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Cheyletiella

von griechisch: cheilos - Lippe
Synonym: Pelzmilben
Englisch: fur mites

1 Definition

Als Cheyletiella oder Pelzmilben bezeichnet man eine Gattung der Milben (Acari) innerhalb der Familie der Cheyletiellidae (Raubmilben). Die Parasiten sind die Erreger der Cheyletiellose der Haussäugetiere.

2 Taxonomie

3 Morphologie

Die Milben verschiedener Arten sind morphologisch sehr ähnlich und schwer zu unterscheiden. Die adulten Parasiten sind zwischen 0,2 und 0,5 mm groß, ovoid bis sechseckig und haben stilettförmige Cheliceren sowie charakteristische kurze, starke Palpen mit einwärtsgerichteten Klauen. Aufgrund der kräftigen Beine (ausgestattet mit schmalen, kammähnlichen Gebilden) sind die Parasiten besonders beweglich.

4 Arten

Cheyletiella-Milben kommen beim Hund (Cheyletiella yasguri), bei der Katze (Cheyletiella blakei), beim Kaninchen (Cheyletiella parasitovorax) und beim Fuchs (Cheyletiella blakei) häufig vor. Sie sind wenig wirtsspezifisch, weshalb sie auch andere Tierarten (z.B. Cheyletiella yasguri bei der Katze) sowie vorübergehend den Menschen befallen können.

5 Entwicklung

Der gesamte Entwicklungszyklus von Cheyletiella-Milben erfolgt am Wirt und dauert etwa 3 Wochen. Die ca. 100 x 230 µm großen Eier werden mit Fäden kokonartig eingewoben und einige Millimeter über der Hautoberfläche am Haar befestigt. Die Entwicklung folgt dem Schema:

Mithilfe ihrer starken Klauen an den Palpen können sich die Milben im Fell festhalten. Sie wandern in Pseudotunneln im epidermalen Detritus umher, weshalb sie in dieser Phase makroskopisch vom Tierbesitzer als "wandernde Schuppen" ("walking dandruff") wahrgenommen werden können. Anschließend stechen die Milben mit ihren spitzen Cheliceren in die Epidermis, um austretende Gewebslymphe aufzunehmen.

Die adulten Stadien können in kühler Umgebung mindestens 10 Tage ohne Wirt überleben - die präadulten Stadien hingegen nur 2 Tage.

6 Epidemiologie

Die aktiv beweglichen Stadien können bei Kontakt äußerst schnell von einem Wirt auf den anderen übergehen. Dieser Wirtswechsel erfolgt besonders bei Jungtieren in einer Gruppenhaltung (Zuchten, Zwinger). Es wird angenommen, dass auch eine Übertragung der Milben aus der engeren Umgebung infestierter Wirte möglich ist.

7 Verbreitung

Cheyletiella-Milben sind weltweit verbreitet. Die Prävalenzen können beim Kaninchen bis zu 70 % betragen. Bei Hunden und Katzen beträgt sie etwa 25 %.

8 Klinik

Cheyletiella verursacht bei Hunden und Katzen chronische Ekzeme mit Juckreiz und gering- bis hochgradige Schuppenbildung (insbesondere im Kopf-, Schulter- und Rückenbereich). Ein Befall kann auch asymptomatisch verlaufen, sodass die Parasitose zunächst übersehen wird. Selten kommt es zu einer Dermatitis mit Hyperästhesie, Alopezie und gelegentlich auch Papel- und Krustenbildung (vor allem bei Katzen, miliare Dermatitis). Durch das teilweise Entfernen der Milben und deren Eier durch häufiges Putzen können Katzen einen deutlich milderen Krankheitsverlauf aufweisen als Hunde.

Die Symptome sind auf die Stiche der Milben sowie auf allergische Reaktionen durch Milbenantigene zurückzuführen.

9 Diagnose

Cheyletiellen-Milben sowie deren Eier werden mittels Klebestreifentechnik (Abklatsch mithilfe eines Klebestreifens, der dann auf einen Objektträger übertragen wird) nachgewiesen. Alternativ können oberflächliche Hautgeschabsel sowie Schuppen und ausgekämmte Haare mit der KOH-Technik untersucht werden.

Als besonders sensitiv erwies sich eine koproskopische Untersuchung (Flotationsverfahren), da die Milben oder Eier auch häufig im Kot gefunden werden können - besonders auch bei einem inapparenten Befall.

10 Therapie

In Europa ist kein Wirkstoff für einen Cheyletiella-Befall zugelassen, allerdings ist die Applikation von topischen Akariziden (z.B. Fipronil, Moxidectin, Selamectin oder Pyrethroide) hoch wirksam. Zu beachten ist, dass Pyrethroide - mit Ausnahme von Flumethrin - nicht bei Katzen angewendet werden sollten.

Die Therapie ist in 2 bis 4-Wochen-Intervallen zu wiederholen. Zusätzlich müssen alle Kontakttiere und die Umgebung mit geeigneten Akariziden behandelt werden.

11 Bedeutung für den Menschen

Die Milben können bei engem Kontakt mit infestierten Haustieren auch auf den Menschen übergehen (meist Cheyletiella ysguri oder Cheyletielle blakei). Die Parasiten besiedeln dann vorübergehend die Hautoberfläche und können dabei Hautveränderungen verursachen, u.a. Juckreiz, erythematöse Makeln und Papeln mit zentraler Nekrose. Sie treten vor allem an Armen und Oberkörper auf.

12 Literatur

  • Eckert, Johannes, Friedhoff, Karl Theodor, Zahner, Horst, Deplazes, Peter. Lehrbuch der Parasitologie für die Tiermedizin. 2., vollständig überarbeitete Auflage. Enke-Verlag, 2008.
  • Hinney, Barbara, Joachim, Anja, Silbermayr, Katja. Vademecum der klinischen Parasitologie. Ekto- und Endoparasiten bei Hund und Katze. Bayer.

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