Seoul-Virus
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LoslegenSynonyme: Seoul orthohantavirus, Seoul hantavirus
Englisch: Seoul virus
Definition
Das Seoul-Virus, kurz SEOV, ist ein behülltes RNA-Virus aus der Gattung Orthohantavirus (Familie Hantaviridae). Es ist ein weltweit verbreiteter Erreger des Hämorrhagischen Fiebers mit renalem Syndrom (HFRS) und wird vorwiegend durch die Wanderratte (Rattus norvegicus) übertragen.
Taxonomie
- Klassifikation: Viren
- Realm: Riboviria
- Reich: Orthornavirae
- Phylum: Negarnaviricota
- Subphylum: Polyploviricotina
- Klasse: Bunyaviricetes
- Ordnung: Elliovirales
- Familie: Hantaviridae
- Gattung: Orthohantavirus
- Spezies: Seoul orthohantavirus
- Gattung: Orthohantavirus
- Familie: Hantaviridae
- Ordnung: Elliovirales
- Klasse: Bunyaviricetes
- Subphylum: Polyploviricotina
- Phylum: Negarnaviricota
- Reich: Orthornavirae
- Realm: Riboviria
Genom
Das Seoul-Virus besitzt ein einzelsträngiges RNA-Genom negativer Polarität, das – typisch für Hantaviren – in drei Segmente gegliedert ist:
- L-Segment: kodiert die RNA-abhängige RNA-Polymerase (RdRp)
- M-Segment: kodiert die beiden Hüllglykoproteine Gn und Gc
- S-Segment: kodiert das Nukleokapsidprotein (N)
Reservoir und Vorkommen
Natürliche Reservoire sind vor allem die Wanderratte (Rattus norvegicus) und die Hausratte (Rattus rattus). In ihren Wirtstieren verläuft die Infektion persistierend und asymptomatisch. Da diese synanthropen Ratten weltweit vorkommen, ist das Seoul-Virus – anders als die meisten übrigen, an ein enges Wirtsspektrum gebundenen Hantaviren – global verbreitet.[1]
Übertragung
Die Übertragung auf den Menschen erfolgt überwiegend durch Inhalation virushaltiger Aerosole aus Ausscheidungen (Urin, Kot, Speichel) infizierter Ratten. Seltener ist eine Übertragung durch Biss- oder Kratzverletzungen möglich. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung findet bei den in Europa und Asien vorkommenden Hantavirustypen nicht statt.[1]
Klinik
Die Inkubationszeit beträgt in der Regel 2–4 Wochen. Das Seoul-Virus verursacht ein meist mild bis mäßig ausgeprägtes HFRS. Nach einem Prodromalstadium mit Fieber, Myalgie, Malaise und gastrointestinalen Beschwerden kann es zu einem akuten Nierenversagen mit Proteinurie, Mikrohämaturie und Thrombozytopenie kommen. Charakteristisch für Infektionen mit dem Seoul-Virus ist zudem eine häufige Leberbeteiligung mit Anstieg der Transaminasen. Die Letalität ist mit etwa 1–2 % niedrig.[1]
siehe auch: Hantavirus-Infektion
Diagnostik
Der Nachweis erfolgt in erster Linie serologisch über spezifische IgM- und IgG-Antikörper (Serokonversion). Ergänzend können virale RNA mittels RT-PCR nachgewiesen und Isolate durch Sequenzierung typisiert werden. Zu beachten sind mögliche serologische Kreuzreaktionen mit anderen Hantaviren.
Therapie
Eine spezifische antivirale Therapie steht derzeit (2026) nicht zur Verfügung. Die Behandlung erfolgt symptomatisch und supportiv. Bei ausgeprägtem Nierenversagen kann eine Dialyse erforderlich sein.
Prognose
Die renale Prognose ist in der Regel günstig.[2] Das akute Nierenversagen ist meist vollständig reversibel, auch wenn vorübergehend eine Dialyse erforderlich sein kann. Die Erholung der Nierenfunktion kann mehrere Wochen bis Monate dauern. Bleibende Einschränkungen der glomerulären Filtrationsrate oder eine chronische Proteinurie, Hämaturie beziehungsweise arterielle Hypertonie sind selten. Spezifische Langzeitdaten zu Infektionen mit dem Seoul-Virus sind jedoch begrenzt.
Prävention
Im Vordergrund steht die Vermeidung des Kontakts mit Ratten und deren Ausscheidungen sowie die Bekämpfung von Rattenpopulationen. Bei Reinigungsarbeiten in kontaminierten Bereichen sollten Aerosole vermieden und geeignete Schutzmaßnahmen getroffen werden.[1]
Meldepflicht
In Deutschland besteht gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 1 Infektionsschutzgesetz (IfSG) eine namentliche ärztliche Meldepflicht bei Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod an virusbedingtem hämorrhagischem Fieber. Zusätzlich ist gemäß § 7 Abs. 1 IfSG der direkte oder indirekte Nachweis von Hantaviren durch das Labor namentlich zu melden, sofern er auf eine akute Infektion hinweist.[1]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber Hantavirus-Erkrankung, abgerufen am 12.08.2026
- ↑ Rout P, Anjum F. Hemorrhagic Fever Renal Syndrome. [Updated 2023 Nov 5]. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2026 Jan