Tebipenem
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
LoslegenHandelsname(n): Utebzi® (USA), Orapenem® (Japan)
Synonyme: Tebipenempivoxil-Hydrobromid, Tebipenem-Pivoxil, Tebipenempivoxil
Englisch: tebipenem pivoxil
Definition
Tebipenem ist ein Carbapenem aus der Gruppe der Betalaktam-Antibiotika, das in Form des Prodrugs Tebipenempivoxil verabreicht wird. Es ist das erste Carbapenem, dessen aktive Substanz nach oraler Gabe systemisch verfügbar ist. Der Arzneistoff wird zur Behandlung komplizierter Harnwegsinfektionen eingesetzt.
Chemie
Pharmakologisch verwendet wird Tebipenempivoxil, der Pivaloyloxymethylester (Pivoxilester) des Tebipenem. Durch die Veresterung wird die orale Bioverfügbarkeit des ansonsten schlecht resorbierbaren Carbapenems verbessert. Die vermarktete Form ist das Hydrobromidsalz mit der Summenformel C22H32BrN3O6S2 und einer molaren Masse von 578,54 g/mol.
Wirkmechanismus
Nach oraler Aufnahme wird das inaktive Prodrug durch Esterasen in Enterozyten und im Darmlumen rasch zur aktiven Wirkform Tebipenem hydrolysiert. Tebipenem bindet an penicillinbindende Proteine (PBP), vor allem an PBP 2, und hemmt so die Quervernetzung des Peptidoglykans. Die dadurch gestörte Zellwandsynthese wirkt bakterizid.
Das Wirkspektrum umfasst zahlreiche gramnegative und einige grampositive Erreger, darunter Escherichia coli, Klebsiella pneumoniae und Enterococcus faecalis. Tebipenem ist stabil gegenüber vielen Betalaktamasen einschließlich der ESBL und zeigt Aktivität auch gegen fluorchinolon- oder cotrimoxazolresistente Enterobacterales.[1] Keine Wirksamkeit besteht gegen Erreger mit Carbapenemasen, also weder gegen Serincarbapenemasen wie die KPC und OXA-48 noch gegen Metallo-Betalaktamasen wie NDM und VIM.
Pharmakokinetik
Die Aufnahme erfolgt rasch, die maximale Plasmakonzentration des pharmakologisch aktiven Tebipenem wird nach etwa 0,6 bis 1,5 Stunden erreicht. Eine gleichzeitige Nahrungsaufnahme hat keinen klinisch relevanten Einfluss auf die Resorption. Die Plasmaproteinbindung von Tebipenem liegt bei rund 42 %, die terminale Halbwertszeit beträgt etwa 1,6 Stunden.
Tebipenem unterliegt kaum einer hepatischen Metabolisierung und wird überwiegend über die Niere ausgeschieden, etwa zu 62 % unverändert und zu 22 % als inaktiver, am Betalaktamring geöffneter Metabolit. Als Substrat der organischen Anionentransporter OAT1 und OAT3 steigt die Plasmakonzentration bei gleichzeitiger Gabe entsprechender Transporthemmer an. Bei eingeschränkter Nierenfunktion nimmt die systemische Exposition zu, sodass eine Dosisanpassung erforderlich ist.[2]
Indikationen
In den USA ist Tebipenem zur Behandlung komplizierter Harnwegsinfektionen einschließlich Pyelonephritis bei Erwachsenen zugelassen, für die keine oder nur eingeschränkte orale Therapiealternativen bestehen. In Japan wird die Substanz als Granulat dagegen in der Pädiatrie gegen Otitis media, Sinusitis und Pneumonie eingesetzt.
Darreichungsformen
Für die Behandlung Erwachsener steht Tebipenempivoxil als 300-mg-Filmtablette zur Verfügung (Utebzi®). Die in Japan eingesetzte pädiatrische Zubereitung liegt als Feingranulat (10 %) vor (Orapenem®).
Dosierung
Die empfohlene Erwachsenendosis bei einer geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) zwischen 60 und 150 ml/min beträgt 600 mg (zwei Tabletten zu 300 mg) oral alle 6 Stunden über 7 bis 10 Tage. Die Einnahme kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen. Bei eingeschränkter Nierenfunktion wird die Dosis wie folgt reduziert:
| eGFR | Einzeldosis | Intervall |
|---|---|---|
| 60 bis < 90 ml/min | 600 mg | alle 6 Stunden |
| 30 bis 59 ml/min | 300 mg | alle 6 Stunden |
| 15 bis 29 ml/min | 300 mg | alle 12 Stunden |
Die empfohlene Behandlungsdauer darf nicht überschritten werden, da pivalathaltige Verbindungen zu einem Carnitinmangel führen können.
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Nebenwirkungen
Zu den häufigeren unerwünschten Wirkungen zählen:
- Diarrhö
- Kopfschmerzen
- Übelkeit
- Bauchschmerzen
- Anstieg der Transaminasen
- Clostridioides-difficile-Infektionen
Seltener treten Überempfindlichkeitsreaktionen bis hin zur Anaphylaxie sowie zentralnervöse Störungen einschließlich Krampfanfällen auf, wie sie für Betalaktam-Antibiotika typisch sind. Durch den Pivalatanteil kann es zu einem klinisch relevanten Carnitinmangel mit Hypoglykämie, Muskelschwäche und Verwirrtheit kommen.
Wechselwirkungen
Wie andere Carbapeneme kann Tebipenempivoxil den Serumspiegel von Valproinsäure senken und dadurch das Risiko von Durchbruchanfällen erhöhen. Die gleichzeitige Gabe ist zu vermeiden. Hemmstoffe der organischen Anionentransporter OAT1 und OAT3 wie Probenecid erhöhen die Plasmakonzentration von Tebipenem. Die Kombination mit weiteren pivalatbildenden Arzneistoffen steigert das Risiko eines Carnitinmangels.[2]
Kontraindikationen
Kontraindikationen sind u.a.:
- bekannte Überempfindlichkeit gegen Tebipenempivoxil oder andere Betalaktam-Antibiotika
- primärer oder sekundärer Carnitinmangel bzw. angeborene Stoffwechselstörungen, die einen klinisch relevanten Carnitinmangel bedingen können
Zur Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit liegen nur unzureichende Daten vor. Eine Behandlung vor der Geburt kann beim Neugeborenen zu einem falsch-positiven Screening-Befund auf Isovalerianazidämie führen.
Zulassung
Quellen
- ↑ Sun Z, Su L, Cotroneo N, et al. Evaluation of Tebipenem Hydrolysis by β-Lactamases Prevalent in Complicated Urinary Tract Infections. Antimicrob Agents Chemother. 2022;66(5):e0239621.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 U.S. Food and Drug Administration. Utebzi (tebipenem pivoxil) tablets – Prescribing Information. GlaxoSmithKline; 2026.