Zellweger-Syndrom
Synonyme: Zerebral-hepatisches-renales Syndrom, Cerebro-hepato-renales Syndrom, ZS
Englisch: zellweger syndrome
Definition
Das Zellweger-Syndrom ist eine genetisch bedingte, tödlich verlaufende Stoffwechselkrankheit, die durch das Fehlen von Peroxisomen charakterisiert ist.
- ICD-11: 5C57.0
Geschichte
Die Erstbeschreibung erfolgte im Jahr 1964 durch den schweizerisch-amerikanischen Kinderarzt Hans Ulrich Zellweger.
Epidemiologie
Die Prävalenz der Peroxisomenbiogenesedefekte wird auf etwa 1:50.000 bis 1:100.000 Neugeborene geschätzt, ist jedoch regional sehr unterschiedlich. Beide Geschlechter sind gleich häufig betroffen. Das Zellweger-Syndrom ist Teil des Zellweger-Spektrums, zu dem auch das neonatale adrenoleukodystrophische Syndrom (NALD) und das infantile Refsum-Syndrom (IRD) gehören.
Ätiologie
Das Syndrom wird durch Mutationen in den 13 PEX-Genen verursacht, die für die Biogenese und Funktion der Peroxisomen erforderlich sind. Am häufigsten betroffen ist das PEX1-Gen. Das Syndrom wird autosomal-rezessiv vererbt.
Pathophysiologie
Aufgrund der defekten Peroxisomen kommt es zu einer Anreicherung sehr langkettiger Fettsäuren (VLCFA) sowie zu einer verminderten Plasmalogenbiosynthese. Dieses hat weitreichende Folgen für den Lipidstoffwechsel und die Konversion reaktiver Sauerstoffspezies. Unter anderem reichert sich Wasserstoffperoxid in den Zellen an. Diese Stoffwechselstörungen führen zu ausgeprägten funktionellen Störungen insbesondere im zentralen Nervensystem, der Leber, den Nieren sowie der Skelett- und Muskelentwicklung.
Symptome
Die Symptome treten meist unmittelbar postnatal auf und umfassen:
Kopf/Gesicht
- Gaumenspalte
- hohe Stirn
- Skaphozephalus
- mandibuläre Retrognathie
- vergleichsweise große Fontanelle
Gehirn
- vergrößerte Ventrikel
- Mikrogyrie
- Agyrie
- cerebrale Zyste
Augen
- Linsentrübung
- starke Hornhautkrümmung
- Epikanthus medialis
- Blindheit
- Brushfield-Spots
- Hypertelorismus
Organe
- Lungenhypoplasie
- Hepatomegalie
- Thymus Dysplasie
- Nieren Dysplasie
- Veränderung der Gallengänge
- Eisenspeicherstörungen in der Milz
Weitere Symptome
- Epilepsie
- Vierfingerfurche
- Minderwuchs
- psychomotorische Störungen
- kognitive Behinderung
- Akkumulation von Pristansäure
- Verminderte Ossifikation
- Muskelhypotonie
- Areflexie
- Kamptodaktylie
- Atmungsprobleme
- weibliche Geschlechtsorgane sind unterentwickelt
Diagnose
- Nachweis erhöhter VLCFA im Blut
- Erniedrigte Plasmalogenkonzentrationen
- Erhöhter Spiegel von Phytan- und Pristansäure
- Molekulargenetische Analyse der PEX-Gene
- Pränatale Diagnostik: Chorionzottenbiopsie oder Amniozentese bei bekannter familiärer Mutation
Differenzialdiagnosen
Therapie
Eine kausale Therapie existiert bislang nicht (2026). Die Behandlung erfolgt symptomatisch und supportiv:
- antikonvulsive Therapie
- Ernährungstherapie
- Atemunterstützung
- Physiotherapie
- genetische Beratung der Eltern
Prognose
Die Prognose ist ungünstig. Die meisten betroffenen Kinder versterben innerhalb des ersten Lebensjahres.
Literatur
- Orphanet: Zellweger syndrome, abgerufen am 07.01.2026
- Braverman et al., Peroxisome biogenesis disorders in the Zellweger spectrum: An overview of current diagnosis, clinical manifestations, and treatment guidelines, Molecular Genetics and Metabolism, 2016