Monaten erfolgloser Konzeptionsversuche eine weiterführende Diagnostik und ggf. Intervention empfohlen.
Typische Indikationen umfassen den Tubenfaktor (z.B. Tubenamputationen, nicht behebbare Tubenpathologien), die Endometriose, unerklärliche Infertilität sowie männliche Fertilitätsstörungen, die eine spontane Konzeption verhindern.[1]
Durchführung
Eine In-vitro-Fertilisation umfasst mehrere Schritte, wobei als drei getrennte Phasen die Eizellgewinnung, die eigentliche Befruchtung und die Nachbefruchtungsphase mit dem Embryotransfer unterschieden werden. Vorbereitend erfolgt beim Mann die Spermien-Prüfung (Spermiogramm) auf Anzahl, Beweglichkeit, Form usw.
Eizellgewinnung
Die Eizellgewinnung erfolgt durch gezielte Steuerung des weiblichen Zyklus mittels extern zugeführter Hormone. Diesen Vorgang bezeichnet man als Follikelstimulation:
- Unterdrückung des physiologischen Zyklus durch Gabe von GnRH-Analoga.
- Stimulation: FSH-Gabe zur Stimulierung der Follikelreifung bei der Frau.
- Verlaufskontrollen ab dem 5.–6. Zyklustag: Transvaginale Sonographie und Hormonmessungen zur Beurteilung der Follikelreifung.
- Bei ausreichender Follikelreifung wird die Ovulation durch eine Hormongabe (HCG oder GnRH-Agonist) ausgelöst.
Etwa 36 Stunden nach dem ovulationsauslösenden Medikament entnimmt man die gereiften Eizellen durch transvaginale Follikelaspiration unter Ultraschallkontrolle. Die Anzahl der gewonnenen Eizellen variiert je nach ovarieller Reserve, Alter und Stimulationsprotokoll erheblich. Die Prozedur kann in Lokalanästhesie oder unter Sedierung durchgeführt werden.
Als wichtigste Komplikation der ovariellen Stimulation gilt das ovarielle Überstimulationssyndrom (OHSS), das von leichten abdominellen Beschwerden bis hin zu lebensbedrohlichen Verläufen mit Aszites, Pleuraerguss und Thromboembolie reichen kann. Zur Prävention eines schweren OHSS wird bei entsprechendem Risikoprofil bevorzugt ein GnRH-Antagonist-Protokoll eingesetzt, das die Verwendung eines GnRH-Agonisten als ovulationsauslösenden Trigger ermöglicht.
Befruchtung
Die Befruchtung kann in Abhängigkeit vom Spermiogramm grundsätzlich auf zwei verschiedene Weisen erfolgen:
Klassische In-vitro-Fertilisation
Die klassische IVF wird bei unauffälligem Spermiogramm eingesetzt. Die Eizellen werden in eine Kulturschale eingebracht und mit frisch gewonnenen oder aufgetauten Spermien versetzt. Die Koinkubation von Spermien und Oozyten erfolgt bei 37 °C im Brutschrank. Anschließend werden die Eizellen auf das Eintreten der spontanen Befruchtung kontrolliert. Die entstandenen Zygoten werden bis zum Transfer weiter kultiviert.
Intrazytoplasmatische Spermieninjektion
Liegt eine Störung des Spermiogramms vor (z.B. OAT-Syndrom), wird die intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) gewählt. Hierbei erfolgt keine spontane Befruchtung, sondern einzelne Spermien werden mit einem Mikromanipulator jeweils direkt in eine vorbereitete Eizelle injiziert.
Nachbefruchtungsphase
Bei erfolgreicher Befruchtung durchläuft der Embryo mehrere Zellteilungsstadien (2-Zell-, 4-Zell-Stadium) und wird in der modernen IVF bevorzugt als Blastozyste an Tag 5 transferiert, da dieser Zeitpunkt mit höheren Schwangerschaftsraten pro Transfer assoziiert ist. In der Regel wird ein Embryo eingesetzt (sog. Single-Embryo-Transfer).
Nach den Vorgaben des Embryonenschutzgesetzes dürfen in Deutschland pro Behandlungszyklus maximal drei Embryonen auf die Frau übertragen werden.
Nicht transferierte befruchtete Eizellen können mittels Kryokonservierung (insbesondere Vitrifikation) eingefroren und für spätere Kryotransfers genutzt werden, was die kumulative Erfolgsrate einer Stimulation erheblich steigert.
Erfolgschancen
Die Erfolgsaussichten sind von einer Vielzahl an Faktoren abhängig, darunter das Alter der Frau, die Ovarialreserve, Anzahl und Qualität der gewonnenen Eizellen, Zahl der befruchteten Eizellen sowie psychische Stressfaktoren.
Laut Deutschem IVF-Register lag die Schwangerschaftsrate pro Embryotransfer im Jahr 2024 im Frischzyklus bei 30,5 % und im Kryozyklus bei 31,5 %.[2] Die Erfolgsrate ist stark altersabhängig. [2]
Über mehrere Transfers hinweg betrachtet liegt die kumulative Schwangerschaftsrate nach vier Transfers bei etwa 69 %.[2]
Im Falle einer mehrfach nicht eingetretenen Schwangerschaft nach Embryotransfer im Rahmen der IVF spricht man vom wiederholten Implantationsversagen. Es bestehen verschiedene, uneinheitliche Definitionen bzw. Kriterien für diese Diagnose.
Quellen
- ↑ S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie vor einer assistierten reproduktionsmedizinischen Behandlung (ART), AWMF-Registernummer 015-085, Stand Februar 2019 (in Überarbeitung), abgerufen am 08.06.2026
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Deutsches IVF-Register – Jahrbuch, abgerufen am 08.06.2026