Kryozyklus
Englisch: cryo cycle, frozen embryo transfer cycle, FET cycle
Definition
Der Kryozyklus bezeichnet in der assistierten Reproduktion einen Behandlungszyklus, bei dem zuvor kryokonservierte Embryonen (frühe Teilungsstadien, Blastozysten) oder Vorkernstadien aufgetaut und anschließend in die Gebärmutter transferiert werden. Er ist eine Alternative zum Frischzyklus.
Hintergrund
Im Rahmen einer In-vitro-Fertilisation (IVF) oder ICSI können überzählige Embryonen nach erfolgreicher Fertilisation mittels Kryokonservierung eingefroren werden. Diese Embryonen stehen dann für einen späteren Embryonentransfer zur Verfügung. Der Kryozyklus hat in der modernen Reproduktionsmedizin an Bedeutung gewonnen, da durch verbesserte Verfahren der Vitrifikation höhere Überlebensraten der Embryonen nach dem Auftauen erreicht werden.
Der Transfer erfolgt entweder in einem natürlichen Menstruationszyklus oder häufiger in einem hormonell vorbereiteten Zyklus mit Östrogenen und Progesteron, um eine optimale Vorbereitung des Endometriums zu erreichen.
Indikationen
Zu den Indikationen für einen IVF-Abbruch und die Wahl eines Kryozyklus zählen:
- Vermeidung eines ovariellen Hyperstimulationssyndroms (bei hohen AMH-Werten oder PCOS)
- inadäquater Endometriumaufbau (z.B. durch ein voriges Antagonistenprotokoll)
- Detektion uteriner Pathologien (Polypen, Myome, Serometra), welche die Schwangerschaftschancen reduzieren
Eine weitere Indikation sind überzählige Embryonen. Dadurch kann eine erneute ovarielle Stimulation und Follikelpunktion vermieden werden. In den meisten europäischen Staaten ist dieses Vorgehen zulässig, jedoch nicht in Deutschland. Das deutsche Embryonenschutzgesetz lässt nur die Kultivierung und den Transfer so vieler Embryonen zu, wie auch im gleichen Zyklus transferiert werden können.
Zulässig ist nur die Kryokonservierung von unbefruchteten Eizellen und befruchteten Eizellen im Vorkernstadium. In diesem Stadium sind die beiden Zellkerne noch nicht verschmolzen, sodass die Zelle rechtlich noch nicht als Embryo gilt.