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Follikelreifung

Synonym: Follikulogenese
Englisch: follicle maturation

1 Definition

Als Follikelreifung bezeichnet man die Entwicklung der Ovarialfollikel des weiblichen Eierstocks. Die Ovarialfollikel bestehen aus Eizellen und Follikelepithelzellen. Je nach Entwicklungsstadium unterscheidet man Primordialfollikel, Primärfollikel, Sekundärfollikel, Tertiärfollikel und Graaf-Follikel.

2 Entwicklungsstadien

2.1 Primordialfollikel

Die aus primären Eizellen entstandenen Primordialfollikel haben ein einschichtiges, flaches Epithel. Sie kommen im Eierstock sehr oft vor. Die im lichtmikroskopischen Bild nur schwach angefärbte Eizelle hat einen deutlich sichtbaren Nukleolus.

2.2 Primärfollikel

Im Primärfollikel ist die Eizelle von einem einschichtigen, iso- bis hochprismatischen Epithel umgeben. Zwischen der Eizelle und den Follikelzellen ist bereits ein Spaltraum zu erkennen, in den extrazelluläres Material abgelagert wird. Primärfollikel kommen bei Frauen, die älter als 35 sind, nur selten vor.

2.3 Sekundärfollikel

Die Eizelle ist beim Übergang vom Primär- zum Sekundärfollikel durch die Aufnahmen von Proteinen und durch Ansammlungen von Fett vergrößert worden. Das sie umgebende Epithel besteht aus bis zu fünf Schichten hochprismatischer Zellen, die durch Gap junctions miteinander in Verbindung stehen Diese Zellen werden auch als Granulosazellen bezeichnet, da sie lichtmikroskopisch granuliert erscheinen. Zwischen den Zellen können Spalträume auftreten. Aus dem Spaltraum zwischen der Eizelle und den Follikelzellen ist die Zona pellucida entstanden, die aus Basalmembran-ähnlichem Material aufgebaut ist. Die Stromazellen, die um die Follikelzellen liegen und von ihnen durch eine Basalmembran getrennt sind, haben sich umgeordnet: sie liegen nun zirkulär und sind vergrößert. Man bezeichnet sie als Theca folliculi oder auch Thecaorgan.

2.4 Tertiärfollikel

Der Tertiärfollikel ist bereits etwa einen Zentimeter groß und von sechs bis zwölf Schichten flacher Zellen umgeben, zwischen denen sich große Spalträume befinden. In diesen Follikelhöhlen findet man den Liquor folliculi, der reich an Hyaluronsäure ist und von den Granulosazellen gebildet wird. Das die Follikelzellen umgebende Stroma, die Theca folliculi, weist eine Zweischichtung auf: die innen liegende Theca interna besteht aus Epithel ähnlichen Zellen, die auf die Schleimhaut der Gebärmutter wirkende Steroidhormone produzieren. Die äußere Theca externa besteht aus Muskel ähnlichen Zellen, zwischen denen retikuläre Fasern und Blutgefäße zu finden sind.

2.5 Graaf-Follikel

Der Graaf-Follikel, der größer als ein Zentimeter ist, stellt das Endstadium der Follikelreifung dar. Die Spalträume des Tertiärfollikel sind zu einer einzigen Follikelhöhle, dem Antrum folliculi verschmolzen, in dem sich Liquor folliculi befindet. Die Granulosazellen bilden eine hügelähnliche Vorwölbung (Cumulus oophorus), in der sich die Eizelle befindet. Die Eizelle ist zudem von einer Schicht aus Granulosazellen (Corona radiata) umgeben. Mit der Zeit löst sich die Eizelle von dem Hügel aus Follikelzellen und schwimmt frei im Liquor. Das Stroma besteht immer noch aus Theca interna und Theca externa. Das Stadium des Graaf-Follikels wird von nur sehr wenigen Follikeln erreicht.

3 Hormonabhängigkeit der Follikelreifung

Die Follikelreifung vom Primodialfollikel zum Tertiärfollikel erfolgt kontinuierlich und hormonunabhängig, so dass im Ovar der fertilen Frau Follikel aller Reifestadien zu finden sind. Die Weiterentwicklung des Tertiär- zum Graaf-Follikel als Voraussetzung der Ovulation steht unter dem Einfluss des follikelstimulierenden Hormons (FSH). Hierbei reift ein dominanter Follikel aus, während die übrigen Tertiärfollikel apoptotisch degenerieren (Follikelatresie).

4 Ovulation

Beim Eisprung reißt die Hülle aus Follikelzellen und die Eizelle wird abgestoßen. Aus den Granulosazellen und dem Thecaorgan entsteht der Gelbkörper (Corpus luteum).

Fachgebiete: Gynäkologie, Histologie

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