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Metabolisches Syndrom (Pferd)

Synonyme: Equines metabolisches Syndrom (EMS)
Englisch: equine metabolic syndrome

1 Definition

Als metabolisches Syndrom, kurz EMS, bezeichnet man eine häufige Endokrinopathie beim Pferd, die durch eine Entgleisung des Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsels mit Insulinresistenz gekennzeichnet ist.

2 Ätiologie

Das metabolische Syndrom ist eine Faktorenkrankheit, die durch das Zusammenspiel verschiedener Einflüsse entsteht. Neben einer genetischen Prädisposition (z.B. Araber, Quarter Horses, Paso Finos, Andalusier u.ä.) ist v.a. Adipositas an der Krankheitsentstehung beteiligt.[1]

3 Vorkommen

EMS betrifft v.a. adipöse Pferde (BCS zwischen 7,0 und 9,0).[2] Die Erkrankung kann grundsätzlich bei Pferden aller Rassen auftreten, wobei bestimmte Rassen sowie Ponies besonders überrepräsentiert sind.[3][1]

4 Pathogenese

Die Pathomechanismen des metabolischen Syndroms sind vielfältig und komplex. Die Erkrankung ist vorrangig durch die Leitsymptome

  • Adipositas,
  • Insulinresistenz und
  • Laminitis (Hufrehe) gekennzeichnet.

Adipositas kann sowohl durch exogene (falsche Ernährung, mangelnde Bewegung) als auch endogene Faktoren (z.B. Genetik) entstehen. Die genauen Pathomechanismen der generalisierten oder auch regionalen Fettanlagerungen im Zuge der EMS sind noch unklar, jedoch tragen eine falsche Ernährung in Kombination mit mangelnder Bewegung maßgeblich zur Entstehung bei. Aufgrund der hormonellen Aktivität von Fettgewebe (v.a. Adipokenine) kommt es zu zahlreichen weiteren pathophysiologischen Prozessen, welche den Krankheitsverlauf deutlich verkomplizieren.

Der genaue Pathomechanismus der Insulinresistenz ist ebenso noch Gegenstand von Untersuchungen. Derzeit (2020) existieren zwei Theorien, weshalb es zu einer Insulinresistenz kommen kann:

Sowohl Insulinresistenz als auch Hyperinsulinämie sind prädisponierend für die Ausbildung einer Laminitis. Da Insulin eine gefäßregulierende Funktion ausübt, kommt es bei einer Insulinresistenz zu einer verminderten Produktion von Stickoxid (NO), was wiederum zu einer vermehrten Vasokonstriktion führt. In weiterer Folge ergibt sich eine Minderdurchblutung der peripheren Regionen - insbesondere des Hufs - mit der Entwicklung einer Laminitis.[4]

5 Klinik

Pferde, die an EMS leiden, sind hauptsächlich adipös - auch bei vernünftiger Fütterung. Die Tiere tun sich sichtlich schwer, Gewicht zu verlieren (Leichtfuttrigkeit). Es kommt zu Einlagerungen unphysiologischer Fettdepots - meist im Bereich des Mähnenkamms (cresty neck), an der Schweifwurzel, dem Präputium, in der Supraorbitalgrube sowie im Rumpfbereich (Stammfettsucht). Neben Heißhungerattacken leiden die Tiere auch an Polyurie und Polydipsie (PU/PD).

Aufgrund der häufigen Entstehung eines Lipoma pendulans (benigner Fettumor) entstehen rezidivierende Koliken. Zusätzlich ist die Fruchtbarkeit herabgesetzt und die Gefahr einer chronischen Laminitis drastisch erhöht.[5]

6 Labormedizin

Veränderungen im Blutbild treten nur unregelmäßig auf und variieren stark zwischen den einzelnen Patienten. Mögliche Abweichungen sind:[1]

7 Diagnose

Sowohl Anamnese als auch klinische Untersuchung geben erste Hinweise für eine Verdachtsdiagnose.

