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Influenza (Pferd)

Synonyme: Equine Influenza, Pferdeinfluenza, Pferdegrippe, Hoppegartener Husten
Englisch: equine influenza (EI)

1 Definition

Die equine Influenza ist eine durch Influenzaviren verursachte und seuchenhaft verlaufende Infektionskrankheit beim Pferd.

2 Ätiologie

Die Erkrankung wird durch equine Influenzaviren, Viren der Gattung Influenza-A-Virus innerhalb der Familie der Orthomoxyviridae, verursacht. Influenza-A-Viren sind pleomorphe, behüllte und einzelsträngige RNA-Viren negativer Polarität. Sie sind segmentiert, 10,0 bis 13,5 kb groß und haben einen Durchmesser von ca. 100 nm. Die Virushülle besteht aus verschiedenen Proteinen und Glykoproteinen, von denen insbesondere Hämagglutinin (H1 bis H15) und Neuraminidase (N1 bis N9) für die große Diversität verantwortlich sind. Die Virusreplikation erfolgt im Zellkern der Wirtszelle.[1]

Pferde infizieren sich mit den Subtypen H7N7 (A/equi-1) und H3N8 (A/equi-2).

3 Epidemiologie

Pferdeinfluenza ist sowohl in Europa, als auch in Nord- und Südamerika, in Nordafrika sowie im mittleren Osten und in Asien endemisch.

Australien galt bis zum Jahr 2007 als Influenza-frei, erfuhr dann aber eine 18 Wochen andauernde Epidemie, bei der durch einen aus Japan importierten und latent infizierten Hengst die Erreger eingeschleppt wurden. Durch strikte staatliche Maßnahmen konnte der Krankheitsausbruch erfolgreich bekämpft werden, sodass Australien zurzeit (2020) wieder als Influenza-frei bezeichnet werden kann.

4 Pathogenese

Die Viren werden über Aerosole in Form einer Tröpfcheninfektion von Tier zu Tier oder indirekt über Gegenstände übertragen.

Nach der Infektion binden die Erreger an die Zilien der Epithelzellen von Nase, Trachea, Bronchien und Alveolen. Es kommt zu einer raschen Virusausbreitung, sodass binnen weniger Tage der gesamte Respirationstrakt infiziert ist. Der Organismus reagiert auf die Erreger mit Hyperämie, vermehrter Schleimsekretion (in allen luftleitenden Wegen) und verschiedenen entzündlichen Prozessen. In weiterer Folge kann sich eine interstitielle Pneumonie, Bronchitis, Pleuritis, Laryngitis und Ödematisierung der Alveolarsepten entwickeln.

Die Viren vermindern die mukoziliäre Clearance, was wiederum zu einer verminderten Resistenz gegenüber Sekundärerregern führt. Aufgrund dessen können auch bakterielle Superinfektionen entstehen.[2]

5 Klinik

Nach einer kurzen Inkubationszeit (1 bis 3 Tage) kommt es zum akuten Einsetzen erster Krankheitssymptome. Die Tiere zeigen hohes Fieber (bis 41 °C), Rhinitis und haben serösen Nasen- und Augenausfluss. Im weiteren Krankheitsverlauf kommt es zu chronischem und trockenen Husten, Apathie, Anorexie, Gewichtsverlust, Myositis und Lymphadenopathie.

Die Krankheit tritt meist plötzlich auf und verbreitet sich rasch im gesamten Bestand (hohe Morbidität, niedrige Letalität). Die Tiere erholen sich meist binnen 1 bis 2 Wochen vollständig.[3]

6 Diagnose

Das rasche Auftreten respiratorischer Symptome innerhalb eines Bestandes, in Kombination mit hohem Fieber, Abgeschlagenheit und trockenem Husten ist nahezu pathognomonisch für eine Erkrankung der Tiere mit Influenzaviren.

Die Diagnosesicherung erfolgt entweder durch einen direkten oder indirekten Erregernachweis. Ein direkter Nachweis gelingt aus Nasentupferproben und anschließender RT-PCR. Alternativ kann auch eine Virusanzucht in embryonierten Hühnereiern sowie eine Hämagglutination mit Hühnererythrozyten durchgeführt werden. Die Virusdiagnose und Typisierung der Isolate erfolgt durch einen Hämagglutinationshemmtest (HAH) oder einen Neutralisationstest (NT). Mithilfe gepaarter Serumproben im Abstand von ca. 4 Wochen können spezifische Antikörper mittels HAH oder NT nachgewiesen werden (indirekter Nachweis).[2]

7 Immunität

Serumantikörper treten rund 3 bis 7 Tage p.i. auf und erreichen ein Titermaximum in der 2. bis 3. Woche nach der Infektion. Die Antikörper persistieren für rund 18 Monate und gewährleisten eine Immunität für etwa 1 Jahr (nach natürlicher Infektion).[2]

8 Therapie

Bei Pferden steht zurzeit (2020) keine antivirale Therapie zur Verfügung. Die Behandlung richtet sich nach den Symptomen und beinhaltet neben unterstützenden Maßnahmen (Antipyretikum bei Bedarf) vor allem Schonung und eine Optimierung der Haltungsbedingungen, um Sekundärinfektionen zu verhindern.

9 Prophylaxe

Das Hauptaugenmerk der Prophylaxe liegt in der flächendeckenden und regelmäßigen Impfung aller Tiere mit einem Totimpfstoff. Die Grundimmunisierung (3-teilig) ist ab dem 4. Lebensmonat möglich und sollte jährlich aufgefrischt werden.[4]

10 Literatur

  • Stephen M. Reed, Warwick M. Bayly, Debra C. Sellon. Equine internal medicine. 4th edition. Elsevier, 2018.

11 Quellen

  1. ViralZone. Alphainfluenzavirus SIB Swiss Institute of Bioinformatics (abgerufen am 31.01.2020)
  2. 2,0 2,1 2,2 Institut für Virologie. Vetmeduni Vienna. Skript Virologie für die Module Tierseuchen, Verdauung, Respiration + Kreislauf, ZNS, Reproduktion. Für Studierende der Veterinärmedizin. Stand 1/2017.
  3. Raj K. Singh et al. A Comprehensive Review on Equine Influenza Virus: Etiology, Epidemiology, Pathobiology, Advances in Developing Diagnostics, Vaccines, and Control Strategies Front Microbiol. 2018; 9: 1941. Published online 2018 Sep 6 (abgerufen am 31.01.2020)
  4. MSD Tiergesundheit. Impfschema Pferd MSD Animal Health (abgerufen am 31.01.2020)

Diese Seite wurde zuletzt am 31. Januar 2020 um 15:46 Uhr bearbeitet.

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