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Candidose (Geflügel)

Synonym: Candida-Infektion

1 Definition

Die Candidose ist eine sporadisch auftretende und subakut verlaufende Mykose beim Geflügel, die durch pseudomembranöse bis diphtheroide entzündliche Prozesse in der Schleimhaut des oberen Verdauungstrakt gekennzeichnet ist.

2 Ätiologie

Am häufigsten werden Hefepilze der Gattung Candida isoliert. Wichtige Vertreter sind Candida albicans, Candida rugosa, Candida tropicalis und Candida stellatoidea. Hierbei handelt es sich um ovale und grampositive Sprosspilze, die auf verschiedenen Pilznährböden und bei 37 °C in Form von weißlichen, runden und konvexen Kolonien angezüchtet werden können.

Eine Abgrenzung zu optisch ähnlich wachsenden Bakterien kann anhand des aromatischen Geruchs und mithilfe einer mikroskopischen Untersuchung erfolgen (Vermehrung durch Sprossung, Gramfärbung u. ä.).

3 Epidemiologie

Candida-Arten sind ubiquitär verbreitet und ebenfalls Bestandteil der Mikroflora auf der Haut und Schleimhaut gesunder Tiere. Sie können daher relativ häufig im Kot und auch in Futtermittel gefunden werden.

Empfänglich sind v. a. Jungtiere in den ersten drei Lebensmonaten.

4 Pathogenese

Die Pilze werden oral aufgenommen. Eine Infektion führt aber nicht zwangsläufig zu einer klinisch manifesten Erkrankung, sondern initial zu einer vorübergehenden Besiedlung der Schleimhaut des oberen und unteren Verdauungstrakts. Die endogene Krankheitsentstehung wird dann vorrangig durch Dysbiosen ausgelöst, die infolge einer Immunsuppression, langwieriger Antibiotikagaben und/oder Schwächung der lokalen mikrobiellen Abwehrfähigkeit (z. B. durch Läsionen der Kropfschleimhaut durch ungeeignete Futterbeschaffenheit) entstehen.

5 Klinik

Erkrankungen gehen meist mit unspezifischen Symptomen wie Wachstumsstörungen und Abmagerung einher. Oftmals können bei der Adspektion der Schnabelhöhle auch gelblich-weißgraue Beläge mit bierähnlichem Hefegeruch gefunden werden. Zusätzlich leiden die Tiere an Störungen des Allgemeinbefindens, Inappetenz sowie Kropfentzündungen mit teils stark verdickter Schleimhaut, Kropfdilatationen und Diarrhö. Selten kommt es zu Keratokonjunktivitiden und Panophthalmie.

Die Angaben über die Morbidität und Mortalität variieren stark, wobei Mortalitätsraten von bis zu 80 % nachgewiesen werden können.

6 Pathohistologie

Die Schleimhaut des Kropfes (und selten auch die der Schnabelhöhle und/oder des Ösophagus) ist faltig verdickt und von gelblich-grauweißen Massen bedeckt. Im Vordergrund stehen pseudomembranöse und diphtheroid-ulzerative Schleimhautveränderungen, die mit starken Entzündungsreaktionen einhergehen.

Histologisch zeigt sich eine Desquamation des Epithels sowie lokal begrenzte diphtheroid-entzündliche und produktiv-entzündliche Reaktionen der Schleimhaut.

7 Differenzialdiagnosen

8 Diagnose

Sowohl die Klinik als auch die typischen Veränderungen der betroffenen Schleimhautregionen sind hinweisend für eine Verdachtsdiagnose. Der Verdacht muss jedoch durch den histopathologischen Nachweis der Sprosspilze in den veränderten Schleimhautproben und über eine kulturelle Anzüchtung der Hefepilze (z. B. auf Sabouraud-Dextrose-Agar) bestätigt werden.

9 Therapie

Eine kausale Therapie ist nicht möglich, da beim Nutzgeflügel keine Antimykotika zugelassen sind. Da die Erkrankung jedoch nur sporadisch auftritt und nur selten ganze Herden betroffen sind, müssen erkrankte Tiere aussortiert und tierschutzgerecht euthanasiert werden.

10 Prophylaxe

Sämtliche prädisponierenden Faktoren sind zu beseitigen. Gleichzeitig ist auf eine strikte Stallhygiene und auf optimale Haltungsbedingungen zu achten. Prophylaktisch kann auch Kupfersulfat (1 bis 3 g pro Liter Trinkwasser) eingesetzt werden.

11 Literatur

  • Rautenschlein S, Ryll M. 2014. Erkrankungen des Nutzgeflügels. 1. Auflage. Stuttgart: UTB Verlag GmbH. ISBN: 978-3-8252-8565-5
  • Siegmann O, Neumann U (Hrsg.) 2012. Kompendium der Geflügelkrankheiten. 7., überarbeitete Auflage. Hannover: Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG. ISBN: 978-84268333-4

Diese Seite wurde zuletzt am 9. September 2021 um 13:25 Uhr bearbeitet.

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