Mycobacterium lepraemurium
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LoslegenEnglisch: Mycobacterium lepraemurium, murine leprosy bacillus
Definition
Mycobacterium lepraemurium ist ein Bakterium der Gattung Mycobacterium und Erreger der murinen Lepra (Rattenlepra). Bei Katzen ist es der weltweit häufigste Erreger der felinen Lepra.[1]
Taxonomie
- Domäne: Bacteria
- Reich: Bacillati
- Phylum: Actinpmycetota
- Klasse: Actinomycetes
- Ordnung: Mycobacteriales
- Familie: Mycobacteriaceae
- Gattung: Mycobacterium
- Art: Mycobacterium lepraemurium
- Gattung: Mycobacterium
- Familie: Mycobacteriaceae
- Ordnung: Mycobacteriales
- Klasse: Actinomycetes
- Phylum: Actinpmycetota
- Reich: Bacillati
Aufgrund der klinischen Ähnlichkeit von muriner und humaner Lepra sowie der schwierigen Anzucht beider Erreger wurde lange eine enge Verwandtschaft mit Mycobacterium leprae angenommen. Phylogenomische Analysen zeigen jedoch, dass Mycobacterium lepraemurium eine eigenständige Spezies innerhalb des Mycobacterium-avium-Komplexes (MAC) ist.[2]
Morphologie
Mycobacterium lepraemurium ist ein 3 bis 5 µm langes, nicht motiles und stark säurefestes Stäbchenbakterium mit abgerundeten Enden. Es vermehrt sich vorwiegend intrazellulär in Makrophagen des Wirts.
Genom
Das Genom ist mit 4,05 Mb deutlich kleiner als das anderer MAC-Vertreter. Es enthält 2.682 funktionelle Gene und 1.139 Pseudogene. Diese reduktive Genomevolution spricht für eine Anpassung an eine obligat intrazelluläre Lebensweise.[2]
Vorkommen
Nachweis
Klinisch ist die feline Lepra nicht von einer kutanen Tuberkulose oder anderen Mykobakteriosen zu unterscheiden.[4] Für die Diagnose stehen folgende Verfahren zur Verfügung:
- Zytologie: Nachweis säurefester Stäbchen in Histiozyten aus Feinnadelaspiraten mittels Ziehl-Neelsen-Färbung
- Histologische Untersuchung von Hautbioptaten
- PCR mit anschließender Sequenzierung, die zur Abgrenzung von anderen Erregern der felinen Lepra notwendig ist
Eine kulturelle Anzucht sollte zum Ausschluss einer Tuberkulose angestrebt werden, verläuft aber häufig erfolglos.
Anzucht
Der Erreger galt lange als nicht kultivierbar. Eine Anzucht gelingt jedoch auf speziellen Nährmedien, etwa auf 1%igem Eigelbmedium nach Ogawa bei 30 bis 37 °C. Das Wachstum ist sehr langsam: Primärkulturen benötigen bis zu etwa 90 Tage.[5] Auch in der klinischen Diagnostik ist mit Inkubationszeiten von mehreren Monaten zu rechnen.[4]
Übertragung
Katzen infizieren sich vermutlich über Bissverletzungen beim Jagen infizierter Nagetiere. Darauf deutet die bevorzugte Lokalisation der Läsionen an Kopf und Vordergliedmaßen hin. In experimentellen Übertragungsversuchen von Katze zu Katze wurden die Koch-Postulate erfüllt.[1] Ein zoonotisches Potenzial ist bislang (2026) nicht belegt.
Klinik
Betroffen sind überwiegend junge Katzen im Alter von 1 bis 3 Jahren mit Freigang, Kater häufiger als Kätzinnen. Das Allgemeinbefinden ist meist ungestört. Typisch sind einzelne oder multiple kutane bis subkutane, teils ulzerierende Knoten der Haut, vor allem an Kopf und Vordergliedmaßen.[1] Seltener sind Augen, Zunge oder Schwanz betroffen.[4]
Histopathologisch werden zwei Formen unterschieden: eine lepromatöse Form mit hohem bakteriellem Index und eine tuberkuloide Form mit niedrigem bakteriellem Index.[1]
Abgrenzung
Die feline Lepra ist ein klinisches Syndrom, das von mehreren Mykobakterien ausgelöst werden kann:
| Erreger | Phylogenetische Einordnung | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Mycobacterium lepraemurium | Mycobacterium-avium-Komplex | häufigster Erreger, v.a. junge Katzen, lepromatöse oder tuberkuloide Form |
| Candidatus "Mycobacterium lepraefelis" | nahe verwandt mit Mycobacterium leprae und Mycobacterium lepromatosis | v.a. ältere Katzen, lepromatöse Form, teils systemische Ausbreitung[6] |
| Candidatus "Mycobacterium tarwinense" | Mycobacterium-simiae-Gruppe | bislang v.a. aus Australien und Neuseeland beschrieben |
| Mycobacterium visibile | – | feline multisystemische granulomatöse Mykobakteriose |
Therapie
Die Behandlung besteht meist aus einer chirurgischen Resektion der kutanen Knoten in Kombination mit einer oralen antimykobakteriellen Kombinationstherapie. Am häufigsten werden Clarithromycin und Rifampicin eingesetzt. Clofazimin zeigt in vivo vermutlich die beste Wirksamkeit.[1] Die medikamentöse Therapie wird über mehrere Wochen bis Monate fortgeführt.[4]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 O'Brien et al. Feline leprosy due to Mycobacterium lepraemurium: Further clinical and molecular characterisation of 23 previously reported cases and an additional 42 cases. J Feline Med Surg. 2017;19(7):737-746.
- ↑ 2,0 2,1 Benjak et al. Insights from the Genome Sequence of Mycobacterium lepraemurium: Massive Gene Decay and Reductive Evolution. mBio. 2017;8(5):e01283-17.
- ↑ Krug et al. Feline Lepra bei einem 5 Monate alten Kater in Deutschland. Tierarztl Prax Ausg K Kleintiere Heimtiere. 2018;46(4):271-275.
- ↑ 4,0 4,1 4,2 4,3 Ghielmetti et al. Unusual Presentation of Feline Leprosy Caused by Mycobacterium lepraemurium in the Alpine Region. Pathogens. 2021;10(6):687.
- ↑ Ishaque M. In vitro cultivation of Mycobacterium lepraemurium and its identification by animal inoculation. Can J Microbiol. 1981;27(8):788-94.
- ↑ O'Brien C, Malik R, Globan M, Reppas G, McCowan C, Fyfe JA. Feline leprosy due to Candidatus 'Mycobacterium lepraefelis': Further clinical and molecular characterisation of eight previously reported cases and an additional 30 cases. J Feline Med Surg. 2017;19(9):919-932.
Literatur
- Selbitz HJ, Truyen U, Valentin-Weigand P (Hrsg.). Tiermedizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre. 10. Aufl. Stuttgart: Enke; 2015.