Follikelstimulation
Synonyme: Ovarstimulation, ovarielle Stimulation
Englisch: ovarian stimulation
Definition
Die Follikelstimulation bezeichnet Behandlungsmaßnahmen im Rahmen der assistierten Reproduktion, welche die kontrollierte Reifung und Ovulation von Follikeln induzieren.
Indikationen
Die Follikelstimulation wird in unterschiedlichen reproduktionsmedizinischen Settings eingesetzt, z.B. bei Verkehr zum optimalen Zeitpunkt (VZO), intrauteriner Insemination (IUI) oder In-vitro-Fertilisation (IVF). Sie kann die kontrollierte Reifung und Ovulation eines einzelnen Follikels (Monoovulation) oder die Reifung mehrerer Ovarialfollikel zur Induktion einer Polyovulation mit anschließender Eizellentnahme für IVF oder ICSI umfassen.
Vorgehen
Gegebenenfalls wird der Stimulationsbehandlung eine Downregulation vorgeschaltet. Dabei kommen Medikamente zum Einsatz, die die endogene ovarielle Aktivität supprimieren. Auf diese Weise kann der Stimulationsprozess besser kontrolliert und ein vorzeitiger Eisprung verhindert werden.
Monoovulation
Bei einer Follikelreifungsstörung oder Anovulation kann bei jungen Patientinnen zur Ovulationsinduktion zunächst eine First-Line-Therapie mit Clomifen, dem Aromataseinhibitor Letrozol oder alternativ eine niedrigdosierte Gonadotropinstimulation (Second-Line-Therapie) eingesetzt werden. Ziel ist eine minimal notwendige Steigerung des Serum-FSH-Spiegels, um bevorzugt das Wachstum eines einzelnen dominanten Follikels zu induzieren.
Polyovulation
Im Rahmen einer Polyovulation bei IVF-Therapie wird der FSH-Serumspiegel gezielt so erhöht, dass mehrere – einschließlich subordinierter – Follikel heranreifen und der physiologischen Atresie entgehen. Stimulationsprotokolle zur Induktion einer Polyovulation umfassen das GnRH-Antagonistenprotokoll sowie GnRH-Agonistenprotokolle. Zu letzteren zählen das lange und das kurze Protokoll.
Eine weitere Differenzierung erfolgt anhand der exogen zugeführten FSH-Dosis. Beim Step-up-Protokoll wird die FSH-Dosis im Verlauf der Stimulation schrittweise erhöht, während sie beim Step-down-Protokoll nach initial höherer Dosierung im weiteren Verlauf reduziert wird.
Wirkstoffe
Bei der Follikelstimulation werden verschiedene Wirkstoffe eingesetzt:
- GnRH-Agonisten oder -Antagonisten zur Unterdrückung der Ovulation
- FSH, um die Entwicklung eines oder mehrerer Follikel zu induzieren
- hCG für die finale Maturation der Eizellen und zur Ovulationsauslösung
Art und Intensität der Stimulation sind indikations- und therapieabhängig.
Dauer
Die Dauer einer Follikelstimulation unterscheidet sich je nach Ziel (Mono- vs. Polyovulation) und Protokoll. Bei Monoovulation beträgt die Stimulationsdauer häufig etwa 5–7 Tage, während bei Polyovulation in der Regel 8–12 Tage erforderlich sind. Die genauen Therapieprotokolle können dabei – je nach Zentrum – unterschiedlich gestaltet sein.
Monitoring
Der Fortschritt der Follikelentwicklung wird durch eine regelmäßige Sonographie der Ovarien kontrolliert. Parallel dazu bestimmt man den Östradiolspiegel im Serum. Die FSH-Dosis wird ggf. angepasst.
siehe auch: Follikulometrie
Triggergabe
Sobald die Follikel eine ausreichende Größe erreicht haben, wird hCG (humanes Choriongonadotropin) verabreicht, das die endgültige Reifung der Eizellen in den Follikeln induziert. Im Rahmen eines GnRH-Antagonistenprotokolls kann alternativ ein GnRH-Agonist (z.B. Triptorelin) zur Auslösung der finalen Eizellreifung eingesetzt werden.
Komplikationen
Die wichtigste Komplikation der Follikelstimulation ist das ovarielle Hyperstimulationssyndrom (OHSS). Dabei liegen die Östradiolwerte meist über 5000 pg/ml und zum Zeitpunkt der Follikelaspiration mehr als 15 reife Follikel vor. Klinisch stehen Abdominalschmerz, Nausea, Erbrechen und Diarrhö sowie ein ausgeprägter Meteorismus im Vordergrund. Leichte Fälle können ambulant behandelt werden. Bei schwerer Ausprägung kommt es zu massiven Flüssigkeitsverschiebungen mit Aszites und Hydrothorax, die eine stationäre Behandlung notwendig machen.