Influenza-D-Virus
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LoslegenSynonym: Deltainfluenzavirus
Englisch: influenza D virus
Definition
Das Influenza-D-Virus, kurz IDV, ist ein Influenzavirus aus der Familie der Orthomyxoviridae. Es ist ein behülltes RNA-Virus mit einem segmentierten Genom negativer Polarität. Sein natürliches Reservoir ist das Rind.
Hintergrund
Es handelt sich um die jüngste der vier Influenza-Gattungen. Sie wurde erstmals 2011 beschrieben.
Taxonomie
- Klassifikation: Viren
- Realm: Riboviria
- Reich: Orthornavirae
- Phylum: Negarnaviricota
- Klasse: Insthoviricetes
- Ordnung: Articularivales
- Familie Orthomyxovidiae
- Ordnung: Articularivales
- Klasse: Insthoviricetes
- Phylum: Negarnaviricota
- Reich: Orthornavirae
- Realm: Riboviria
Weltweit zirkulieren mehrere genetische Linien (u.a. D/OK und D/660).
Morphologie
Influenza-D-Viren sind behüllte, polymorphe Viren und ähneln im Aufbau stark den Influenza-C-Viren. Wie diese tragen sie nur ein einziges großes Oberflächenglykoprotein und besitzen ein Genom aus sieben RNA-Segmenten.
Hämagglutinin-Esterase-Fusionsprotein
Das Influenza-D-Virus besitzt kein getrenntes Hämagglutinin und keine Neuraminidase, sondern nur ein Hämagglutinin-Esterase-Fusionsprotein (HEF), das Rezeptorbindung, rezeptorzerstörende Esteraseaktivität und Membranfusion in sich vereint. Als Rezeptor dient – wie bei Influenza C – die 9-O-acetylierte N-Acetylneuraminsäure. Das HEF des Influenza-D-Virus weist allerdings eine weiter geöffnete Rezeptorbindungstasche auf, was als strukturelle Grundlage für sein besonders breites Wirtsspektrum (Wirtstropismus) gilt.[1] Daneben bildet das Protein DM2 einen Ionenkanal in der Virushülle, der dem CM2 der Influenza-C-Viren entspricht.
Genom
Das Genom besteht aus sieben Segmenten einzelsträngiger RNA negativer Polarität (Minusstrang-RNA) und kodiert für etwa neun Proteine:
| Segment | Kodiert für |
|---|---|
| 1 | Polymerase-Untereinheit PB2 |
| 2 | Polymerase-Untereinheit PB1 |
| 3 | Polymerase-Untereinheit P3 (PA-Äquivalent) |
| 4 | Hämagglutinin-Esterase-Fusionsprotein (HEF) |
| 5 | Nukleoprotein (NP) |
| 6 | Matrixprotein M1, Ionenkanal DM2 |
| 7 | Nichtstrukturproteine NS1 und NEP (NS2) |
Eigenschaften
Eine besondere Eigenschaft des Influenza-D-Virus ist seine ausgeprägte Stabilität gegenüber Hitze und niedrigen pH-Werten, die deutlich über jener der Influenza-A-Viren liegt und die Umweltpersistenz und Übertragbarkeit begünstigt.[2] In Kombination mit der breiten Rezeptornutzung ergibt sich ein ungewöhnlich großes Wirtsspektrum. Wie bei Influenza C findet kein Antigenshift durch Reassortment mit anderen Influenzatypen statt.
Vorkommen
Das Influenza-D-Virus wurde 2011 erstmals aus Schweinen mit Atemwegssymptomen in den USA isoliert. Als natürliches Reservoir und wichtigster Vermehrungswirt gelten jedoch Rinder, in denen das Virus weltweit verbreitet ist. Von dort kommt es zu gelegentlichen Übertragungen (Spillover) auf andere Säugetiere wie Schweine, kleine Wiederkäuer, Pferde und Kamele.[2]
Übertragung
Klinik
Veterinärmedizinische Bedeutung
Das Influenza-D-Virus gilt als ein Erreger im Rindergrippe-Komplex (Bovine Respiratory Disease, BRD), eine wirtschaftlich bedeutende Atemwegserkrankung des Rindes. Es verursacht milde bis mittelschwere Läsionen vor allem der oberen Atemwege von Kälbern, kann sich aber auch in den unteren Atemwegen vermehren und zu einer Pneumonie beitragen. Zudem kann es die Wirkung weiterer Erreger verstärken. Ein kommerzieller Impfstoff oder eine spezifische Therapie stehen bislang (2026) nicht zur Verfügung.[3]
Zoonotisches Potenzial
Aufgrund des breiten Wirtsspektrums und der hohen Umweltstabilität wird ein zoonotisches Potenzial diskutiert. Serologische Untersuchungen weisen auf einen Kontakt insbesondere bei beruflich exponierten Personen (z.B. Rinderhaltern) hin. Eine gesicherte klinisch relevante Erkrankung des Menschen ist bislang (2026) jedoch nicht belegt.[2]
Quellen
- ↑ Song H et al. An Open Receptor-Binding Cavity of Hemagglutinin-Esterase-Fusion Glycoprotein from Newly-Identified Influenza D Virus: Basis for Its Broad Cell Tropism. PLoS Pathog. 2016;12(1):e1005411.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Yu J, Li F, Wang D. The first decade of research advances in influenza D virus. J Gen Virol. 2021;102(1):001529.
- ↑ 3,0 3,1 Ruiz M et al. Influenza D Virus: A Review and Update of Its Role in Bovine Respiratory Syndrome. Viruses. 2022;14(12):2717.