Die Diagnose wird mithilfe von Messungen (BCS[6], CNS[7]) und dynamischen Testverfahren gesichert. In der Literatur sind verschiedene Methoden beschrieben, wobei die meisten Testverfahren dazu dienen, eine Insulinresistenz nachzuweisen:

8 Differenzialdiagnosen

Differenzialdiagnostisch ist v.a. eine Pituitary pars intermedia dysfunction (PPID) sowie Hypothyreoidismus auszuschließen.

9 Therapie

Die Therapie besteht hauptsächlich aus einer Optimierung der Haltungsbedingungen. Betroffene Pferde sollten in erster Linie ihr Gewicht reduzieren (restriktive Fütterung, Stärke vermeiden, gezieltes Bewegungstraining). Durch die Supplementierung verschiedener Nahrungszusätze (z.B. Antioxidantien, Mikronährstoffe, Aminosäuren u.s.w.) kann die Gewichtsreduktion und der Muskelaufbau unterstützt werden.

Kann trotz gezielter Fütterung und regelmäßigem Training das Gewicht nicht reduziert werden, sollte eine perorale Applikation von Levothyroxin (24 bis 96 mg/500 kgKG SID[13]) über 3 bis 6 Monate hinweg versucht werden. Auf diese Weise wird eine milde Hyperthyreose induziert, die zum Gewichtsverlust führt.

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

10 Quellen

  1. 1,0 1,1 1,2 Reed SM, Bayly WM, Sellon DC. Equine internal medicine. 4th edition. Elsevier, 2018
  2. Carter RA et al. Prediction of incipient pasture-associated laminitis from hyperinsulinaemia, hyperleptinaemia and generalised and localised obesity in a cohort of ponies. Equine Vet J. 2009 Feb;41(2):171-8. (abgerufen am 09.02.2020)
  3. Frank N. et al. Physical characteristics, blood hormone concentrations, and plasma lipid concentrations in obese horses with insulin resistance. J Am Vet Med Assoc. 2006 May 1;228(9):1383-90. (abgerufen am 09.02.2020)
  4. Frank N. et al. Equine Metabolic Syndrome Journal of Veterinary Internal Medicine (abgerufen am 09.02.2020)
  5. Laboklin News. Endokrinopathien beim Pferd Laboklin GmbH & Co. KG
  6. R. Morgan et al. Equine metabolic syndrome Vet Rec. 2015 Aug 15; 177(7): 173–179. (abgerufen am 09.02.2020)
  7. Danielle M. Fitzgerald et al. The cresty neck score is an independent predictor of insulin dysregulation in ponies PLoS One. 2019; 14(7): e0220203. (abgerufen am 09.02.2020)
  8. Lindåse S et al. Repeatability of the hyperglycaemic clamp for assessment of β-cell response and insulin sensitivity in horses. Equine Vet J. 2020 Jan;52(1):126-130. (abgerufen am 09.02.2020)
  9. Tóth F et al. Optimisation of the frequently sampled intravenous glucose tolerance test to reduce urinary glucose spilling in horses. Equine Vet J. 2009 Dec;41(9):844-51. (abgerufen am 09.02.2020)
  10. L.K. Dunbar et al. Evaluation of Four Diagnostic Tests for Insulin Dysregulation in Adult Light‐Breed Horses J Vet Intern Med. 2016 May-Jun; 30(3): 885–891. (abgerufen am 09.02.2020)
  11. Garcia MC et al. Equine intravenous glucose tolerance test: glucose and insulin responses of healthy horses fed grain or hay and of horses with pituitary adenoma. Am J Vet Res. 1986 Mar;47(3):570-2. (abgerufen am 09.02.2020)
  12. Sanna Lindåse et al. A modified oral sugar test for evaluation of insulin and glucose dynamics in horses Acta Vet Scand. 2016; 58(Suppl 1): 64. (abgerufen am 09.02.2020)
  13. Andy E. Durham et al. ECEIM consensus statement on equine metabolic syndrome J Vet Intern Med. 2019 Mar-Apr; 33(2): 335–349. (abgerufen am 09.02.2020)

Diese Seite wurde zuletzt am 22. September 2020 um 08:21 Uhr bearbeitet.

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