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Somapacitan

Handelsname: Sogroya®
Synonyme: somapacitan-beco, somapacitanum, NN-8640
Englisch: somapacitan

1. Definition

Somapacitan ist ein Analogon von Somatotropin, das zur der Behandlung von Kindern und Erwachsenen mit Wachstumshormonmangel eingesetzt wird.

2. Chemie

Somapacitan ist ein Peptidanalogon aus 191, teilweise nicht physiologisch vorkommenden Aminosäuren. Neben den Peptidbindungen kommen auch für Peptide untypische funktionelle Gruppen wie Ethergruppen, Thioether, ein Sulfonylharnstoff und ein Tetrazolring vor. Somapacitan wird mittels rekombinanter DNA-Technologie in Escherichia coli exprimiert und ist mit einer Albuminbindungsstelle (L101C) versehen.[1] Die Summenformel lautet C54H95N13O20S2; das Molekulargewicht beträgt 1.310,5 g/mol. Die CAS-Nummer lautet 1338578-34-9.[2]

3. Wirkmechanismus

Somapacitan ist ein Derivat des menschlichen Somatotropins und ahmt dessen Wirkung nach. Es kommt zu einem Anstieg des Insulin-like growth factor (IGF), der in der Leber gebildet wird und die anabolen Wirkungen auslöst.

4. Pharmakokinetik

Somapacitan wird nach subkutaner Applikation resorbiert und zu mehr als 99 % an Plasmaproteine gebunden. Die Verteilungsvolumina betragen bei pädiatrischen Patienten 1,7 Liter, bei erwachsenen Patienten 14,6 Liter (ca. 0,21 l/kgKG). Somapacitan konnte bis etwa 2 Wochen nach der letzten Dosis im Blutkreislauf nachgewiesen werden. Während bei klassischen Somatotropinanaloga tägliche Injektionen notwendig sind, genügt bei Somapacitan eine einmal wöchentliche Gabe. Die Biotransformation erfolgt durch Proteolyse und Spaltung der Albuminbindungsstelle. Die Elimination der Abbauprodukte erfolgt mit dem Urin (81 %) und mit der Fäzes (13 %). Die Eliminationshalbwertszeit beträgt ungefähr 2 bis 3 Tage.[1][3][4]

5. Indikationen

Somapacitan ist indiziert zur Substitution des endogenen Wachstumshormons (growth hormone, GH) bei

  • Kindern ab 3 Jahren und Jugendlichen mit Wachstumsstörung aufgrund eines Wachstumshormonmangels (pediatric growth hormone deficiency, GHD) sowie
  • bei Erwachsenen mit einem Wachstumshormonmangel (adult growth hormone deficiency, AGHD).[1][5][6]

6. Darreichungsform

Somapacitan steht in Form einer Injektionslösung in Fertigpens zur subkutanen Anwendung zur Verfügung.

7. Dosierung

Die empfohlene Anfangsdosis[1] beträgt bei

  • pädiatrischen Patienten 0,16 mg/kgKG/Woche
  • erwachsenen Patienten (≥18 bis <60 Jahre) ohne Vorbehandlung 1,5 mg/Woche (Patienten > 60 Jahre 1 mg/Woche; Frauen unter oraler Östrogentherapie 2 mg/Woche)
  • erwachsenen Patienten (≥18 bis <60 Jahre) mit Vorbehandlung 2 mg/Woche (Patienten > 60 Jahre 1,5 mg/Woche; Frauen unter oraler Östrogentherapie 4 mg/Woche)

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

8. Nebenwirkungen

Die häufigsten unerwünschten Wirkungen von Somapacitan sind:[1]

9. Wechselwirkungen

Der Metabolismus von Wirkstoffen, die durch Cytochrom P450 verstoffwechselt werden (z.B. Sexualhormone, Kortikosteroide, Antikonvulsiva und Ciclosporin) wird durch Somapacitan erhöht, sodass es zu Wirkungsverminderung kommen kann.

