Influenza-C-Virus
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
LoslegenSynonyme: Grippevirus Typ C, Gammainfluenzavirus
Englisch: influenza C virus
Definition
Das Influenza-C-Virus, kurz ICV, ist ein Influenzavirus aus der Familie der Orthomyxoviridae. Es ist ein behülltes RNA-Virus mit einem segmentierten Genom negativer Polarität und verursacht beim Menschen, vor allem bei Kindern, meist milde Atemwegsinfektionen.
Taxonomie
- Klassifikation: Viren
- Realm: Riboviria
- Reich: Orthornavirae
- Phylum: Negarnaviricota
- Klasse: Insthoviricetes
- Ordnung: Articularivales
- Familie Orthomyxovidiae
- Gattung: Gammainfluenzavirus
- Familie Orthomyxovidiae
- Ordnung: Articularivales
- Klasse: Insthoviricetes
- Phylum: Negarnaviricota
- Reich: Orthornavirae
- Realm: Riboviria
Anhand von Genom und Antigenstruktur lassen sich in der Gattung mehrere Stammlinien (Lineages) unterscheiden, die nach ihren Prototypstämmen benannt sind (u.a. C/Taylor, C/Kanagawa, C/Mississippi, C/Aichi, C/Yamagata und C/São Paulo).[1]
Morphologie
Influenza-C-Viren sind behüllte, polymorphe Viren mit einem Durchmesser von rund 80–120 nm. Charakteristisch ist ihre Neigung, auf der Oberfläche infizierter Zellen ausgedehnte fadenförmige sowie netz- und wabenartige Strukturen auszubilden. Wie alle Influenzaviren tragen sie eine von der Wirtszelle abgeleitete Virushülle, an deren Innenseite das Matrixprotein M1 anliegt.
Hämagglutinin-Esterase-Fusionsprotein
Im Gegensatz zu Influenza-A- und -B-Viren besitzt das Influenza-C-Virus kein getrenntes Hämagglutinin und keine Neuraminidase, sondern nur ein einziges großes Glykoprotein: das Hämagglutinin-Esterase-Fusionsprotein (HEF). Dieses vereint drei Funktionen in einem Molekül:
- Rezeptorbindung (Hämagglutininaktivität)
- rezeptorzerstörende Aktivität (Esteraseaktivität, eine O-Acetylesterase)
- Membranfusion (Fusionsaktivität)
Als Rezeptor dient dem HEF 9-O-Acetyl-N-Acetylneuraminsäure und damit eine andere Zuckerstruktur als bei Influenza A und B.[2] Daneben bildet das Protein CM2 einen Ionenkanal in der Virushülle, der dem M2-Protein der Influenza-A-Viren entspricht.
Genom
Das Genom besteht aus sieben Segmenten einzelsträngiger RNA negativer Polarität (Minusstrang-RNA) – eines weniger als bei Influenza A und B, denen das HEF-Segment das getrennte HA- und NA-Segment ersetzt. Die Segmente kodieren für insgesamt etwa neun Proteine:
| Segment | Kodiert für |
|---|---|
| 1 | Polymerase-Untereinheit PB2 |
| 2 | Polymerase-Untereinheit PB1 |
| 3 | Polymerase-Untereinheit P3 (PA-Äquivalent) |
| 4 | Hämagglutinin-Esterase-Fusionsprotein (HEF) |
| 5 | Nukleoprotein (NP) |
| 6 | Matrixprotein M1, Ionenkanal CM2 |
| 7 | Nichtstrukturproteine NS1 und NEP (NS2) |
Eigenschaften
Influenza-C-Viren sind durch ihre Lipidhülle empfindlich gegenüber Detergentien, Lösungsmitteln und Hitze und außerhalb des Wirtskörpers nur begrenzt stabil. Genetisch sind sie deutlich stabiler als Influenza-A-Viren: Ein Antigenshift durch Reassortment mit anderen Influenzatypen findet nicht statt, und auch der Antigendrift verläuft langsam.
Vorkommen
Das Influenza-C-Virus ist weltweit verbreitet und befällt in erster Linie den Menschen. Daneben wurde es auch bei Schweinen und vereinzelt bei weiteren Tierarten nachgewiesen. Die Infektion erfolgt überwiegend bereits im Kindesalter: Bis zum Alter von 7 bis 10 Jahren weisen bis zu etwa 90 % der Kinder Antikörper gegen das Virus auf, was auf eine nahezu universelle Exposition während der Kindheit hindeutet.[1]
Übertragung
Die Übertragung entspricht der anderer Influenzaviren und erfolgt über:
- Tröpfcheninfektion durch virushaltige Aerosole
- Kontaktinfektion durch direkten Kontakt mit Erkrankten
- Schmierinfektion über kontaminierte Oberflächen
Infektionen treten gehäuft in den Wintermonaten auf, können in manchen Regionen aber ganzjährig vorkommen.
Nachweis und Anzucht
Methode der Wahl ist der molekularbiologische Direktnachweis mittels RT-PCR. Da das Influenza-C-Virus in vielen kommerziellen Multiplex-Panels nicht enthalten ist und in der Zellkultur nur schwer anzüchtbar ist, wird es in der Routinediagnostik häufig übersehen, sodass seine tatsächliche Krankheitslast vermutlich unterschätzt wird.[1] Für die Anzucht eignen sich die Amnionhöhle embryonierter Hühnereier bei niedrigen Bebrütungstemperaturen (33–34 °C) sowie bestimmte Zelllinien. Serologische Verfahren spielen vor allem in der epidemiologischen Surveillance eine Rolle.
Klinik
Eine Infektion mit dem Influenza-C-Virus verläuft meist als milde Erkrankung der oberen Atemwege mit Symptomen wie Rhinitis, Husten und Fieber, ähnlich einer Erkältung. Vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern kann das Virus jedoch auch die unteren Atemwege betreffen und zu Bronchitis, Bronchiolitis oder Pneumonie führen, gelegentlich mit Krankenhausaufnahme. Betroffen sind überwiegend Kinder in den ersten Lebensjahren. Häufig liegt eine gleichzeitige Infektion mit anderen Atemwegsviren vor.[3]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Sederdahl BK, Williams JV. Epidemiology and Clinical Characteristics of Influenza C Virus. Viruses. 2020;12(1):89.
- ↑ Song H et al. An Open Receptor-Binding Cavity of Hemagglutinin-Esterase-Fusion Glycoprotein from Newly-Identified Influenza D Virus: Basis for Its Broad Cell Tropism. PLoS Pathog. 2016;12(1):e1005411.
- ↑ Sederdahl BK et al. Influenza C virus in U.S. children with acute respiratory infection 2016-2019. J Clin Virol. 2024;174:105720.