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Wehe

Synonym: Geburtskräfte, Labores
Englisch: labor, pains

1 Definition

Wehen sind Kontraktionen der glatten Muskulatur der Gebärmutter (Myometrium) während der Schwangerschaft und der Geburt, die durch hormonelle Einflüsse ausgelöst werden.

2 Physiologie

Im Verlaufe einer Schwangerschaft werden durch fetales ACTH und Cortisol vermehrt Östrogene in der Plazenta gebildet. Das Östrogen fördert die Bildung von gap junctions, Brücken zwischen einzelnen Muskelzellen, über die Erregung von Zelle zu Zelle weitergeleitet werden kann. Östrogen ist ebenfalls für die Vermehrung von Muskelzellen zuständig, die Kontraktionskraft kann so gesteigert werden. Weiterhin vermehren sich während der Schwangerschaft die Oxytocin-Rezeptoren am Uterus, so dass die Empfindlichkeit für das Hormon steigt. Das Membranpotential der einzelnen Muskelzellen sinkt, so dass bei Bedarf eine schnelle Erregungsweiterleitung möglich ist.

Durch das Wachstum des Fetus wird die Uterusmuskulatur gedehnt. Dies führt zur Depolarisation des Myometriums und letztlich zur Kontraktion, welche den vorangehenden Teil (VT) des Fetus gegen die Zervix drückt. Dadurch aktivierte Dehnungsrezeptoren geben ihren Impuls an den Hypothalamus weiter und stimulieren so die Sekretion von Oxytocin aus der Neurohypophyse. Oxytocin fördert gleichzeitig die Prostaglandinsynthese. Prostaglandine wiederum aktivieren die Muskulatur unterstützend und machen den Muttermund unter der Geburt weich.

Zusammengefasst spielen also, durch vermehrte Östrogenbildung, folgende Mechanismen eine entscheidende Rolle bei der Entstehung einer Wehe:

  • Prostanglandin-Synthese
  • Rezeptor-Vermehrung
  • Depolarisation
  • Entstehung von gap junctions
  • Steigerung der Kontraktionskraft

All diese Mechanismen sind Bedingung für den folgenden, physiologischen Ablauf:

  • 1. Erregungsbildung, daraufhin
  • 2. Erregungsleitung, dadurch Entstehung einer
  • 3. Wehe

Erst durch eine Wehe wird die Zervix gedehnt, Oxytocin über eine positive Rückkopplung ausgeschüttet und der oben genannte Ablauf beginnt von vorne. Oxytocin spielt also bei Entstehung der Wehe zwar eine wichtige, dennoch nur unterstützende Rolle. Die Initialzündung geht von der Östrogenproduktion aus. So können selbst Frauen mit einer Störung der Neurohypophyse und somit fehlender Oxytocin-Sekretion Kinder gebären.

2.1 Muskelaktivität

Die Muskelzellen, die am schnellsten erregt werden, übernehmen die Rolle als Schrittmacher. Von diesem Schrittmacher-Zentrum aus breitet sich die Erregung und die Kontraktion mit einer Geschwindigkeit von 2 cm/s in Richtung Zervix aus. Schrittmacher-Zentrum ist dabei meist die Gebärmutterkuppe (Fundus uteri). Ab der 35. Schwangerschaftswoche sind immer größere Gebiete des Uterus von den Kontraktionen betroffen, der Körper übt für die Geburt. Bis zum Entbindungstermin (ET) treten die Kontraktionen immer häufiger und stärker auf. Die Uterusaktivität wird durch die Montevideo-Einheit (ME) angegeben:

Druckmaximum der Wehe in mmHg x Anzahl der Wehen in 10 Minuten

In der Klinik werden die Wehen durch den Cardio-Tokograph (CTG) überwacht. Dieser misst auch die Herztöne des Kindes und zeichnet die Kindsbewegungen auf.

3 Wehenarten

Je nach Phase der Schwangerschaft und Geburt treten verschiedene Arten von Wehen auf. Bereits früh in der Schwangerschaft treten unregelmäßige Uteruskontraktionen auf, die als Alvarez-Wellen und Braxton-Hicks-Kontraktionen. Diese noch unkoordinierten Kontraktionen gehen mit zeitlich nahender Geburt in eine koordinierte Wehentätigkeit über.

