Panmyelose
von altgriechisch: πᾶν ("pân") - alles, μυελός ("myelós") - Mark
Englisch: panmyelosis
Definition
Eine Panmyelose ist eine gleichzeitige Vermehrung aller drei myeloischen Zellreihen im Knochenmark bzw. im peripheren Blut, nämlich:
Der Begriff ist primär eine hämatologische Befundbeschreibung, keine eigenständige Diagnose.
Ätiologie
Eine Panmyelose entsteht in der Regel durch eine gesteigerte Proliferation hämatopoetischer Stamm- und Vorläuferzellen im Knochenmark. Am häufigsten liegt eine primäre, klonale Knochenmarkerkrankung aus dem Formenkreis der myeloproliferativen Neoplasien zugrunde, insbesondere eine Polycythaemia vera. Seltener können frühe Stadien anderer myeloproliferativer Erkrankungen eine trilineäre Zellvermehrung zeigen.
Reaktive Ursachen führen nur selten zu einer echten Panmyelose. In solchen Fällen handelt es sich meist um kombinierte, aber nicht gleichwertig ausgeprägte , etwa im Rahmen chronischer Hypoxie, systemischer Entzündungen oder nach Splenektomie.
Pathophysiologie
Pathophysiologisch liegt der Panmyelose eine autonome Aktivierung der Myelopoese zugrunde. Durch eine gestörte intrazelluläre Signaltransduktion, meist des JAK-STAT-Signalwegs, kommt es zu einer vermehrten Zellproliferation bei gleichzeitig verminderter Apoptose. Das Knochenmark ist typischerweise hyperzellulär und zeigt eine trilineäre Vermehrung der myeloischen Reihen.
Klinik
Die klinischen Symptome ergeben sich aus der jeweiligen Ausprägung der einzelnen Zellreihen. Eine Erythrozytose kann zu einem Hyperviskositätsyndrom führen, während eine Thrombozytose das Risiko für thromboembolische Komplikationen erhöht. Bei sehr ausgeprägter Thrombozytose kann es durch ein erworbenes von-Willebrand-Syndrom aber auch zu paradoxen Blutungen kommen. Eine Leukozytose ist häufig asymptomatisch.
Mögliche Symptome sind Plethora, Kopfschmerz, Schwindel, Sehstörungen, aquagener Pruritus, Hypertonie und Hyperurikämie sowie unspezifische Allgemeinsymptome wie Müdigkeit oder Leistungsminderung. Ferner können eine Splenomegalie und Mikrozirkulationsstörungen vorliegen.
Diagnostik
Die Diagnostik basiert primär auf dem Blutbild bzw. Differentialblutbild, in dem sich eine gleichzeitige Erhöhung von Erythrozyten-, Leukozyten- und Thrombozytenzahl zeigt. Ergänzend erfolgen die Bestimmung des Erythropoetin-Spiegels sowie eine Knochenmarkuntersuchung, die typischerweise ein hyperzelluläres Mark mit trilineärer Proliferation nachweist. Außerdem ist zur weiteren Abklärung eine molekulargenetische Untersuchung auf myeloproliferationsassoziierte Mutationen (v.a. JAK2 V617F und JAK2 Exon 12) sinnvoll.
Differentialdiagnosen
Differentialdiagnostisch müssen isolierte oder reaktive Zellvermehrungen, chronisch myeloische Leukämien, eine präfibrotische primäre Myelofibrose sowie myelodysplastische oder myelodysplastisch-myeloproliferative Erkrankungen abgegrenzt werden.
Literatur
- Williams Hematology. 10. Auflage. McGraw-Hill Education, New York.