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Kropf (Geflügel)

Synonym: Ingluvies

1 Definition

Als Kropf bezeichnet man eine Lumenvergrößerung des Ösophagus kurz vor dem Eintritt in die Brusthöhle (Cavum thoracis).

2 Anatomie

Der Kropf ist ein vor dem Brusteingang (Apertura thoracis cranialis) gelegener Nahrungsspeicher, der bei körnerfressenden Vögeln (Hühnervögel, Papageien, Tauben u.ä.) als Aussackung der ventralen Ösophaguswand eine beachtliche Größe erreichen kann. Bei den Hühnern liegt der Kropf der Furcula (Gabelbein) direkt auf und erweitert sich (durch die Haut deutlich tastbar) zur rechten Körperseite. Bei der Taube ist er hingegen paarig ausgesackt (Diverticulum dextrum ingluviale und sinistrum ingluviale). Die Gans und auch die Ente besitzen keinen Kropf - bei diesen Tieren ist an dieser Stelle der Ösophagus lediglich spindelförmig erweitert.

2.1 Morphologie

Der Kropf ist gegenüber dem Ösophagus eindeutig abgesetzt. An der Dorsalwand seiner Innenfläche verläuft die so genannte Kropfstraße - eine durch längsverlaufende Schleimhautfalten gekennzeichnete Rinne. Der Zugang zum Kropf wird durch das Ostium ingluviale markiert. Der Boden des Kropfes wird als Fundus ingluviales bezeichnet.

3 Histologie

Der Aufbau des Kropfes gleicht histologisch jenem des Ösophagus:

Die Tunica adventitia kann beim Huhn vereinzelt quergestreifte Muskelzüge aufweisen, die von der Pars clavicularis des Musculus cucullaris capitis entstammen. Die Lamina propria mucosae enthält zahlreiche Schleimdrüsen (Glandulae ingluviales), die mit den Ösophagusdrüsen (Glandulae oesophageales) verglichen werden können. Beim Huhn befinden sich diese Drüsen im Bereich der Kropfstraße, bei der Taube im Fundus ingluvialis.

4 Funktion

Mithilfe von peristaltischen Wellen wird im Halsteil (Pars thoracica) des Ösophagus das aufgenommene Futter nach distal transportiert. Bei Vögeln, die einen Kropf besitzen, enden hier die Kontraktionswellen, die dafür sorgen, dass das heran transportierte Futter gespeichert wird, wenn der Muskelmagen seine Füllungskapazität erreicht hat. Bei ausreichendem Platzangebot im Muskelmagen wird das Futter über die Kropfstraße weiter zum Drüsen- und Muskelmagen geleitet. Erst dann, wenn der Drüsen- und Muskelmagen gefüllt sind, kommt es zur Futterspeicherung im Kropf.

Sowohl die Aufnahme von Futter als auch die Entleerung wird durch die organeigene Muskulatur reguliert. Ein leerer oder auch nur mäßig gefüllter Kropf zieht sich in Intervallen zusammen. Bei einem gefüllten Kropf sind diese Intervallbewegungen gehemmt. Erst dann, wenn der Magen geleert ist, wird das Futter durch starke Kontraktionen des gesamten Kropfes sowie der Pars thoracica des Ösophagus über den Brustteil in den Magen gedrückt.

Manche Vogelarten (Papageien und Finkenvögel) ernähren ihre Nestjungen durch den hochgewürgten, aufgeweichten Kropfinhalt. Bei der Taube hingegen spielt der Kropf vor allem in der Brutpflege eine besondere Rolle. Beide Geschlechter produzieren eine spezifische Nahrung (Kropfmilch) - eine weiße, käsige Masse, die aus abgeschilferten und fettig-degenerierten Epithelzellen besteht und reich an Lipiden und Proteinen ist. Die Produktionsphase wird - vergleichbar der Milchsekretion des Säugers - durch Prolaktin ausgelöst.

5 Literatur

  • Nickel, Richard, August Schummer, Eugen Seiferle. Band V: Geflügel. Parey, 2004.
  • Salomon, Franz-Viktor, Geyer, Hans, Gille, Uwe. Anatomie für die Tiermedizin. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage. Enke Verlag, 2008.

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