Trilaterales Retinoblastom
Definition
Das trilaterale Retinoblastom bezeichnet die Kombination eines hereditären Retinoblastoms mit einem zusätzlichen intrakraniellen Mittellinientumor neuroblastischer oder primitiv neuroektodermaler Herkunft. Dieser Tumor ist histologisch mit dem Retinoblastom verwandt und entsteht unabhängig vom intraokularen Tumor.
Epidemiologie
Das trilaterale Retinoblastom tritt bei etwa 1–5 % der Kinder mit hereditärem Retinoblastom auf, wobei das Risiko bei bilateralem Retinoblastom deutlich erhöht ist. Die Erkrankung manifestiert sich überwiegend im Kleinkindalter, meist innerhalb der ersten fünf Lebensjahre. Jungen und Mädchen sind dabei etwa gleich häufig betroffen.
Ätiopathogenese
Ursächlich ist eine Keimbahnmutation des Tumorsuppressorgens RB1 auf Chromosom 13q14.2. Der Verlust der RB1-Funktion führt zu einer unkontrollierten Proliferation neuroektodermaler Zellen. Der intrakranielle Tumor entsteht dabei primär (nicht metastatisch) aus pinealen bzw. suprasellären Vorläuferzellen und weist molekulare und histologische Ähnlichkeiten zum Retinoblastom auf.
Klinik
Okuläre Manifestation (Retinoblastom)
- Leukokorie (weißlicher Pupillenreflex)
- Strabismus
- Seltener: Rötung, Schmerzen, Visusminderung
- Bei fortgeschrittenem Befall: sekundäres Glaukom
Intrakranielle Manifestation
- Frühphase häufig asymptomatisch
- Mit Tumorwachstum:
- Zeichen des erhöhten intrakraniellen Drucks (Kopfschmerzen, morgendliches Erbrechen, Müdigkeit)
- Gangunsicherheit, Ataxie
- Bei supra-/parasellärer Lage:
- Sehstörungen, Augenbewegungsstörungen
- Endokrine Auffälligkeiten (z.B. Wachstumsstörungen, Pubertas praecox oder tarda, Diabetes insipidus)
Diagnostik
Die Diagnostik basiert auf der Kombination aus augenärztlicher und neuroradiologischer Untersuchung. Die Magnetresonanztomographie des Schädels sollte beim hereditären Retinoblastom regelmäßig durchgeführt werden. Eine Computertomographie wird aufgrund der Strahlenexposition möglichst vermieden. Molekulargenetische Untersuchungen zum Nachweis einer RB1-Keimbahnmutation sind essenziell für die Diagnosesicherung und Familienberatung.
Therapie
Die Behandlung erfolgt interdisziplinär in spezialisierten pädiatrisch-onkologischen Zentren. Sie umfasst eine intensive systemische Chemotherapie nach Protokollen für Pineoblastome und neurochirurgische Maßnahmen (Biopsie oder partielle Resektion). Eine Strahlentherapie wird aufgrund des hohen Risikos strahleninduzierter Zweittumoren bei RB1-Keimbahnmutation vermieden.