Stress
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Loslegenvon englisch: stress - Druck, Belastung
Englisch: stress
Definition
Als Stress bezeichnet man eine psychophysische Reaktion des Organismus auf interne oder externe Anforderungen, die sich als koordinierte Aktivierung des vegetativen Nervensystems und der HPA-Achse äußert. Charakteristisch sind die vermehrte Ausschüttung von Katecholaminen und Kortisol sowie konsekutive hämodynamische, metabolische und immunologische Veränderungen.
Hintergrund
Stress wird durch verschiedene innere oder äußere Reize (Stressoren) ausgelöst, die den Organismus über sein gewohntes Anpassungsmaß hinaus beanspruchen. Evolutionär handelt es sich um eine konservierte Anpassungsreaktion ("Fight-or-Flight"), die kurzfristig die Leistungsfähigkeit steigert.
Während akute Stressreaktionen teilweise immunstimulierend wirken, ist chronischer Stress mit anhaltend erhöhten Kortisolspiegeln und immunsuppressiven Effekten assoziiert.
Pathophysiologie
Zentrale Rolle spielt die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse).
- Stressor → Hypothalamus setzt CRH frei.
- CRH stimuliert die Hypophyse zur Ausschüttung von ACTH.
- ACTH bewirkt in der Nebennierenrinde die Freisetzung von Cortisol.
Parallel aktiviert der Sympathikus das Nebennierenmark, wodurch Adrenalin und Noradrenalin vermehrt in die Blutbahn gelangen.
Einteilung
Klassische Einteilung
In der Psychologie wird Stress klassischerweise nach Selye traditionell unterschieden in:
- Eustress: als positiv und motivierend erlebter Stress
- Disstress: als unangenehm, bedrohlich oder überfordernd erlebter Stress
Eine weitere Stressform ist der empathische Stress.
Merke: Die Unterscheidung zwischen Eustress und Distress ist didaktisch verbreitet, beschreibt jedoch keine intrinsische Eigenschaft des Stressors.
Moderne Stressmodelle
Moderne Stressmodelle gehen davon aus, dass Stress nicht nur durch belastende Ereignisse entsteht, sondern davon abhängt, wie Menschen eine Situation wahrnehmen und wie gut sie damit umgehen können.
- Das transaktionale Stressmodell nach Lazarus und Folkman betont die kognitive Bewertung (primary und secondary appraisal) als zentralen Determinanten der Stressreaktion.[1] Stress entsteht, wenn eine Person eine Situation als belastend oder bedrohlich bewertet und gleichzeitig glaubt, nicht genügend Möglichkeiten oder Ressourcen zu haben, um sie zu bewältigen. Deshalb können zwei Menschen dieselbe Situation unterschiedlich stressig erleben.
- Das Konzept der allostatischen Last nach McEwen beschreibt die kumulativen physiologischen Folgen chronischer oder wiederholter Stressbelastung.[2] Kurzfristiger Stress hilft dem Körper, sich an Herausforderungen anzupassen. Hält Stress jedoch lange an oder tritt immer wieder auf, bleibt der Körper dauerhaft aktiviert. Dies kann mit der Zeit die Gesundheit beeinträchtigen, zum Beispiel das Herz-Kreislauf-System, das Immunsystem oder das Gedächtnis.
- Das Job-Demands-Resources-Modell versteht Stress als Ungleichgewicht zwischen situativen Anforderungen (z.B. hoher Arbeitsdruck oder Zeitmangel) und individuellen Ressourcen (z.B. Unterstützung durch Kollegen, Handlungsspielraum oder ausreichende Erholung).[3]
Stressreaktionen
Zu den typischen physiologischen Stressreaktionen gehören:
- erhöhte Herzfrequenz
- erhöhter Blutdruck
- erhöhter Blutzuckerspiegel
- Tachypnoe
- erhöhter Muskeltonus
- gesteigerte Zytokinproduktion
- Mydriasis
Verdauung und Sexualfunktionen werden in Stresssituationen reduziert, um Ressourcen für die akute Stressantwort freizusetzen.
Klinische Bedeutung
Chronischer Stress ist ein etablierter Risikofaktor für:
Therapie
Akute Stressreaktionen sind in der Regel physiologisch und selbstlimitierend. Bei chronischer Belastung kommen folgende Interventionen zum Einsatz:
- Entspannungsverfahren wie MBSR, progressive Muskelrelaxation und autogenes Training
- regelmäßige körperliche Aktivität
- Psychotherapie, insbesondere Verhaltenstherapie
- arbeits- und organisationspsychologische Interventionen mit Fokus auf Ressourcenstärkung und Anforderungsregulation
Quellen
- ↑ ebsco.com - Transactional model of stress and coping, abgerufen am 29.06.2026
- ↑ McEwen, Stress, adaptation, and disease. Allostasis and allostatic load., Ann N Y Acad Sci, 1998
- ↑ Dorsch - Job-Demands-Resources-Modell, abgerufen am 29.06.2026