EP2-Rezeptor
Synonyme: Prostaglandin E2 Rezeptor EP2, PTGER2
Englisch: prostaglandin E2 receptor EP2 subtype, PGE2 receptor EP2 subtype, prostanoid EP2 receptor
Definition
Der EP2-Rezeptor ist ein G-Protein-gekoppelter Rezeptor aus der Familie der Prostanoidrezeptoren, der selektiv das Eicosanoid Prostaglandin E2 (PGE2) als endogenen Liganden bindet. Er gehört zur Untergruppe der EP-Rezeptoren, die PGE2 als gemeinsamen Liganden erkennen, sich jedoch in ihrer Signaltransduktion und Gewebeverteilung unterscheiden.
Genetik
Der EP2-Rezeptor wird durch das PTGER2-Gen auf Chromosom 14 am Genlokus 14q22.1 kodiert.
Biochemie
Das EP2-Protein besteht aus 358 Aminosäuren und hat ein Molekulargewicht von ca. 39 kDa. Als GPCR verfügt er über sieben Transmembrandomänen. Das Protein wird in verschiedenen Geweben exprimiert, mit besonders hoher Dichte in Lungen, Thymus, Uterus und Plazenta. Niedrigere Expressionsniveaus finden sich außerdem in Darm, Herz und Immunzellen.[1]
Funktion
Bei Bindung von PGE2 an den EP2-Rezeptor koppelt dieser bevorzugt an das stimulatorische G-Protein Gs. Dies führt zur Aktivierung der Adenylylzyklase, die aus ATP den sekundären Botenstoff cAMP synthetisiert. Der Anstieg der intrazellulären cAMP-Konzentration aktiviert nachgeschaltete Effektoren, insbesondere die Proteinkinase A (PKA).[2]
Der EP2-Rezeptor vermittelt eine Reihe physiologisch relevanter Effekte:
- Relaxation glatter Muskulatur: Die cAMP-abhängige Signalkaskade bewirkt eine Relaxation der glatten Muskulatur, z.B. in Bronchien und Blutgefäßen.
- Vasodilatation: Über die Entspannung vaskulärer glatter Muskelzellen trägt der EP2-Rezeptor zur Vasodilatation und damit zur Regulation des Blutdrucks bei.
- Immunmodulation: In Makrophagen und dendritischen Zellen dämpft EP2-vermittelte cAMP-Erhöhung die Produktion proinflammatorischer Zytokine (z.B. TNF-α, IL-12) und moduliert so die angeborene Immunantwort.[3]
- Uterustonus: Im Uterus reguliert der EP2-Rezeptor die Kontraktilität des Myometriums. Je nach Expressionsmuster und Bindungspartner kann er sowohl relaxierend als auch kontrahierend wirken.
- Osteogenese und Knochenstoffwechsel: In Osteoblasten stimuliert EP2-Aktivierung die Knochenbildung über cAMP-abhängige Mechanismen.[4]
Klinische Relevanz
Da PGE2 zu den wichtigsten Entzündungsmediatoren zählt, ist der EP2-Rezeptor an zahlreichen Entzündungsreaktionen beteiligt. Erhöhte EP2-Expression und -Aktivität wurden bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen sowie bei verschiedenen Tumorentitäten (u.a. kolorektales Karzinom, Mammakarzinom) nachgewiesen. In Tumoren fördert die EP2-vermittelte Immunsuppression möglicherweise deren Immunevasion.[5]
Im zentralen Nervensystem zeigt der EP2-Rezeptor neuroprotektive und neuroinflammatorische Eigenschaften. Studien deuten auf eine Rolle bei epileptischen Prozessen sowie bei neurodegenerativen Erkrankungen hin.[6]
Pharmakologie
Agonisten
Dinoproston wirkt als unselektiver EP-Rezeptor-Agonist und wird klinisch als wehenförderndes Mittel (Oxytocikum) zur Geburtseinleitung eingesetzt. Dabei aktiviert es u.a. EP2- und EP3-Rezeptoren im Uterus.[7]
Selektive EP2-Agonisten (z.B. Butaprost) werden in der Forschung eingesetzt und befinden sich z.T. in klinischer Entwicklung, u.a. für die Behandlung von Glaukom und entzündlichen Erkrankungen. In den USA ist zur Behandlung des Glaukoms bereits der selektive EP2-Agonist Omidenepag zugelassen (Stand 2026).
Antagonisten
Selektive EP2-Antagonisten werden präklinisch bei entzündlichen und onkologischen Fragestellungen untersucht, sind jedoch bisher (2026) noch nicht klinisch zugelassen.
Quellen
- ↑ Nishigaki N et al. Identification of prostaglandin E receptor subtypes. Biochem Biophys Res Commun. 1996;227(2):325-30.
- ↑ Regan JW. EP2 and EP4 prostanoid receptor signaling. Life Sci. 2003;74(2-3):143-53.
- ↑ Kalinski P. Regulation of immune responses by prostaglandin E2. J Immunol. 2012;188(1):21-8.
- ↑ Yoshida K et al. The skeletally expressed prostaglandin E receptor subtype EP2. J Clin Invest. 2002;109(9):1143-51.
- ↑ Kalinski P. Regulation of immune responses by prostaglandin E2. J Immunol. 2012;188(1):21-8.
- ↑ Bhatt DL et al. Cyclooxygenase-2 and the EP2 receptor in neurodegeneration. Neuron. 2005;49(1):23-31.
- ↑ Keirse MJ. Prostaglandins in preinduction cervical ripening. BJOG. 2003;110 Suppl 20:2-9.