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Morbus Pompe

Synonyme: Maligne Glykogenose, generalisierte Glykogenose, Pompe-Krankheit, Pompesche Erkrankung
Englisch: Pompe's disease

1 Definition

Morbus Pompe ist eine Speicherkrankheit, bei der ein Mangel des ubiquitär vorkommenden Enzyms α-1,4-Glukosidase (lysosomale saure Maltase) vorliegt.

2 Symptome

Symptome des Morbus Pompe sind u.a. Kardiomegalie[1] und Herzinsuffizienz sowie neurologische und muskuläre Defizite.

Der Morbus Pompe kann in allen Lebensaltern auftreten. Die infantile Form des Morbus Pompe, die bei Säuglingen auftritt, endet in der Regel im ersten Lebensjahr tödlich. Der Tod tritt durch Herzversagen, im Rahmen einer hypertrophen Kardiomegalie, ein. Die Symptome treten nach dem zweiten Lebensmonat auf. Bis zur Diagnosestellung vergehen durchschnittlich fünf Monate.

Bei Jugendlichen (juveniler Morbus Pompe) und Erwachsenen (adulter Morbus Pompe) ist der Verlauf unterschiedlich und nicht vorhersehbar. Symptomatisch zeigt sich eine fortschreitende Muskelschwäche, insbesondere der Atemmuskulatur (Zwerchfell) und der rumpfnahen Skelettmuskulatur (Oberarm, Becken und Oberschenkel). Es sind milde als auch schwere Verläufe möglich.

Bei schweren Verläufen ist oft eine künstliche Beatmung notwendig. Nicht selten kommt es auch zum Verlust der selbstständigen Fortbewegung. Ein früher Krankheitsbeginn deutet in der Regel auf einen schlechten Verlauf der Erkrankung hin. Die Patienten berichten häufig über Erschöpfungszustände. Die geistige Leistungsfähigkeit ist nicht beeinträchtigt. In den meisten Fällen tritt der Tod durch Atemversagen oder Atemwegsinfektionen, wie z.B. durch eine Pneumonie, ein. Häufig wird eine Ruptur eines zerebralen Aneurysmas als Todesursache beschrieben. Als Ursache kommen Glykogenablagerungen in den arteriellen Gefäßen in Frage.

3 Diagnose

Bei der infantilen Verlaufsform lässt sich die Verdachtsdiagnose oft bereits aufgrund der ausgeprägten Symptomatik und des schnellen Fortschreitens der Erkrankung stellen. Zunehmende Atemprobleme und eine Verzögerung der motorischen Entwicklung weisen auf das das Vorliegen eines Morbus Pompe hin.

3.1 Röntgen

Im Röntgenthorax findet sich eine Kardiomegalie.

3.2 Labor

Die weitere Abklärung erfolgt mittels der Labordiagnostik, wobei zunächst das Enzym Kreatinkinase (CK) bestimmt wird, das bei Schädigungen der Muskulatur erhöht ist. Die Erhöhung der CK ist jedoch nicht krankheitsbeweisend, da die Erhöhung auch andere Ursachen haben kann.

Zur sicheren und zuverlässigen Diagnostik wird die Aktivität des bei Morbus Pompe fehlenden bzw. in unzureichender Menge gebildeten Enzyms α-1,4-Glukosidase im Blut bestimmt. Eine Bestätigung der Verdachtsdiagnose Morbus Pompe kann als gesichert gelten, wenn eine erniedrigte oder gar völlig fehlende Aktivität des Enzyms festgestellt wird. Bei einer infantilen Verlaufsform kann das Enzym so gut wir gar nicht nachgewiesen werden.

Das Ergebnis der Enzymbestimmung kann durch eine Muskel- oder Hautbiopsie gestützt werden. Dabei fällt ein erhöhter Glykogengehalt als Ausdruck der nicht abgebauten Speichersubstanz in den Muskelzellen auf.

3.3 Pränataldiagnostik

Die Pränataldiagnostik ist anhand einer Fruchtwasseruntersuchung oder einer Gewebeentnahme möglich. Zusätzlich zur Diagnosestellung können Gen- oder Mutationsanalysen angestellt werden. Diese Untersuchungen dienen zum Auffinden möglicher Träger (Carrier) in betroffenen Familien.

4 Therapie

Seit 2006 ist es über kausale Therapie möglich, das fehlende Enzym als rekombinantes Protein aus CHO-Zellen künstlich zuzuführen (Enzymersatztherapie). Das Medikament Myozyme®, mit dem Wirkstoff Alglucosidase alfa, wird alle 14 Tage per Infusion verabreicht (20 mg/kg Körpergewicht). Bei Säuglingen konnten mit dieser Therapie deutliche Erfolge erzielt werden. Für ältere Kinder gibt es unterschiedliche Erfahrungen und für die milderen Formen im Erwachsenenalter gibt es keinen überzeugenen Nachweis für die Wirksamkeit der Therapie. Die jährlichen Therapiekosten belaufen sich bei Säuglingen auf ca. 50.000 €, bei Erwachsenen auf ca. 500.000 €. Die Substitution muss lebenslang erfolgen.

In klinischer Entwicklung befindet sich eine rekombinante humane lysosomale α-Glucosidase (ATB200).

Neben der Kausaltherapie können auch palliative Therapieformen, wie z. B. Atem- und Krankengymnastik (Physiotherapie), Diät und letztendlich auch unterstützende Beatmungsmaßnahmen (künstliche Beatmung) sowie künstliche Ernährung angewendet werden. Eine Kombination aus Ausdauertraining und proteinreicher Ernährung soll auch einen gewissen Nutzen erbringen.

5 Quellen

  1. SUPPLEMENT: PERSPEKTIVEN DER KARDIOLOGIE Gendiagnostik: Was ist sinnvoll? Dtsch Arztebl 2013; 110 (39): 16 abgerufen 27.07.2014.

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