Queensland-Zeckenbissfieber
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LoslegenEnglisch: Queensland tick typhus
Definition
Das Queensland-Zeckenbissfieber, kurz QTT, ist eine durch Rickettsia australis verursachte Infektionskrankheit. Sie gehört zu den zeckenübertragenen Rickettsiosen der Fleckfiebergruppe und kommt vor allem entlang der Ostküste Australiens vor.
Erreger und Übertragung
Rickettsia australis ist ein obligat intrazelluläres, gramnegatives Bakterium. Als wichtigste Vektoren gelten die australische Schildzecken Ixodes holocyclus, Ixodes cornuatus sowie Ixodes tasmani. Daneben können auch weitere Ixodes-Arten an der Übertragung beteiligt sein.
Die Infektion des Menschen erfolgt in der Regel durch den Stich einer infizierten Zecke. Als natürliche Wirte bzw. Reservoirs dienen verschiedene australische Säugetiere, darunter Beuteltiere und Nagetiere.
Epidemiologie
Das Queensland-Zeckenbissfieber ist endemisch in den östlichen Küstenregionen Australiens, einschließlich Queensland, New South Wales und Victoria. Die Erkrankung tritt ganzjährig auf. Das Risiko ist jedoch insbesondere im Winter und Frühjahr sowie bei hoher Luftfeuchtigkeit erhöht. Betroffen sind vor allem Personen, die sich beruflich oder in der Freizeit in buschigen oder bewaldeten Gebieten aufhalten.
Die tatsächliche Inzidenz ist wahrscheinlich höher als die gemeldeten Fälle, da milde Verläufe oft unerkannt bleiben. Zudem gilt die Erkrankung als zunehmend häufiger, was mit Klimaveränderungen und demografischen Verschiebungen der Bevölkerung in Verbindung gebracht wird.
Pathophysiologie
Nach der Übertragung durch den Zeckenstich dringen die Rickettsien in die Endothelzellen der kleinen Blutgefäße ein und vermehren sich dort. Dies führt zu einer Vaskulitis mit perivaskulärer Infiltration von Entzündungszellen. Die systemische Ausbreitung der Erreger verursacht die charakteristischen Symptome wie Fieber und Exanthem. An der Einstichstelle kann es durch lokale Gefäßschädigung und Nekrose zur Bildung eines Eschars kommen. Dieses tritt allerdings nur bei etwa 50–65 % der Infektionen auf und ist daher kein obligates Merkmal.
Die Immunantwort des Wirts, insbesondere die zelluläre Immunität, spielt eine wichtige Rolle bei der Erregerelimination.
Klinik
Die Inkubationszeit beträgt meist etwa 2 bis 7 Tage. Typischerweise beginnt die Erkrankung akut mit Fieber, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit sowie Muskel- und Gelenkschmerzen.
Häufig entwickelt sich an der Stelle des Zeckenstichs ein Eschar. Zusätzlich können eine regionale Lymphadenopathie und ein makulopapulöses Exanthem auftreten.
Seltener werden zudem Splenomegalie, Bauchschmerzen, trockener Husten, Halsschmerzen, Konjunktivitis und Photophobie beobachtet. Vereinzelt sind vaskuläre Komplikationen, ausgedehnte Nekrosen sowie neuropsychiatrische Symptome wie Verwirrtheit, Krampfanfälle und Halluzinationen beschrieben worden.
Diagnostik
Hinweisend sind die typische Klinik in Verbindung mit einem Zeckenstich bzw. einem Aufenthalt in einem Endemiegebiet. Die Labordiagnostik erfolgt hauptsächlich serologisch. Zu Beginn der Erkrankung können Antikörper allerdings noch fehlen, sodass gegebenenfalls eine Verlaufskontrolle notwendig ist.
Ein direkter Erregernachweis mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) ist ebenfalls möglich, insbesondere aus Material einer Eschar-Läsion.
Differentialdiagnose
Die Differentialdiagnose umfasst andere zeckenübertragene Erkrankungen wie Borreliose, andere Rickettsiosen sowie virale Infektionen mit ähnlicher Symptomatik. Zu berücksichtigen sind vor allem das Mittelmeerfleckfieber, andere Fleckfiebererkrankungen und das Dengue-Fieber. Bei Vorliegen eines Eschars sollten auch kutane Anthrax und Tularämie ausgeschlossen werden. Die Kombination aus Eschar, regionaler Lymphadenopathie und Exanthem ist jedoch relativ spezifisch für Rickettsiosen.
Therapie
Therapie der Wahl ist Doxycyclin (200 mg/Tag für 7–10 Tage). Bei begründetem klinischem Verdacht sollte mit der Behandlung nicht auf den serologischen Nachweis gewartet werden. Bei Kontraindikation oder Unverträglichkeit gegenüber Doxycyclin kann Azithromycin als Alternative eingesetzt werden. Unter einer adäquaten Therapie bessern sich Fieber und Allgemeinsymptome meist rasch.
Prognose
Die Prognose des Queensland-Zeckenbissfiebers ist bei rechtzeitiger Diagnose und Therapie sehr gut. Die meisten Patienten erholen sich vollständig ohne bleibende Schäden. Unbehandelt kann die Erkrankung über mehrere Wochen andauern. Komplikationen wie Meningoenzephalitis, Myokarditis oder Pneumonie sind selten, können aber bei verzögerter oder ausbleibender Behandlung auftreten. Todesfälle sind extrem selten und meist auf schwere Komplikationen bei immunsupprimierten Patienten zurückzuführen.
Prophylaxe
Die wichtigste Präventionsmaßnahme ist der Schutz vor Zeckenstichen. Dazu gehören das Tragen langer, heller Kleidung, die Verwendung von Repellentien mit DEET oder Icaridin sowie das regelmäßige Absuchen des Körpers nach Aufenthalten in Risikogebieten. Zecken sollten möglichst schnell und fachgerecht entfernt werden. Eine Impfung gegen Queensland-Zeckenbissfieber existiert nicht. In Endemiegebieten sollte bei fieberhaften Erkrankungen nach Zeckenexposition frühzeitig an eine Rickettsieninfektion gedacht werden.
Literatur
- Stewart et al. Rickettsia australis and Queensland Tick Typhus: A Rickettsial Spotted Fever Group Infection in Australia. Am J Trop Med Hyg. 2017;97(1):24–29.
- Australian Centre for Disease Control. Queensland tick typhus. Australian Government Department of Health, Disability and Ageing, abgerufen am 12.08.2026
- Australian Centre for Disease Control. Guidance note for medical practitioners and hospitals – Australian endemic tick-borne diseases. Australian Government Department of Health, abgerufen am 12.08.2026