Arthrogrypose-Hydranencephalie-Syndrom
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LoslegenEnglisch: arthrogryposis-hydranencephaly syndrome, AHS
Definition
Das Arthrogrypose-Hydranencephalie-Syndrom, kurz AHS, ist ein angeborenes Fehlbildungssyndrom bei Wiederkäuern, das durch die diaplazentare Infektion des Fetus mit Orthobunyaviren entsteht. Namensgebend sind die beiden Leitbefunde Arthrogrypose (Gelenkversteifungen) und Hydranenzephalie. Betroffen sind vor allem Rinder, Schafe und Ziegen. Das AHS zählt zu den wichtigsten Ursachen seuchenhafter kongenitaler Missbildungen bei Wiederkäuern.[1]
Ätiologie
Auslöser sind teratogene Orthobunyaviren, überwiegend aus der Simbu-Serogruppe:
- Akabane-Virus (klassischer und wichtigster Erreger)
- Aino-Virus
- Schmallenberg-Virus
- Shamonda-Virus und Peaton-Virus
In Nordamerika verursacht zudem das Cache-Valley-Virus (Bunyamwera-Serogruppe) ein analoges Syndrom.[2]
Pathogenese
Die Muttertiere infizieren sich über Gnitzen der Gattung Culicoides. Die Infektion adulter Tiere verläuft meist mild oder inapparent. Das Virus überwindet die Plazenta und infiziert den Fetus. Aufgrund seines Neurotropismus zerstört es Zellen des zentralen Nervensystems. Die Schädigung motorischer Vorderhornzellen des Rückenmarks führt über eine Denervierung der Muskulatur zur Arthrogrypose.
Entscheidend für Art und Schwere der Schäden ist der Gestationszeitpunkt der Infektion – je früher, desto schwerer. Beim Rind (Akabane-Virus) gilt orientierend:
- Infektion um den 76.–104. Trächtigkeitstag → Hydranenzephalie und Porenzephalie
- um den 104.–174. Tag → Arthrogrypose
- danach → Meningoenzephalitis bzw. Polioenzephalomyelitis
Mit zunehmender Immunkompetenz des Fetus (beim Schaf etwa ab dem 90. Tag) nehmen die Schäden bei späteren Infektionen ab.[1]
Symptome
Das Spektrum reicht von Aborten, Totgeburten, Frühgeburten und mumifizierten Feten bis zu lebend geborenen, missgebildeten Kälbern, Lämmern und Zicklein. Typische Befunde sind:
- Arthrogrypose (häufig mehrerer Gliedmaßen)
- ZNS-Fehlbildungen: Hydranenzephalie, Porenzephalie, Hydrozephalus, Kleinhirnhypoplasie, Mikrozephalie
- Wirbelsäulendeformitäten: Skoliose, Kyphose, Torticollis
- Brachygnathia inferior
Lebend geborene Tiere können Tremor, Ataxie, Blindheit sowie Steh- und Saugunfähigkeit zeigen. Missgebildete Feten führen häufig zu Geburtsstörungen.[1]
Diagnostik
Die Verdachtsdiagnose ergibt sich aus Epidemiologie, Anamnese und dem charakteristischen Fehlbildungsmuster. Beweisend sind:
- Nachweis neutralisierender Antikörper im präkolostralen Serum des Neugeborenen (Hinweis auf intrauterine Infektion)
- direkter Virusnachweis mittels RT-PCR oder Virusanzucht, vor allem aus Gehirnproben (Groß- und Kleinhirn), ergänzend aus Milz und Plazenta
Cave: Bei früher fetaler Infektion ist das Virus zum Geburtszeitpunkt häufig bereits eliminiert – der direkte Nachweis kann dann negativ ausfallen, während die Serologie positiv bleibt.[1]
Differentialdiagnose
- BVD-Virus
- Border-Disease-Virus
- Blauzungenvirus
- hereditäre (genetisch bedingte) Arthrogrypose
Therapie
Eine kausale Therapie existiert nicht. Missgebildete Tiere sind meist nicht lebensfähig. Präventiv kommen Vektorkontrolle, die Steuerung des Belegungszeitpunkts (vulnerables Trächtigkeitsstadium außerhalb der Gnitzensaison) sowie – für einzelne Erreger wie das Akabane-Virus – Impfstoffe in Betracht.[2]
Prognose
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 Peperkamp NH et al. Ovine and Bovine Congenital Abnormalities Associated With Intrauterine Infection With Schmallenberg Virus. Vet Pathol. 2015;52(6):1057-1066. doi:10.1177/0300985814560231
- ↑ 2,0 2,1 Merck Veterinary Manual. Akabane and Related Simbu Serogroup Virus Infections in Ruminants. Verfügbar unter: merckvetmanual.com.