Risankizumab: Unterschied zwischen den Versionen
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==Zulassung== | ==Zulassung== | ||
Risankizumab wurde im Mai 2019 von der [[EMA]] zugelassen. Der Wirkstoff wird von [[Boehringer Ingelheim]] und [[AbbVie]] entwickelt. | Risankizumab wurde im Mai 2019 von der [[Europäische Arzneimittelagentur|EMA]] zugelassen. Der Wirkstoff wird von [[Boehringer Ingelheim]] und [[AbbVie]] entwickelt. | ||
== | ==Quelle== | ||
<references/> | <references/> | ||
[[Fachgebiet:Arzneimittel]] | [[Fachgebiet:Arzneimittel]] |
Aktuelle Version vom 14. Juli 2024, 13:31 Uhr
Handelsname: Skyrizi®
Synonyme: BI-655066, ABBV-066
Englisch: risankizumab
Definition
Risankizumab ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der monoklonalen Antikörper, der an eine Untereinheit von Interleukin-23 (IL-23) bindet und zur Behandlung der Psoriasis, sowie von Morbus Crohn eingesetzt wird.
Biochemie
Risankizumab ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper der Klasse IgG1. Er wird in Ovarialzellen des chinesischen Hamsters (CHO-Zellen) mit Hilfe rekombinanter DNA-Technologie hergestellt.
Wirkmechanismus
Interleukin-23 ist ein Zytokin, das eine wichtige Rolle in der Pathogenese chronischer Entzündungen spielt. IL-23 und der IL-23-Rezeptor konnten u.a. mit Erkrankungen wie Psoriasis oder CED sowie mit Graft-versus-Host-Reaktionen in Zusammenhang gebracht werden. Die Aktivierung des IL-23-Rezeptors induziert die Phosphorylierung der Januskinase 2 (JAK2) und der Tyrosinkinase 2 (TYK2) und erhöht dadurch die Expression der inflammatorischen Zytokine Interleukin-17 und Interleukin-22.
Risankizumab bindet selektiv an die p19-Untereinheit von IL-23 (IL-23A) und verhindert dadurch die Aktivierung des IL-23-Rezeptors. Durch die Unterdrückung der Autoimmunreaktion werden Entzündung- und Proliferationsprozesse reduziert, sodass die T-Zell-Dichte gesenkt werden kann und die Epidermisdicke abnimmt.
Pharmakokinetik
Die Bioverfügbarkeit von Risankizumab beträgt etwa 89 %. Innerhalb von 3 bis 14 Tagen wird nach subkutaner Injektion die maximale Plasmakonzentration erreicht.
Risankizumab liegt im Steady state vornehmlich vaskulär und im Interstitium vor. Von einer relevanten Plasmaproteinbindung ist nicht auszugehen.
Aufgrund der strukturellen Gegebenheiten eines Antikörpers wird Risankizumab zu kleineren Peptiden und Aminosäuren metabolisiert. Die Eliminationshalbwertszeit beträgt etwa 28 Tage.
Indikation
- systemische Therapie der mittelschweren bis schweren Plaque-Psoriasis bei Erwachsenen.
- Morbus Crohn , wenn konventionelle Biologika nicht ausreichend wirksam sind, oder nicht vertragen werden.[1]
Darreichungsform
- Fertigspritzen mit einem Wirkstoffgehalt von 75 mg Risankizumab in 0,83 ml Lösung
Anwendung
Die Applikation von Risankizumab erfolgt durch subkutane Injektion. Dabei ist auf eine intakte und Psoriasis-freie Haut zu achten. Die Injektion kann infolge einer Patientenschulung durch den Patienten selbst durchgeführt werden.
Dosierung
Die Therapie wird mit der empfohlenen Dosis von 150 mg (2 x 75 mg) begonnen, die erste Folgedosis von 150 mg erfolgt nach 4 Wochen. Anschließend werden alle 12 Wochen 150 mg Risankizumab als Erhaltungsdosis gegeben. Tritt nach 16 Wochen keine klinische Verbesserung ein, sollte die Therapie abgebrochen und reevaluiert werden.
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Klinische Wirkung
Die Wirkung von Risankizumab wurde in einer Multicenterstudie an 166 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis mit oder ohne Begleitarthritis getestet. Der primäre Endpunkt war eine Reduktion des PASI-Scores um mindestens 90 Prozent. Unter einer Dosierung von 90 bzw. 180 mg Risankizumab erreichten 77 Prozent der Patienten den primären Endpunkt. Bei 45 Prozent der Patienten kam es unter der Behandlung mit Risankizumab sogar zu einer vollständigen Abheilung der Hautläsionen.[2]
Nebenwirkungen
Im Zuge der Behandlung mit Risankizumab kann es u.a. zu folgenden Nebenwirkungen kommen:
- Infektionen der oberen Atemwege
- Tinea
- Kopfschmerzen
- Pruritus
- Fatigue
- Lokalreaktionen an der Einstichstelle
Wechselwirkungen
Basierend auf der Pharmakokinetik sind keine Interaktionen mit anderen Arzneistoffen zu erwarten. Die Kombination von Risankizumab und anderen in der Psoriasis-Therapie eingesetzten Stoffen wurde bisher noch nicht abschließend bewertet. Bei kombinierter Behandlung ist Vorsicht geboten.
Kontraindikationen
Von der Anwendung sollte bei Vorliegen einer Überempfindlichkeit gegenüber dem Arzneistoff oder einem Hilfsstoff, sowie bei einer aktiven Infektion, wie zum Beispiel Tuberkulose, abgesehen werden.
Ebenfalls ist der Einsatz während der Schwangerschaft und Stillzeit zu vermeiden. Bei Frauen im gebärfähigen Alter ist außerdem auf eine zuverlässige Verhütungsmethode während und mindestens 21 Wochen nach der Therapie zu achten.
Zulassung
Risankizumab wurde im Mai 2019 von der EMA zugelassen. Der Wirkstoff wird von Boehringer Ingelheim und AbbVie entwickelt.
Quelle
- ↑ https://www.g-ba.de/bewertungsverfahren/nutzenbewertung/914/
- ↑ Kim A. Papp et al.: Risankizumab versus Ustekinumab for Moderate-to-Severe Plaque Psoriasis April 20, 2017 N Engl J Med 2017; 376:1551-1560 DOI: 10.1056/NEJMoa1607017