Durch eine Hemmung der 11β-Hydroxysteroid-Dehydrogenase Typ 1 (11βHSD-1) wird die Umwandlung von Cortison in Cortisol herabgesetzt, sodass es zu einer sekundären Nebennierenrindeninsuffizienz (Hypoadrenalismus) kommen kann, die eine Glukokortikoid-Substitutionstherapie erforderlich macht.

Somapacitan erhöht die extrathyreoidale Umwandlung von T4 zu T3 und kann dadurch eine Hypothyreose auslösen.

Die Dosierung von blutzuckersenkenden Arzneimitteln (Antidiabetika) muss bei Patienten mit bestehendem Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2 angepasst werden. Die Insulinempfindlichkeit ist herabgesetzt; insbesondere bei höherer Dosierung kann das zu einer Hyperglykämie führen und ein Diabetes mellitus manifest werden.

Orales Östrogen (Hormontherapie oder Empfängnisverhütung) vermindert die Wirksamkeit von Somapacitan, sodass eine entsprechende Dosissteigerung erforderlich ist, um die IGF-1-Serumspiegel im normalen, altersgerechten Bereich zu halten.[1]

10. Kontraindikationen

Die Anwendung von Somapacitan ist kontraindiziert bei[1]

  • Überempfindlichkeit gegen Somapacitan oder einen der sonstigen Bestandteile des Arzneimittels
  • Hinweise auf eine intrakranielle Tumoraktivität
  • Patienten mit akuten schwerwiegenden Erkrankungen

11. Missbrauch

Somapacitan darf nicht zur Förderung des Längenwachstums bei Kindern mit geschlossenen Epiphysenfugen angewendet werden.[1]

12. Schwangerschaft und Stillzeit

Im Tierexperiment wurden reproduktionstoxische Wirkungen nachgewiesen. Daten zur Anwendung von Somapacitan bei schwangeren Frauen liegen nicht vor. Die Anwendung während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die keine Empfängnisverhütung anwenden, wird deshalb nicht empfohlen.[1]

Bei tierexperimentellen Untersuchungen wurde der Übertritt von Somapacitan in die Muttermilch nachgewiesen. Ein Risiko für gestillte Säuglinge kann nicht ausgeschlossen werden. Ob das Stillen zu unterbrechen ist oder auf die Behandlung während der Stillzeit verzichtet werden soll, ist im Einzelfall zu entscheiden.[1]

13. Toxizität

Es liegen aktuell (2023) keine Erfahrungen zur Symptomatik einer akuten Überdosierung oder Vergiftung mit Somapacitan vor. Bei chronischer Überdosierung ist davon auszugehen, dass es zu ausgeprägten Nebenwirkungen (Hypothyreose, Hyperglykämie bzw. Diabetes mellitus, Nebennierenrindeninsuffizienz) kommen kann. Die Symptome entsprechen einem Somatotropin-produzierenden Adenom. Aufgrund seiner pharmakokinetischen Eigenschaften (hohe Plasmaproteinbindung) ist eine sekundäre Giftentfernung durch Plasmapherese zu erwägen.

14. Labormedizin

Der durchschnittliche IGF-1-Spiegel (gemessen 4 Tage nach der Injektion) kann als Kontrollwert zur Dosiseinstellung dienen. Dosisanpassungen sollten mit dem Ziel erfolgen, den durchschnittlichen IGF-I-Standard Deviation Score (SDS)-Spiegel in den Normbereich zu bringen, z.B. zwischen +2 und -2 (bevorzugt nah an 0 SDS).

Der Blutzuckerspiegel sollte in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden, insbesondere wenn ein Risiko für Diabetes mellitus besteht. Patienten mit bestehendem Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2 oder eingeschränkter Glukosetoleranz müssen während der Therapie engmaschig überwacht werden.

Die Schilddrüsenfunktion sollte regelmäßig überprüft und gegebenenfalls eine Substitution mit Schilddrüsenhormon begonnen werden.[1]

15. Zulassung

Im August 2018 wurde Somapacitan der Orphan Drug-Status durch die EMA zuerkannt.[7]

16. ATC-Code

  • H01AC07- Hypophysen- und Hypothalamushormone und Analoga - Somatropin und Somatropinrezeptoragonisten

17. Quellen

18. Weblinks

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