Trimetazidin
Handelsnamen: Vastarel®, Preductal®
Englisch: trimetazidine
Definition
Trimetazidin ist ein antiischämisch wirksamer Stoffwechselmodulator, der als Zusatztherapie zur symptomatischen Behandlung der stabilen Angina pectoris eingesetzt wird.
Chemie
Trimetazidin ist ein piperazinhaltiges, aromatisches Amin (INN). Die Summenformel lautet C14H22N2O3. [1]
Wirkmechanismus
Trimetazidin hemmt in den Mitochondrien die langkettige 3-Ketoacyl-CoA-Thiolase (Schlüsselenzym der β-Oxidation) und verschiebt damit den Energiestoffwechsel des Myokards von der Fettsäure- zur effizienteren Glukoseoxidation. Dadurch wird bei Ischämie der Sauerstoffverbrauch pro gebildetem ATP reduziert und die zelluläre Energiehomöostase stabilisiert, ohne die Hämodynamik direkt zu beeinflussen.[2][3]
Pharmakokinetik
Nach oraler Gabe wird Trimetazidin rasch und vollständig resorbiert. Bei Retardtabletten wird die maximale Plasmakonzentration nach etwa 5 Stunden erreicht. Der steady state wird nach ca. 60 Stunden erreicht. Das Verteilungsvolumen beträgt ca. 4,8 l/kg, die Plasmaproteinbindung ist gering (ca. 16 %). Die Elimination erfolgt überwiegend renal, vorwiegend als unveränderter Wirkstoff im Urin. Die Gesamtclearance korreliert mit der Kreatinin-Clearance.[2]
Indikationen
Trimetazidin wird bei Erwachsenen als Zusatztherapie zur symptomatischen Behandlung der stabilen Angina pectoris eingesetzt, wenn Patienten mit antianginöser First-Line-Therapie nicht ausreichend eingestellt sind oder diese nicht vertragen.[2][4]
Darreichungsform
Trimetazidin ist zur oralen Anwendung verfügbar, u.a. als Retardtablette/Filmtablette mit veränderter Wirkstofffreisetzung.[2]
Dosierung
Die übliche Dosierung (Retardform) beträgt 35 mg zweimal täglich zu den Mahlzeiten. Der Therapieerfolg soll nach 3 Monaten bewertet und Trimetazidin abgesetzt werden, wenn kein Ansprechen vorliegt. Bei mäßiger Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance 30–60 ml/min) wird eine Reduktion auf 35 mg einmal täglich (morgens zum Frühstück) empfohlen. Bei älteren Patienten ist wegen möglicher Expositionserhöhung vorsichtig zu dosieren.[2]
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Klinische Wirkung
In einer Studie mit rund 6.000 Patienten hatte die Gabe von Trimetazidin nach perkutaner Koronarintervention keinen signifikanten Effekt auf das Wiederauftreten einer Angina pectoris oder den sonstigen Outcome.[5]
Nebenwirkungen
Häufige unerwünschte Wirkungen betreffen v.a. das Nervensystem (z.B. Benommenheit, Kopfschmerzen) sowie den Gastrointestinaltrakt (z.B. abdominelle Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe).
Als relevante, teils in der Post-Market-Surveillance berichtete Risiken gelten Parkinsonismus/extrapyramidale Symptome (z.B. Tremor, Akinesie, muskuläre Hypertonie), unsicherer Gang und Restless-Legs-Syndrom. Außerdem sind u.a. Urtikaria/Pruritus und selten schwerwiegende kutane Arzneimittelreaktionen (z.B. DRESS, AGEP) beschrieben.[2][4]
Kontraindikationen
Kontraindikationen sind Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, Morbus Parkinson bzw. Parkinson-Symptome und andere verwandte Bewegungsstörungen (inkl. Tremor, Restless-Legs-Syndrom) sowie eine schwere Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance < 30 ml/min). [2][6]
Zulassung
Trimetazidin ist auf die Add-on-Behandlung der stabilen Angina pectoris zur Symptomkontrolle beschränkt. Hintergrund sind Nutzen-Risiko-Abwägungen mit Schwerpunkt auf dem Risiko von Bewegungsstörungen. Entsprechend wurden die Indikationen in Europa eingeschränkt.[4][6]
Doping
Trimetazidin steht auf der Verbotsliste der World Anti-Doping Agency (WADA) und wird im Leistungssport als Dopingmittel missbraucht. Aufgrund seiner stoffwechselmodulierenden Wirkung kann es die myokardiale Energieeffizienz verbessern und dadurch potenziell die Ausdauerleistung steigern. Mehrere positive Dopingfälle führten international zu Sperren von Athletinnen und Athleten.[7]
Quellen
- ↑ Trimetazidine (CID 21109) | PubChemLite
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 Fachinformation Vastarel 35 mg (Trimetazidin), BASG
- ↑ Kantor et al., The antianginal drug trimetazidine shifts cardiac energy metabolism from fatty acid oxidation to glucose oxidation by inhibiting mitochondrial long-chain 3‑ketoacyl coenzyme A thiolase, Circ Res, 2000
- ↑ 4,0 4,1 4,2 EMA: Empfehlung zur Einschränkung der Anwendung von trimetazidinhaltigen Arzneimitteln
- ↑ Ferrari, Roberto et al. Efficacy and safety of trimetazidine after percutaneous coronary intervention (ATPCI): a randomised, double-blind, placebo-controlled trial, The Lancet, Volume 396, Issue 10254, 830 - 838
- ↑ 6,0 6,1 Trimetazidin – Annex III (Änderungen SmPC/Packungsbeilage), EMA
- ↑ Bahn, Trimetazidin: Doping bei Olympia, DocCheck, zuletzt abgerufen am 19.01.2026