Man unterscheidet im Einzelnen:

  • Übungswehen: Sie können ab der 25. SSW auftreten. Hierbei wird der Bauch meistens hart, dieser Vorgang sollte jedoch schmerzfrei sein und muttermundsunwirksam. Im Zweifel sollte eine gynäkologische Abklärung erfolgen, ggf. eine Magnesium-Gabe.
  • Senkwehen: Sie können ab der 35. SSW auftreten und dienen dem Tiefertreten des Kindes ins Becken. Sie können bereits schmerzhaft sein. Oft ist die kindliche Senkung auch äußerlich sichtbar. Häufig bekommen Schwangere in dieser Zeit wieder besser Luft, da das Kind die Lunge weniger komprimiert.
  • Vorwehen: Etwa 3-4 Tage vor der Geburt treten Vorwehen auf, die den kindlichen Kopf (bzw. vorangehenden Teil) in den Beckeneingang drücken. Vorwehen können Druckerhöhungen bis auf 40 mmHg bewirken und bereits schmerzhaft sein.
  • Eröffnungswehen: Die Eröffnungsphase der Geburt wird durch die Eröffnungswehen eingeleitet. Sie treten etwa 3 x in 10 Minuten mit einem intrauterinen Druck von 10-50 mmHg auf. Hierunter öffnet sich der Muttermund bis auf die erforderlichen 10 cm. Die Dauer dieser Phase ist bei jeder Frau unterschiedlich und kann sich über mehrere Stunden hinziehen. Durch die Eröffnungswehen tritt der vorangehende Teil des Kindes tiefer. Bei einer Erstgebärenden dauern die Eröffnungswehen bis zu 12 Stunden, bei Mehrgebärenden etwa 2 Stunden.
  • Austreibungswehen: In der Austreibungsphase treten alle 4-10 Minuten Austreibungswehen mit einer Druckerhöhung auf etwa 60 mmHg auf. Druck und Frequenz der Wehen werden also gesteigert.
  • Presswehen: Darunter versteht man Wehen der Austreibungsperiode mit einem intrauterinen Druck von bis zu 80 mmHg (nach einigen Autoren bis zu 200 mmHg). Sie dienen der Austreibung des Fetus treten alle 2-3 Minuten auf. Diese Phase dauert cirka 1 Stunde und wird durch die reflektorische Preßmotorik von Bauchmuskulatur und Zwerchfell unterstützt.
  • Nachgeburtswehen: Die Nachgeburtswehen dienen der Austreibung der Eihäute und Plazenta, sowie der intrauterinen Blutstillung und Rückbildung des Myometriums. Sie haben eine abnehmende Intensität und Frequenz treten auch in den ersten Tagen des Wochenbetts, v.a. bei Stillenden ausgelöst durch die Oxytocin-Sekretion.

Als vorzeitige Wehen werden Eröffnungswehen bezeichnet, die vor dem errechneten Geburtstermin auftreten. Frustrane Wehen sind Eröffnungswehen, die zu keiner Eröffnung des Muttermundes führen.

4 Wehenförderung und Wehenhemmung

Je nach Schwangerschaftsverlauf bzw. Geburtsfortschritt kann man medikamentös in das Geschehen eingreifen. Dies geschieht durch Wehenförderung (Weheninduktion) oder Wehenhemmung (Tokolyse). So kann es z.B. nötig sein, bei vorzeitiger Wehentätigkeit (vWTK) die Uteruskontraktionen zu hemmen, oder andersherum, bei Geburtsstillstand die Wehen zu fördern:

+ -
Oxytocin Oxytocinantagonisten, z.B. Atosiban
Prostaglandine Prostaglandin-Synthesehemmer (Erfahrungen nur mit Indomethacin, jedoch zahlreiche fetale Komplikationen)
ß-Sympathomimetika, z.B. Fenoterol
Calciumantagonisten, z.B. Nifedipin (in Deutschland als Tokolytikum nicht zugelassen)
Magnesiumsulfat (in der Roten Liste aufgeführt, aber mit hoher fetaler Mortalität assoziiert)
NO-Donatoren (in Deutschland als Tokolytikum nicht zugelassen)

siehe auch: Wehensturm, Tokographie, Wehenschwäche

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Fachgebiete: Geburtshilfe

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