Supraventrikuläre Tachyarrhythmie
Englisch: supraventricular tachycardia
Definition
Supraventrikuläre Tachyarrhythmien, kurz SVT, sind eine heterogene Gruppe von Tachykardien mit regelmäßigem oder unregelmäßigem Herzrhythmus, die im Vorhofmyokard oder im His-Bündel entstehen. Sie gehen mit einer erhöhten Herzfrequenz von > 100 Schlägen/min im Ruhezustand einher.
- ICD-10-Code: I47.1
Abgrenzung
Unter dem Begriff "supraventrikuläre Tachykardie" fasst man nur atriale Tachykardien mit regelmäßigem Rhythmus zusammen. In der klinischen Umgangssprache werden beide Entitäten aber häufig synonym verwendet.
Einteilung
Zu den supraventrikulären Tachyarrhythmien gehören:[1]
Atriale Tachykardien
- Sinustachykardie
- physiologische Sinustachykardie
- inadäquate Sinustachykardie
- Sinusknoten-Reentrytachykardie
- fokale atriale Tachykardie
- multifokale atriale Tachykardie
- atriale Tachykardie bei Makro-Reentry (MRAT)
- CTI-abhängige MRAT
- nicht-CTI-abhängige MRAT
- Vorhofflimmern
AV-junktionale Tachykardien
- AV-Knoten-Reentrytachykardie
- typisch
- atypisch
- Junktionale Tachykardie vom Automatietyp
- Junktionale ektope Tachykardie
- andere Non-Reentry-Varianten
AV-Reentrytachykardien
- orthodrome Form
- antidrome Form
Diagnostik
Bei der Erstbeurteilung von Patienten mit einer SVT umfasst die Standarddiagnostik zunächst eine sorgfältige Anamnese, eine körperliche Untersuchung sowie die Durchführung eines 12-Kanal-EKGs (auch während einer Tachykardie). Ergänzend sollte ein großes Blutbild gemacht werden, das Laborparameter einschließlich Schilddrüsenparameter umfasst. Darüber hinaus sollte eine transthorakale Echokardiographie erfolgen.
Je nach klinischer Situation können weitere Untersuchungen ergänzt werden. Optional kommen Belastungstests, ein Langzeit-EKG, ein Remote-EKG-Monitoring oder ein implantierbarer Loop-Rekorder infrage. Bei Patienten mit Risikofaktoren für eine koronare Herzkrankheit sollte eine Abklärung auf Myokardischämie erfolgen.
Für die definitive Diagnosestellung wird eine elektrophysiologische Untersuchung (EPU) empfohlen, wenn die Möglichkeit einer Katheterablation besteht.
Differentialdiagnosen
Zur differentialdiagnostischen Abklärung werden Schmalkomplextachykardien (≤ 120 ms) von Breitkomplextachykardien (> 120 ms) unterschieden.
Schmale QRS-Komplexe entstehen i.d.R. im oder oberhalb des His-Bündels. Seltener führen Kammertachykardien mit hochseptalem Exit zu ähnlich schmalen QRS-Komplexen.
Bei dem Vorliegen eines breiten QRS-Komplexes kann es sich um eine ventrikuläre Tachykardie (ca. 80 %), eine SVT mit Schenkelblock-Aberration (ca. 15 %) oder eine SVT mit einer antegraden Überleitung über eine akzessorische Leitungsbahn (ca. 5 %) handeln.[1]
Cave: Eine Fehldiagnose und -medikation können für VT-Betroffene gefährlich sein. Daher wird empfohlen, bei breitem QRS-Komplex bis zum Beweis des Gegenteils von einer ventrikulären Tachykardie auszugehen.[1]
Therapie
Die Akuttherapie richtet sich nach der hämodynamischen Stabilität. Bei stabilen Patienten sind Vagusmanöver (z.B. modifizierter Valsalva) erste Wahl, gefolgt von intravenösem Adenosin. Bei instabilen Patienten ist die elektrische Kardioversion indiziert. Für die langfristige Therapie kommen Betablocker, Calciumantagonisten oder Katheterablation infrage, wobei die Katheterablation bei rezidivierenden, symptomatischen Formen als bevorzugte Methode gilt.[2]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 ESC Pocket Guidelines – Supraventrikuläre Tachykardien. 2019
- ↑ Peng et al. Diagnosis and Management of Paroxysmal Supraventricular Tachycardia. JAMA. 331(7):601-610. 2024