Henle-Koch-Postulate
nach dem deutschen Arzt und Pathologen Friedrich Henle (1809–1885) und dem deutschen Arzt und Mikrobiologen Robert Koch (1843–1910)
Synonym: Koch-Henle-Postulate
1. Definition
Die Henle-Koch-Postulate sind im 19. Jahrhundert aufgestellte Postulate, die den Zusammenhang zwischen einem Mikroorganismus als Krankheitserreger und einer Infektionskrankheit herstellen. Sie dienten ursprünglich der systematischen Identifikation von Pathogenen und sind bis heute ein grundlegendes Konzept der Infektionsforschung, auch wenn sie in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr uneingeschränkt anwendbar sind.
2. Geschichte
Die Postulate wurden 1884 von Robert Koch und Friedrich Loeffler auf der Grundlage der Konzepte von Jakob Henle formuliert. Die Aussagen wurden von Koch 1890 verfeinert und veröffentlicht.
3. Postulate
- 1. Postulat: Damit ein Erreger als Ursache einer Erkrankung gelten kann, sollte er im Rahmen einer Infektion mikroskopisch nachweisbar sein.
- 2. Postulat: Die von einem Erkrankten isolierten Mikroorganismen sollten außerhalb des erkrankten Organismus anzüchtbar sein, beispielsweise in einer Bakterienkultur.
- 3. Postulat: Die angezüchteten Organismen müssen bei Übertragung auf ein geeignetes Versuchstier zur Ausbildung einer typischen Erkrankung führen.
- 4. Postulat: Der Erreger muss nach experimenteller Infektion aus dem erkrankten Versuchstier erneut isoliert und mikroskopisch oder kulturell nachgewiesen werden können.
4. Modifikationen
Mit der Entdeckung von Viren und anderen nicht kultivierbaren Krankheitserregern im 20. Jahrhundert wurden die Postulate erweitert:
- Einige Erreger, wie Viren oder intrazelluläre Bakterien, können nicht immer in Reinkultur gezüchtet werden.
- Molekulare Nachweisverfahren wie die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) bieten eine moderne Ergänzung zu den klassischen mikroskopischen und kulturellen Methoden.
- Die direkte Übertragung auf Versuchstiere ist aus ethischen und methodischen Gründen heute oft nicht durchführbar, sodass alternative experimentelle Modelle genutzt werden.
- Die Bradford-Hill-Kriterien, ursprünglich in der Epidemiologie entwickelt, ergänzen die Henle-Koch-Postulate, indem sie auch statistische Assoziationen und andere Beweise für Kausalität berücksichtigen.