Lepra (Katze)
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LoslegenSynonyme: Katzenlepra, felines Lepra-Syndrom
Englisch: feline leprosy, feline leprosy syndrome
Definition
Die feline Lepra ist eine chronische, granulomatöse Infektionskrankheit der Haut und Subkutis bei Katzen. Sie wird durch verschiedene, schwer kultivierbare Mykobakterien verursacht.
Hintergrund
Die Bezeichnung lehnt sich an die humane Lepra an, mit der die feline Lepra histopathologische Gemeinsamkeiten teilt. Eine Beteiligung peripherer Nerven, wie sie für die humane Lepra typisch ist, fehlt bei der Katze jedoch.
Historisch wurde die Erkrankung ausschließlich Mycobacterium lepraemurium zugeschrieben. Mithilfe molekularer Methoden wurden inzwischen mehrere Erreger identifiziert, sodass die feline Lepra heute als klinisches Syndrom verstanden wird.[1]
Erkrankungen sind aus Australien, Neuseeland, Nordamerika und Europa beschrieben, darunter auch aus Deutschland.[2] Die feline Lepra gilt nicht als Zoonose.
Ätiologie
Als Erreger der felinen Lepra sind mehrere Mykobakterienspezies beschrieben. Sie unterscheiden sich in ihrer Verwandtschaft, dem typischen Patientenprofil und der Prognose:
| Erreger | Phylogenetische Einordnung | Typisches Patientenprofil | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Mycobacterium lepraemurium | Mycobacterium-avium-Komplex | junge Katzen (1–3 Jahre), häufiger Kater | weltweit häufigster Erreger; Läsionen v.a. an Kopf und Vordergliedmaßen[3] |
| Candidatus "Mycobacterium tarwinense"[1] | Mycobacterium-simiae-Komplex | Katzen zwischen 3 und 11 Jahren, keine Geschlechtsprädisposition | häufigster Erreger im australischen Bundesstaat Victoria; Läsionen bevorzugt am Kopf, insbesondere an Augen und periokulärer Haut[4] |
| Candidatus "Mycobacterium lepraefelis"[1] | eng verwandt mit Mycobacterium leprae und Mycobacterium lepromatosis | Katzen mittleren bis höheren Alters, häufiger Kater | ausgedehnte Hautläsionen, teils Übergang in eine systemische Mykobakteriose[5] |
| Mycobacterium visibile | – | – | selten; als Erreger einer multisystemischen granulomatösen Mykobakteriose beschrieben |
Pathophysiologie
Als Infektionsweg wird die Inokulation der Erreger über Bissverletzungen beim Jagen infizierter Nagetiere angenommen. Mycobacterium lepraemurium ist zugleich der Erreger der murinen Lepra (Rattenlepra). Für diesen Übertragungsweg spricht die bevorzugte Lokalisation der Läsionen an Kopf und Vordergliedmaßen. Alle betroffenen Katzen in größeren Fallserien hatten Freigang.[3]
Die Erreger vermehren sich intrazellulär in Makrophagen und lösen eine granulomatöse Entzündungsreaktion aus. Experimentelle Übertragungen von Katze zu Katze erfüllten für Mycobacterium lepraemurium die Koch-Postulate.[3]
Einteilung
Analog zur humanen Lepra werden histopathologisch zwei Formen unterschieden:
- Lepromatöse (multibazilläre) Form: zahlreiche säurefeste Stäbchen in Makrophagen, hoher bakterieller Index
- Tuberkuloide (paubazilläre) Form: wenige säurefeste Stäbchen, niedriger bakterieller Index
Mycobacterium lepraemurium kann beide Formen hervorrufen.[3] Candidatus "Mycobacterium lepraefelis" verursacht typischerweise die lepromatöse Form.[5]
Symptome
Leitsymptom sind einzelne oder multiple derbe Knoten in Haut und Subkutis. Sie können behaart, alopezisch oder ulzeriert sein. Bevorzugt betroffen sind folgende Lokalisationen:
- Kopf, einschließlich Augenlider, periokulärer Haut und Sklera
- Gliedmaßen, insbesondere Vordergliedmaßen
- seltener Rumpf, Schwanz oder Zunge[1]
Das Allgemeinbefinden ist meist ungestört.[3] Bei Infektionen mit Candidatus "Mycobacterium lepraefelis" treten häufiger generalisierte Hautläsionen und systemische Verläufe auf.[5]
Diagnostik
Klinische Untersuchung
Klinisch ist die feline Lepra nicht von einer kutanen Tuberkulose oder anderen Mykobakteriosen zu unterscheiden.[1] Die Diagnose stützt sich daher auf die Labordiagnostik.
