Zusatzweiterbildung Tropenmedizin
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Definition
Die Zusatzweiterbildung Tropenmedizin vermittelt vertiefte Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten in der Prävention, Diagnostik und Therapie von Erkrankungen, die in tropischen und subtropischen Regionen vorkommen. Sie umfasst infektiologische, parasitologische, internistische und präventivmedizinische Aspekte sowie die reisemedizinische Beratung und Versorgung von Patienten mit relevanter Exposition.
Hintergrund
Durch Globalisierung, Migration und zunehmende internationale Reisetätigkeit gewinnen tropenmedizinische Fragestellungen auch außerhalb klassischer Tropenregionen kontinuierlich an Bedeutung. Importierte Infektionserkrankungen wie Malaria, Dengue oder Chikungunya stellen besondere diagnostische und therapeutische Herausforderungen dar, da sie im klinischen Alltag vergleichsweise selten auftreten und häufig mit unspezifischen Initialsymptomen einhergehen.
Die Tropenmedizin verbindet klinische Medizin mit epidemiologischen, präventivmedizinischen und Public-Health-Aspekten. Neben akuten Infektionserkrankungen spielen chronische parasitäre Erkrankungen, Mangelernährung, HIV-assoziierte Krankheitsbilder sowie Impf- und Prophylaxestrategien eine zentrale Rolle. Die Versorgung erfolgt häufig interdisziplinär in Zusammenarbeit mit Infektiologie, Innerer Medizin, Pädiatrie, Dermatologie, Mikrobiologie und dem öffentlichen Gesundheitsdienst.
Zielsetzung
Ziel der Zusatzweiterbildung ist die qualifizierte, strukturierte und evidenzbasierte Versorgung von Patienten mit tropenmedizinischen Erkrankungen. Dazu gehören die frühzeitige Erkennung potenziell lebensbedrohlicher importierter Infektionen, eine leitliniengerechte Therapie sowie eine fundierte reisemedizinische Beratung einschließlich Impfungen und Chemoprophylaxe. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der epidemiologischen Risikobewertung und der Prävention bei Reisenden, Rückkehrern und exponierten Personengruppen.
Weiterbildung
Die Zusatzweiterbildung Tropenmedizin ist Bestandteil der (Muster-)Weiterbildungsordnung 2020 der Bundesärztekammer.
Weiterbildungsablauf
Erforderlich sind:
- 24 Monate strukturierte Weiterbildung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung
zusätzlich erforderlich
- 9 Monate Tropenmedizin an einer anerkannten Weiterbildungsstätte für Tropenmedizin unter Anleitung einer weiterbildungsbefugten Person
- 9 Monate tropenmedizinische Tätigkeit in einer medizinischen Einrichtung in den Tropen
- 3 Monate ergänzende theoretische Kursweiterbildungen, häufig an spezialisierten tropenmedizinischen Instituten
- Dokumentation der Weiterbildungsinhalte wie Beratung, Impfung oder Untersuchungen gemäß Logbuch der zuständigen Ärztekammer
Je nach Landesärztekammer können Teile der Weiterbildung oder einzelne Kursanteile im In- oder Ausland absolviert werden.
Weiterbildungsinhalt
Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten in der Tropenmedizin, insbesondere:
- Epidemiologie tropischer und subtropischer Erkrankungen mit Kenntnis regionaler Endemiegebiete, saisonaler Häufungen und relevanter Expositionsrisiken
- Übertragungswege, Vektoren und Reservoirs tropischer Infektionskrankheiten sowie präventive Strategien auf individueller und bevölkerungsbezogener Ebene
- Diagnostik und Therapie parasitärer Erkrankungen, insbesondere Malaria einschließlich Notfalldiagnostik und Behandlung schwerer Verlaufsformen, Leishmaniose, Schistosomiasis, Filariosen, Amöbiasis und intestinale Helminthosen
- Virale und bakterielle Tropenerkrankungen wie Dengue, Chikungunya, Zika, Gelbfieber, Typhus abdominalis, Paratyphus, Rickettsiosen und Leptospirose
- HIV-Infektion und HIV-assoziierte Erkrankungen in tropischen Regionen, einschließlich opportunistischer Infektionen, Koinfektionen und therapiebedingter Besonderheiten
- Strukturierte Differenzialdiagnostik des Fiebers nach Tropenaufenthalt unter Berücksichtigung von Inkubationszeiten, zeitlicher Latenz und potenziell lebensbedrohlicher Ursachen
- Reisemedizinische Beratung mit Risikoabschätzung vor Auslandsaufenthalten, Impfberatung, Indikationsstellung zur Chemoprophylaxe sowie prä- und postexpositionellen Präventionsmaßnahmen
- Hygienische Aspekte der Tropenmedizin, insbesondere Trinkwasser- und Nahrungsmittelhygiene, Expositionsprophylaxe und Infektionsprävention
- Grundlagen der Tropenpädiatrie mit altersabhängigen Besonderheiten von Infektionsverläufen, Impfstrategien und Mangelernährung
- Grundlagen der Tropendermatologie, einschließlich infektiöser Dermatosen, Parasitosen und differenzialdiagnostischer Abgrenzung nichtinfektiöser Hautveränderungen
Darüber hinaus umfasst die Weiterbildung:
- Interpretation mikrobiologischer, serologischer und parasitologischer Diagnostik, einschließlich Blutfilm, dickem Tropfen, Antigen-Schnelltests und PCR-basierter Verfahren
- Einschätzung gesundheitlicher Risiken bei Rückkehrern, Migranten, Geflüchteten und Expats unter Berücksichtigung epidemiologischer und sozialmedizinischer Faktoren
- Kenntnisse zu meldepflichtigen Erkrankungen, Ausbruchserkennung und Zusammenarbeit mit Gesundheitsämtern
- Interdisziplinäre Zusammenarbeit mit spezialisierten tropenmedizinischen Zentren, mikrobiologischen Laboren und öffentlichen Gesundheitseinrichtungen
Literatur
- BÄK: Fachlich empfohlener Weiterbildungsplan für die Zusatz-Weiterbildung Tropenmedizin, abgerufen am 16.01.2026
- BÄK: Zusatzweiterbildung Tropenmedizin Logbuch, abgerufen am 16.01.2026
- BÄK: (Muster-)Kursbuch Tropenmedizin, abgerufen am 16.01.2026