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Glandula pinealis

Synonyme: Corpus pineale, Glandula pinealis, Zirbel(drüse), Epiphysis cerebri, Epiphyse, Apophysis cerebri
Englisch: pineal gland

1 Definition

Die Glandula pinealis ist eine im Epithalamus befindliche endokrine Drüse, die lichtabhängig Melatonin sezerniert.

2 Anatomie

Die Glandula pinealis befindet sich als Teil des Epithalamus an der Hinterwand des dritten Hirnventrikels oberhalb der Vierhügelplatte. Sie ist von einer bindegewebigen Kapsel umhüllt.

3 Histologie

Die neuroendokrinen Zellen der Glandula pinealis, die Pinealozyten, werden von bindegewebigen Septen in Läppchen gegliedert. Als Einschlüsse lassen sich Verkalkungen, sogenannter Hirnsand (Acervulus) erkennen; sie imponieren im a.p. Röntgenbild des Schädels als helle Punkte in der Medianlinie.

4 Physiologie

Die Glandula pinealis erhält afferente Fasern aus dem sympathischen Hals-Grenzstrang, die wiederum indirekt über den Nucleus intermediolateralis und den Nucleus suprachiasmaticus des Hypothalamus mit der Retina in Verbindung stehen. Auf diese Weise wird die Funktion der Zirbeldrüse lichtabhängig reguliert: Bei fehlenden Lichtreizen synthetisieren die Pinealozyten aus Tryptophan das Hormon Melatonin, das den Schlaf-Wach-Rhythmus reguliert. Daneben wird der Zirbeldrüse auch eine pubertätshemmende Funktion zugeschrieben; bei Kindern mit Funktionsdefekten der Drüse kann gelegentlich eine Pubertas praecox beobachtet werden.

5 Entwicklungsgeschichte

Bei niederen Vertebraten ist die Glandula pinealis über ein Parietalauge direkten Lichteinflüssen ausgesetzt und damit lichtempfindlich. Bei höheren Vertebraten verhindert die Dicke der Schädeldecke das Durchtreten von Licht. Die Funktion der Zirbeldrüse wird damit über indirekt mit den Augen verbundene Fasertrakte reguliert.

6 Geschichtliche Anmerkung

Für den französischen Mathematiker und Philosophen René Descartes war die Zirbeldrüse aufgrund ihrer Lichtempfindlichkeit in niederen Tieren Sitz der Seele. Da die Zirbeldrüse der einzig bekannte unpaare Teil des Gehirns war, vermutete Descartes darin den Punkt, an dem die Inhalte beider Hirnhälften zusammengebracht und der Seele bewusst werden. (Vgl. Trichterform der Epiphyse)

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