Labor
Für den Erregernachweis stehen folgende Verfahren zur Verfügung:
- Zytologie: Nachweis säurefester Stäbchen in Histiozyten aus Feinnadelaspiraten mittels Ziehl-Neelsen-Färbung
- Histologie: granulomatöse Entzündung in Hautbioptaten, Bestimmung der Bakteriendichte
- PCR mit anschließender Sequenzierung: Methode der Wahl zur Speziesdifferenzierung
- Kultur: verläuft häufig erfolglos oder benötigt mehrere Monate[1]
Eine Kultur sollte dennoch angelegt werden, um eine Tuberkulose auszuschließen.[6]
Bildgebung
Bei Verdacht auf eine systemische Ausbreitung dienen Röntgenaufnahmen und Sonographie der Beurteilung innerer Organe und Lymphknoten.
Therapie
Die meisten Katzen werden durch eine chirurgische Resektion der Läsionen in Kombination mit einer antimykobakteriellen Therapie behandelt. Eingesetzt wird meist eine orale Kombination aus Clarithromycin und Rifampicin über mindestens drei Monate.[4] Clofazimin zeigt gegen Mycobacterium lepraemurium in vivo vermutlich die beste Wirksamkeit.[3]
Cave: Dapson gilt für Katzen als zu toxisch und sollte nicht eingesetzt werden.[6]
Prognose
Die Prognose hängt wesentlich vom Erreger ab. Bei Infektionen mit Candidatus "Mycobacterium tarwinense" ist sie meist gut.[4] Auch Infektionen mit Mycobacterium lepraemurium sprechen in Fallberichten gut auf Resektion und Kombinationstherapie an.[1] Bei Candidatus "Mycobacterium lepraefelis" ist die Prognose dagegen meist schlecht. Viele Tiere verstarben oder wurden euthanasiert.[5]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 Ghielmetti et al. Unusual Presentation of Feline Leprosy Caused by Mycobacterium lepraemurium in the Alpine Region. Pathogens. 2021;10(6):687.
- ↑ Krug et al. Feline Lepra bei einem 5 Monate alten Kater in Deutschland. Tierarztl Prax Ausg K Kleintiere Heimtiere. 2018;46(4):271-275.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 O'Brien et al. Feline leprosy due to Mycobacterium lepraemurium: Further clinical and molecular characterisation of 23 previously reported cases and an additional 42 cases. J Feline Med Surg. 2017;19(7):737-746.
- ↑ 4,0 4,1 4,2 O'Brien et al. Feline leprosy due to Candidatus 'Mycobacterium tarwinense': Further clinical and molecular characterisation of 15 previously reported cases and an additional 27 cases. J Feline Med Surg. 2017;19(5):498-512.
- ↑ 5,0 5,1 5,2 5,3 O'Brien et al. Feline leprosy due to Candidatus 'Mycobacterium lepraefelis': Further clinical and molecular characterisation of eight previously reported cases and an additional 30 cases. J Feline Med Surg. 2017;19(9):919-932.
- ↑ 6,0 6,1 Gunn-Moore D. Feline Mycobacterial Infections. Veterinary Information Network (VIN).