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Prämaturität (Pferd)

Synonym: Prämatures/unterentwickeltes Fohlen
Englisch: premature foal

1 Definition

Mit dem Begriff Prämaturität beschreibt man Fohlen, die vor der physiologischen Gestationsdauer zur Welt kommen und unreife Organfunktionen aufweisen. Betroffene Tiere werden als prämatur bezeichnet.

Von der Prämaturität ist die Dysmaturität zu unterscheiden.

2 Vorkommen

Fohlen werden als prämatur bezeichnet, wenn sie vor dem 320. Gestationstag (physiologische Dauer liegt zwischen 320 und 360 Tagen) geboren werden und einen typischen Phänotyp aufweisen.

3 Ätiologie

Die Auslöser einer vorzeitigen Geburt unreifer Fohlen sind vielfältig. Neben einer verkürzten Gestationsdauer können infektiöse Prozesse (z.B. Plazentitis), Stress, Erkrankungen (z.B. Koliken unterschiedlicher Genese, Torsio uteri ante partum) sowie iatrogene Faktoren (z.B. Geburtsinduktion durch unsachgemäße vaginale Palpation) zu einem frühzeitigen Trächtigkeitsabbruch führen.

Dem gegenüber stehen sämtliche therapeutische Ursachen, z.B. eine Sectio caesarea oder die chirurgische Behebung intestinal bedingter Koliken.

4 Pathogenese

Durch die verkürzte Trächtigkeitsdauer werden die Fohlen in unterschiedlichen Entwickungsstadien geboren. Da sich die lebenswichtigen Organe erst unmittelbar (einige Tage vor der Geburt) vollständig ausbilden, kommt es zu gravierenden Beeinträchtigungen des Organismus.

5 Klinik

Prämature Fohlen weisen ein niedriges Geburtsgewicht (aufgrund mangelnder Muskulatur) sowie eine prominente Kopfform auf (fetale Vorwölbung der Stirn). Neben der typischen anliegenden Ohrhaltung fallen v.a. das seidige und schüttere Haarkleid an Unterbauch und im Bauchnabelbereich und die weichen Lippen auf. Die Prämolaren (P4) sind noch nicht durchgebrochen, der Saug- und Schluckreflex fehlen und es ist kaum ein Muskeltonus erkennbar.

Aufgrund der Unterentwicklung fußen die Fohlen nur unvollständig, zeigen eine unphysiologische Gliedmaßenstellung (Durchtrittigkeit) und entwickeln rasch eine Spätasphyxie (aufgrund Surfactant-Mangel).

6 Differenzialdiagnose

Als Differenzialdiagnose muss vor allem eine Dysmaturität ausgeschlossen werden.

7 Diagnose

Die Diagnose wird anhand des typischen klinischen Bildes gestellt. Zusätzlich sind Röntgenbilder der Tarsal- sowie Karpalknochen anzufertigen, sodass anhand der Ossifikation die Prämaturität graduiert werden kann:

Grad Befund
Grad I
  • alle Einzelknochen weisen Ossifikationskerne auf
  • proximale Epiphyse des Mt III bzw. Mc III ist sichtbar
Grad II
  • Tarsalknochen einzeln sichtbar, aber mit abgerundeten Ecken
  • intraartikuläre Zwischenräume vergrößert
  • proximale Epiphyse des Mt III bzw. Mc III ist geschlossen
Grad III
  • vollständig ossifiziert
  • ggr. abgerundete Tarsalknochen
  • intraartikuläre Zwischenräume physiologisch

Zusätzlich lässt sich eine Hypogammaglobulinämie (IgG-Konzentration < 800 mg/dl), erhöhte Laktatwerte, eine Hypoglykämie sowie Azidose nachweisen. Die Fohlen zeigen oftmals eine Leukopenie (Verhältnis neutrophile Granulozyten zu Lymphozyten < 2,5:1) bei erniedrigtem Hämatokrit.

8 Therapie

Betroffene Fohlen sind umgehend mit ausreichend und qualitativ hochwertigem Kolostrum zu versorgen. Die Tiere müssen regelmäßig aufgestellt und zum Euter geführt werden. Bei bereits bestehender Hypogammaglobulinämie ist ein Hyperimmunserum oder eine Plasmatransfusion zu verabreichen. Zusätzlich ist eine Tetanusprophylaxe indiziert.

Parallel dazu ist eine symptomatisch sowie prophylaktische Therapie durchzuführen, z.B.:

9 Prognose

Die Prognose ist vorsichtig bis schlecht.

10 Literatur

  • Fey K, Kolm G (Hrsg.). 2011. Fohlenmedizin. Stuttgart: Enke Verlag in Georg Thieme Verlag KG. ISBN: 978-3-8304-1151-2
  • Aurich C (Hrsg.). 2009. Reproduktionsmedizin beim Pferd. Gynäkologie - Andrologie - Geburtshilfe. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Parey-Verlag. ISBN: 978-3-8304-4179-3

Diese Seite wurde zuletzt am 31. März 2021 um 18:29 Uhr bearbeitet.

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