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Taenia solium

Synonym: Schweinebandwurm

1 Definition

Als Taenia solium, besser bekannt als "Schweinebandwurm", bezeichnet man einen wichtigen Vertreter der Cestoden (Bandwürmer).

2 Merkmale

Der Wurm lebt als Parasit im Darm des Menschen, der den Endwirt darstellt. Eine Infektion erfolgt, indem der Mensch Fleisch isst, das mit den Larven (Finnen) des Schweinebandwurmes befallen ist. Schweine dienen dem Schweinebandwurm als Zwischenwirt (hier findet also die Vermehrung statt). Gelegentlich kann es jedoch passieren, dass auch der Mensch zum versehentlich zum Zwischenwirt ("Fehlzwischenwirt") wird (Zystizerkose).

Taenia solium hat den gleichen Aufbau wie alle Bandwürmer (siehe dort). Der Wurm kann eine Länge von bis zu 8 m erreichen. Im menschlichen Darm kann der erwachsene Wurm bis zu 20 Jahre überleben.

Morphologisch unterscheidet sich der Taenia solium vom Rinderbandwurm (Taenia sagniata) durch Proglottiden, die nur 7-13 Uterusseitenäste aufweisen - im Gegensatz zu 15-20 bei Taenia saginata. Der Schweinebandwurm hat einen Hakenkranz am Scolex, der beim Rinderbandwurm fehlt.

3 Lebenszyklus, Klinik

Die Eier werden vom Schwein in großen Mengen aufgenommen. Als Finnen siedeln sie sich vor allem in der Muskulatur (oder anderen Orten wie z.B. Herz, Zunge, Zwerchfell, etc.) an. Das Finnenstadium bezeichnet man als Zystizerkose (Cysticercus cellulosus).

Die auf den Menschen übertragenen Finnen stammen in der Regel aus ungenügend erhitztem bzw. gekochtem Schweinefleisch, welches als Nahrung aufgenommen wird.

Die Infektion verläuft meist symptomlos. Im menschlichen Darm reifen die aufgenommenen Finnen zu erwachsenen Würmern heran. Diese wiederum können Proglottiden abgeben, die der Mensch als Hauptwirt täglich mit dem Kot ausscheidet.

Anders als bei anderen Bandwürmern (z.B. Rinderbandwurm) kann der Mensch dem Schweinebandwurm auch als Zwischenwirt dienen. In diesem Fall siedeln sich, nach einer Selbstinfektion (orale Aufnahme von anal ausgeschiedenen Eiern bei mangelnder Hygiene) Finnen des Wurmes an den Faszien von menschlichen Skelettmuskeln oder anderen Orten (Zwerchfell, Larynx, Herz, Gehirn, etc.) an und rufen dort Symptome wie erhöhten Hirndruck, Kopfschmerzen, Meningitis oder neurologische Ausfälle hervor.

4 Diagnostik

Eine Infektion mit Taenia solium kann mikroskopisch durch den Nachweis von Proglottiden oder Eiern im Stuhl festgestellt werden. Die Wurmeier von Taenia solium, Taenia saginata und Taenia asiatica erscheinen hierbei allerdings identisch. Alternativ wird der Erreger mittels PCR[1] oder ELISA[2] nachgewiesen. In Erprobung befinden sich Schnellteste auf Basis von RNA-Sensoren.[3]

5 Therapie

Therapiert werden kann Taenia solium durch eine Standard-Wurmkur mit Niclosamid oder Praziquantel. Der Wurm verliert seinen Halt, ist ungeschützt und wird von Darmsäften verdaut. Manchmal ist zu beobachten, dass Teile des Wurms (mitunter auch der ganze Wurm) im Stuhlgang auftauchen.

Die Zystizerkose wird in der Regel mit Praziquantel oder Albendazol therapiert, ggf. in Kombination mit Cortison. Der Erfolg hängt davon ab, ob die Zysten bereits verkalkt sind. Verkalkte Zysten sind einer medikamentösen Therapie weitaus schwerer zugänglich.

6 Prävention

Vorgebeugt werden kann einer Verbreitung von Infektionen mit Taenia solium durch eine gründliche Fleischbeschau, bei der die Finnen entdeckt werden.

In der EU wird diese Kontrolle streng durchgeführt, was zu einer weitgehenden Elimination geführt hat. Es gibt nur noch kleine Herde in Süd- und Osteuropa.

In anderen Regionen der Welt, z.B. in Zentral- und Südamerika (Mexiko, Kolumbien, Ecuador, Peru, Brasilien), Afrika (Kongo, Nigeria, Südafrika) und Asien (Indien, Korea, Indonesien) sind die Kontrollen deutlich schlechter, so dass ein erhöhter Befall des Menschen mit Finnen zu verzeichnen ist.

7 Quellen

  1. Holger Mayta et al.: Nested PCR for Specific Diagnosis of Taenia solium Taeniasis J Clin Microbiol. 2008 Jan; 46(1): 286–289. PMCID: PMC2224258
  2. Diaz JF et al.: Immunodiagnosis of human cysticercosis (Taenia solium): a field comparison of an antibody-enzyme-linked immunosorbent assay (ELISA), an antigen-ELISA, and an enzyme-linked immunoelectrotransfer blot (EITB) assay in Peru. Am J Trop Med Hyg. 1992 May; 46(5): 610-5.
  3. diagnost-x: Affordable Tapeworm Diagnostics abgerufen am 29.11.2017

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Fachgebiete: Parasitologie

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