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Insulin icodec

Trivialname: "Wochen-Insulin"
Handelsname: Awiqli®
Englisch: insulin icodec

1. Definition

Insulin icodec ist ein extrem lang wirkendes Insulinanalogon, das nur einmal wöchentlich appliziert werden muss (Langzeitinsulin).

2. Chemie

Bei Insulin icodec wurde das Insulinmolekül mit einer C20-Fettsäure gekoppelt, wodurch eine starke, reversible Bindung an Plasmaalbumin erreicht wird.

Die Summenformel ist C280H435N71O87S6. Die molare Masse beträgt 6.380,33 g/mol. Die CAS-Nummer lautet 1188379-43-2.

3. Wirkmechanismus

Durch die Substitution von drei Aminosäuren wurde die molekulare Stabilität von Insulin icodec erhöht und die Insulinrezeptor-Bindung und -Clearance reduziert, sodass die blutzuckersenkende Wirkung stetig, aber stark verlangsamt eintritt. Ansonsten besteht kaum ein Unterschied zur Wirkung anderer Basalinsuline.[1][2] In einer Metaanalyse von randomisierten kontrollierten Studien wurde eine bessere Kontrolle von HbA1c und TIR im Vergleich zu einmal täglich verabreichten Insulinen festgestellt.[3]

4. Pharmakokinetik

Insulin icodec bindet nach subkutaner Applikation mit hoher Affinität an Albumin im Blutplasma, was eine intravasale Speicherung darstellt. Ohne Aufsättigung wird der Steady State erst nach 2 bis 4 Wochen, mit einmaliger Aufsättigung von 50 % bei der ersten Dosis nach 2 bis 3 Wochen erreicht. Die Plasmaproteinbindung beträgt mehr als 99 %. Insulin wird vor allem durch die Leber, aber auch durch die Niere und die Skelettmuskulatur abgebaut. Die Eliminationshalbwertszeit beträgt etwa eine Woche.[1]

5. Indikationen

Insulin icodec ist indiziert zur Behandlung des Diabetes mellitus bei Erwachsenen.

6. Darreichungsform

Insulin icodec steht in Form von Injektionslösung im Fertigpen zur subkutanen Anwendung Verfügung.

Es darf nicht intravenös, intramuskulär oder in Infusionspumpen angewendet werden.[1]

7. Dosierung

Insulin icodec muss entsprechend des Bedarfs des einzelnen Patienten dosiert werden. Die empfohlene wöchentliche Anfangsdosis liegt bei 70 Einheiten. Durch die Formulierung mit 700 E/ml entspricht das wöchentliche Injektionsvolumen dem täglich verabreichten Volumen von Basalinsulin mit 100 E/ml.

Eine Einheit Insulin icodec entspricht einer Einheit Insulin glargin (100 Einheiten/ml), einer Einheit Insulin detemir, einer Einheit Insulin degludec bzw. einer internationalen Einheit Humaninsulin.

Bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 muss Insulin icodec mit Bolusinsulin kombiniert werden, um den Insulinbedarf zu den Mahlzeiten zu decken.

Bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 kann Insulin icodec sowohl allein oder in jeder Kombination mit oralen Antidiabetika, GLP-1-Rezeptoragonisten und Bolusinsulin angewendet werden.[1]


Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

8. Nebenwirkungen

Die häufigsten unerwünschten Wirkungen von Insulin icodec sind:[1]

9. Wechselwirkungen

Durch orale Antidiabetika, GLP-1-Rezeptoragonisten, Monoaminoxidasehemmer, Betarezeptorenblocker, Angiotensin-Converting-Enzyme (ACE)-Hemmer, Salicylate, anabole Steroide und Sulfonamide wird der Insulinbedarf gesenkt.

Durch orale Kontrazeptiva, Thiaziddiuretika, Glukokortikoide, Schilddrüsenhormone, Sympathomimetika, Wachstumshormone und Danazol wird der Insulinbedarf gesteigert.

Octreotid und Lanreotid können den Insulinbedarf sowohl erhöhen als auch senken.

Alkohol kann die blutzuckersenkende Wirkung von Insulin verstärken oder verringern.

Betarezeptorenblocker können die Symptome einer Hypoglykämie verschleiern.

Bei der gleichzeitigen Verabreichung von Pioglitazon kann es zur Manifestation einer Herzinsuffizienz kommen.

10. Kontraindikationen

11. Schwangerschaft und Stillzeit

Bei tierexperimentellen Untersuchungen gab es keine Hinweise auf reproduktionstoxische Wirkungen. Da bisher (2024) keine klinischen Erfahrungen bezüglich der Anwendung in der Schwangerschaft vorliegen, wird empfohlen, Insulin icodec bei Schwangeren nicht anzuwenden.[1]

Bei Versuchstieren wurde ein Übertritt von Insulin icodec in die Milch festgestellt. Da ein Risiko für gestillte Kinder nicht ausgeschlossen werden kann, ist im Einzelfall zu entscheiden, ob das Stillen zu unterbrechen ist oder auf eine Behandlung mit Insulin icodec während der Stillzeit zu verzichten ist.[1]

12. Toxizität

Überdosierungen (z.B. fortgesetzte Verabreichung der einmaligen Aufsättigungsdosis), Medikationsfehler (z.B. falscher Applikationsabstand und/oder -weg; Wechselwirkungen), nicht adäquate Ernährung, gesteigerte körperliche Aktivität und Alkoholkonsum können eine länger anhaltende Hypoglykämie auslösen, die entsprechend behandelt werden muss. Schwere Hypoglykämien mit einem Blutzuckerwert von weniger als 3,0 mmol/l (54 mg/dl) sind lebensgefährlich. Sie können zur Bewusstlosigkeit und/oder zu Krampfanfällen und zu einer vorübergehenden oder dauerhaften Hirnschädigung führen.

13. ATC-Code

  • A10AE07 - Alimentäres System und Stoffwechsel - Antidiabetika - Insuline und Analoga - Insuline und Analoga zur Injektion, lang wirkend

14. Zulassung

Insulin icodec wurde im Mai 2024 auf Empfehlung der EMA durch die Europäische Kommission zugelassen.[4]

15. Nutzenbewertung

Nach Einschätzung des IQWiG ist ein Zusatznutzen von Insulin icodec für die Behandlung des Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2 nicht belegt.[5][6]

16. Quellen

17. Weblinks

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