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Nervus opticus

(Weitergeleitet von 2. Hirnnerv)

Synonyme: Sehnerv, 2. Hirnnerv, Nervus II
Englisch: optic nerve

1 Definition

Der Nervus opticus ist der zweite Hirnnerv und bildet den mittleren Abschnitt der Sehbahn. Er ermöglicht das Sehen durch Weiterleitung der in der Retina entstehenden Erregungen in das Gehirn.

2 Embryologie

Der Sehnerv entsteht aus dem Stiel des embryonalen Augenbechers, der sich vom Neuroektoderm ableitet. Ab der 6. Entwicklungswoche wachsen die Nervenzellfortsätze der inneren neuroblastischen Retinaschicht in den Augenbecherstiel ein und nehmen in den folgenden zwei Wochen Kontakt mit dem Mesencephalon auf. Parallel kommt es zu einem Verschluss der Fissura optica, in dem ihre Ränder miteinander verschmelzen. Dabei werden die Arteria und Vena hyaloidea mittig eingeschlossen. Aus ihren proximalen Anteilen entstehen die Arteria und Vena centralis retinae. Durch Einsprossen weiterer Neuriten wird der Augenbecherstiel ausgefüllt, so dass seine Formation etwa mit dem Ende der 9. Woche abgeschlossen ist.

3 Aufbau

Der Sehnerv eines Erwachsenen hat einen Durchmesser von etwa 4 mm. Er enthält rund eine Million Nervenfasern, welche die Neuriten der retinalen Ganglienzellen, der 3. afferenten Neuronen der Sehbahn, sind. Ab dem Eintritt in den Sehnerv sind diese Nervenfasern von Myelinhüllen der Oligodendrozyten ummantelt, welche die Leitungsgeschwindigkeit erhöhen. Sie leiten die Signale an die 4. Neuronen im Zwischenhirn weiter, die sich überwiegend in den Corpora geniculata lateralia (CGL) befinden. Durch die Ummantelung mit Oligodendrozyten unterscheidet sich der Sehnerv von den peripheren Nerven, bei denen diese Funktion von Schwann-Zellen ausgeübt wird.

Im Gegensatz zu anderen Hirnnerven ist der Nervus opticus auf seiner gesamten Länge von Dura mater, Pia mater und von Liquor cerebrospinalis umgeben. Er verfügt also nicht über ein Epineurium, Perineurium oder Endoneurium, was seine stark eingeschränkte Regenerationsfähigkeit begründet. Dadurch ähnelt der Nervus opticus weniger einem Nerven als vielmehr einem Hirnfaszikel bzw. einer Hirnausstülpung, die durch die Orbita läuft.

4 Verlauf

Der Nervus opticus ist von der Papilla nervi optici bis zum Chiasma opticum etwa 50 Millimeter lang. Man kann in seinem Verlauf einen intraokularen, intraorbitalen, intrakanalikulären und einen intrakraniellen Abschnitt unterscheiden.

4.1 Netzhaut

Nachdem sich die Axone zum Sehnerv vereinigt haben, verlässt dieser die Netzhaut in der Sehnervpapille Discus nervi optici. Da sich an dieser Stelle keine Sinneszellen befinden, bezeichnet man sie auch als Blinder Fleck. Von der Austrittsstelle an wird der Nerv von Markscheiden umgeben.

4.2 Augenhöhle

Während seines Verlaufs in der Augenhöhle ist er in Fett eingebettet und ermöglicht der Arteria centralis retinae und der Vena centralis retinae, die in ihn eintreten, den Zugang zur Netzhaut. Der Sehnenring (Anulus tendineus communis) der Augenmuskeln umgibt ihn beim Verlassen der Augenhöhle.

4.3 Keilbein

Der Sehnerv tritt schließlich in den Canalis opticus des Keilbeins ein, in dem er von der Arteria ophthalmica begleitet wird.

4.4 Schädelhöhle

In der Schädelhöhle, in der die Nerven im Subarachnoidalraum laufen, überkreuzen sich die nasalen Fasern des Nervs im Chiasma opticum vor dem Hypophysenstiel. Der aus dieser Überkreuzung entstandene Tractus opticus zieht zum Zwischenhirn.

5 Blutversorgung

Die arterielle Blutversorgung des Sehnerven erfolgt überwiegend durch die Arteria centralis retinae, der venöse Abfluss über die Vena centralis retinae.

6 Histologie

7 Physiologie

Tierexperimentelle Forschungen zeigen, dass die Informationsübertragung im Sehnerv eine Bandbreite besitzt, die der einer DSL-Leitung entspricht. Die menschliche Sehnerv übermittelt etwa 1 Mbit/s vom Auge zum Gehirn. Die Ganglienzellen der Retina, die den Nervus opticus bilden, enthalten vor allem Glutamat als Neurotransmitter.

8 Pathologie

Wird ein Sehnerv komplett zerstört, ist das betroffene Auge blind. Kommt es zur Schädigung des Mittelteils der Sehnervkreuzung, leidet der Patient unter einer heteronymen Hemianopsie. Die kontralaterale Hemianopsie tritt auf, wenn ein Sehstrang (Tractus opticus) zerstört worden ist.

Diese Seite wurde zuletzt am 23. November 2020 um 13:43 Uhr bearbeitet.

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