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Aminoglykosid-Antibiotikum

(Weitergeleitet von Aminoglycoside)

1 Definition

Aminoglykoside sind eine heterogene Gruppe von Oligosaccharid-Antibiotika. In ihnen sind zwei oder mehr Zucker- oder Aminozucker-Moleküle glykosidisch untereinander und meist zudem mit einem Aglycon verknüpft. Als Aglycon findet man z.B. ein mit Amino-Gruppen substituiertes Cyclitol (u.a. Streptidin, 2-Desoxystreptamin).

2 Nomenklatur

Konventionsgemäß tragen die von Streptomyces-Arten gebildeten Aminoglykoside den Suffix "-mycin", während die von Micromonospora-Arten gebildeten Substanzen mit "-micin" enden.

3 Wirkmechanismus

Aminoglykoside binden an die 30S-Unterheit bakterieller Ribosomen und induzieren dort Fehlablesungen. Dabei wird der Kontrollmechanismus der Wechselwirkung von Aminoacyl-tRNA und Ribosomen so beeinflusst, dass das zur Kontrolle notwendige "Ausschleifen" der Aminosäuresequenz der 30S-Untereinheit manipuliert wird. In der Folge werden nicht nur die korrekten Aminosäuren, sondern auch inkorrekte Aminosäuren in das Protein eingebaut. So kommt es zur Bildung von Proteinen mit fehlerhafter Aminosäuresequenz. Diese Nonsens-Proteine können vom Bakterium nicht verwendet werden, so dass es schließlich abstirbt. Damit wirken Aminoglykosid-Antibiotika bakterizid.

4 Vertreter

Wichtige Vertreter der Gruppe der Aminoglykosid-Antibiotika sind im Folgenden aufgelistet:

5 Indikationen

Die meisten Aminoglykoside besitzen ein breites Wirkungsspektrum und können gegen viele Infektionen verwendet werden. Allerdings decken sie typischerweise nicht die Streptokokken ab (sogenannte "Streptokokkenlücke" der Aminoglykoside); auch einige Anaerobier sind gegen diese Antibiotika resistent. Einige Aminoglykoside können gegen Infektionen mit Pseudomonas aeruginosa eingesetzt werden. Mögliche Indikationen sind:

6 Dosierung

Aminoglykoside haben eine geringe therapeutische Breite. Dosislimitierende Nebenwirkungen sind die Nephrotoxizität und Ototoxizität.

7 Nebenwirkung

Aminoglykoside komplexieren das Phosphatidylinositolbisphosphat PIP2, das sich als Vorläufermolekül des 1,4,5-Inositoltrisphosphates IP3 in der Zellmembran von Haarzellen und Tubulusepithelien der Niere befindet, und unterbinden so die Signaltransduktion in diesen Zellen. Damit verursachen Aminoglykoside irreparable Schäden an der Niere (Nephrotoxizität) und am Gehörorgan (Ototoxizität).

Die Aufnahme der Aminoglykoside und ihre Akkumulation in der Zelle beruhen dabei wahrscheinlich auf Carriermolekülen wie Megalin und Cubilin.

Fachgebiete: Pharmakologie

Diese Seite wurde zuletzt am 17. Februar 2021 um 16:38 Uhr bearbeitet.

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